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22 Empfehlungen für die Tourismus GmbH

20.05.2021 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Urlaubsverhalten der Touristen ändert sich zusehends. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Urlaubsverhalten der Touristen ändert sich zusehends. Hartinger

Landes-Rechnungshof entdeckte einige Schwachstellen bei Tourismus GmbH.

Die Corona-Pandemie hat den Tourismus hart getroffen – und der Branche ihre bis dato größte Krise beschert. Gleichzeitig drängen Klimawandel und veränderte Urlaubsbedürfnisse schon lange auf neue Lösungen. Der Tourismus steht somit vor großen Herausforderungen. Welche Grundlagen die Vorarlberg Tourismus (VT) GmbH mitbringt, um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern, hat sich Landes-Rechnungshof (LRH)angeschaut. Geprüft wurde die Beteiligungsgesellschaft des Landes und der Wirtschaftskammer Voralberg (WKV) in den Jahren 2017 bis 2019. Die Ergebnisse finden sich in einem knapp 60-seitigen Bericht. Am gestrigen Donnerstag präsentierte Direktorin Brigitte Eggler-Bargehr das Papier der Öffentlichkeit. Der LRH hat insgesamt 22 Empfehlungen formuliert. Handlungsbedarf sieht die Kontrollbehörde unter anderem bei der Berichterstattung an den Aufsichtsrat, bei der Kostenrechnung und Prozesssteuerung sowie bei der Umsetzung der Tourismusstrategie 2030.

Tourismusstrategie

Die Umsetzung des Strategieprozesses müsse aktiv und fortlaufend begleitet werden, empfiehlt Eggler-Bargehr. Dies sei bei der Tourismusstrategie 2020 nur anfänglich der Fall gewesen, in weiterer Folge sei die Sache jedoch „eingeschlafen“. Für die professionelle Begleitung der neuen Tourismusstrategie, an der das Land, die WKV und die VT GmbH derzeit arbeiten, erachtet der LRH eine bei der Gesellschaft angesiedelte Stabsstelle als zweckmäßig. Weitere Schnittstellen sollten allerdings vermieden werden, ergänzt Eggler-Bargehr. Weiters erscheint dem LRH eine „frühzeitige und regelmäßige Einbindung“ der Tourismusdestinationen notwendig.

Landes-Rechnungshof-Direktorin Brigitte Eggler-Bargehr. <span class="copyright">Sams</span>
Landes-Rechnungshof-Direktorin Brigitte Eggler-Bargehr. Sams

Finanzierung

In Sachen Finanzierung wünschen sich die Prüfer eine stärkere Mitverantwortung der WKV. Die Interessensvertretung ist mit 25 Prozent an der Gesellschaft beteiligt, leistete im Prüfzeitraum jedoch nur zwei Prozent der Zuschüsse. Die restlichen 98 Prozent kamen vom Land, sprich in drei Jahren insgesamt 11,5 Millionen Euro (Basiszuschuss). Die Finanzierunganteile würden dem Beteiligungsverhältnis nicht entsprechen, betont Eggler-Bargehr. „Ein höherer Beitrag der Kammer sollte deshalb angestrebt werden.“
Ein Ungleichgewicht zeigt sich laut der Direktorin auch in der Besetzung des beratenden Ausschusses. Demnach wurden sechs von acht Mitgliedern von der WKV nominiert. „Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung von Tourismus und Lebensraum ist aber auch eine themenspezifisch breite Einbindung anderer, nicht gewerblicher Interessen zielführend“, erläutert Eggler-Bargehr. Handlungsbedarf ortet der LRH auch beim Ausbau der Kostenrechnung sowie bei der Berichterstattung für größere, mehrjährige Projekte an den Aufsichtsrat.

Die V-Card, mitd er Ausflugsziele günstiger erreicht werden können, benötigt bei einem Ausbau eine Marketingstrategie. <span class="copyright">hartinger</span>
Die V-Card, mitd er Ausflugsziele günstiger erreicht werden können, benötigt bei einem Ausbau eine Marketingstrategie. hartinger

Digitalisierung

Eine zunehmend starke Rolle im Tourismus nimmt die Digitalisierung ein. Auf die technischen Herausforderungen und steigende Bedeutung von Daten reagierte die VT GmbH mit einer intern entwickelten Informationsplattform namens V-Cloud. Der LRH bemängelt allerdings, dass der Fokus stark auf der technischen Entwicklung lag und potenziellen Anwendern Vorteile und Nutzen der Plattform nicht ausreichend erklärt wurde. Die V-Card, mit der etwa Seilbahnen günstiger benützt werden können, hat sich laut den Prüfern etabliert, allerdings sei bei einem weiteren Ausbau eine Marketingstrategie vorzusehen, heißt es in dem Bericht. Für beide Aspekte seien die finanziellen Faktoren bei der Berichterstattung stärker zu berücksichtigen.
Ebenfalls nicht entgangen ist der Kontrollbehörde, dass dem Unternehmen bei einer seiner größten Auftragsvergaben Fehler unterlaufen sind. Dabei handelt es sich um die Erstellung des Vorarlberg Magazins, die einer deutschen Agentur übertragen wurde. Mangels umfassender Auftragswertschätzung erfolgte dies ohne erf

Reaktion des Geschäftsführers

Christian Schützinger, Geschäftsführer der Vorarlberg Tourismus GmbH. <span class="copyright">Hartinger</span>
Christian Schützinger, Geschäftsführer der Vorarlberg Tourismus GmbH. Hartinger

Als „wertschätzend und differenziert“ empfindet der Geschäftsführer von Vorarl­berg Tourismus, Christian Schützinger, den präsentierten Prüfbericht des Landes-Rechnungshofs. Im Bericht würden die Erfolge des Tourismus in Vorarlberg, die agilen Strukturen im Unternehmen und das flexible Arbeiten im Netzwerk anerkannt. Gleichzeitig enthalte der Rechnungshofbericht eine Reihe nützlicher Vorschläge zu den internen Regelungen und Abläufen. „Bei allem Bemühen um ein unbürokratisches Arbeiten müssen für unsere internen Abläufe und Entscheidungen klare Regeln gelten“, betont Schützinger. Dazu gehören unter anderem die Aktualisierung des Organisationshandbuchs, Anpassungen im Rechnungswesen und in der Projektsteuerung. Schützinger: „Diese Vorschläge des Rechnungshofs werden wir in den kommenden Monaten umsetzen.“
Für die Zeit nach Corona sieht sich Vorarlberg Tourismus gut aufgestellt: „Für die kommenden Monate erwarten wir eine hohe Nachfrage.“ Hier komme dem Urlaubsland Vorarlberg der hohe Anteil an Gästen aus Deutschland und der Schweiz zugute, die auch in diesem Jahr bevorzugt im Nahraum buchen werden.

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