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Lehrlinge: Facharbeiter von morgen

27.05.2021 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Derzeit absolvieren knapp 7000 Jugendliche eine duale Ausbildung, zwölf davon bei Maischön. <span class="copyright">vlk</span>
Derzeit absolvieren knapp 7000 Jugendliche eine duale Ausbildung, zwölf davon bei Maischön. vlk

Verein „Lehre in Vorarlberg“ soll Attraktivität der Lehre aufzeigen.


Der Lehrlingsmarkt ist 2020 eingeknickt. 792 Lehrvertragsanmeldungen wurden verzeichnet, 2019 waren es noch 1025. Geschuldet war das der Pandemie und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Unsicherheit. Heuer scheint sich der Markt wieder erholt zu haben und ist auf dem Niveau von 2019. Derzeit gibt es rund 1300 ­Ausbildungsplätze zu besetzen, dem gegenüber stehen 285 Suchende.

Bereits 2019 wurde der Verein „Lehre in Vorarlberg“ von Land, Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer ins Leben gerufen, um Chancen aufzuzeigen, die hierzulande mit der dualen Ausbildung einhergehen. Mit der Pandemie kam dem Verein große Bedeutung zu, da in dieser Zeit kaum Betriebsbesichtigungen und Schnuppern nur beschränkt möglich waren. Der Wirkungsbereich des Vereins wurde am Donnerstag in den neuen Räumlichkeiten des Ausbildungsbetriebs Maischön in Dornbirn vorgestellt.

Infos und Netzwerk

Grundsätzlich bietet der Verein mit einer digitalen Informationsplattform (www.lehre-vorarlberg.at) einen Überblick über das Angebot der Lehrberufe und offene Lehrstellen. Dabei will er potenzielle Auszubildende, Lehrlinge, Eltern und Betriebe erreichen. Darüber hinaus werden Projekte umgesetzt, wie etwa die digitale Betriebsbesichtigung, die Initiierung eines Lehrlingsnetzwerks zum Austausch oder die Adaptierung der Jungendkarte für Lehrlinge.

190 verschiedene Lehrstellen gibt es in Vorarlberg. Die Zahl variiert, da zum einen immer neue Lehrberufe dazukommen und zum anderen alte adaptiert werden. Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler bezeichnet die duale Ausbildung als Basis für ein gutes Leben in Vorarlberg, keinesfalls als Sackgasse. Denn auch mit einer Lehre kann man erfolgreich sein. „Bis zum CEO kann man es durch entsprechende Weiterbildungen bringen“, meinte er. Im Land gebe es Beispiele für eine solche Karriere.

Lehrling ja oder nein

Viele Betriebe stehen derzeit vor der Entscheidung, einen Lehrling einzustellen oder eben nicht. Doch die Frage sei nicht „Stelle ich jetzt einen Lehrling ein?“ sondern: „Brauche ich in fünf Jahren eine Fachkraft?“ Wer das mit Ja beantworten kann, sollte spätestens nächstes Jahr das Lehrlingsprogramm fortsetzen, gab Arbeiterkammerpräsident Hubert Hämmerle zu bedenken.

Betrieb Maischön

Zwölf Lehrlinge sind derzeit bei Friseur und Kosmetiksalon Maischön beschäftigt. Der Betrieb hat jüngst in einen weiteren Standort in Dornbirn und eine eigene Ausbildungsakademie investiert. „Ein Handwerksbetrieb wie wir lebt von der Ausbildung – ohne wäre es uns nicht möglich, wirtschaftlich zu wachsen. Gleichzeitig haben wir keinen Fachkräftemangel, da wir die Mitarbeiter aus der Ausbildung heraus rekrutieren“, berichtet Maischön-Inhaberin Birgit Nöckl.

Sie beobachtet jedenfalls eine Veränderung beim Ausbildungsauswahlverfahren. Es bewerbe sich nicht mehr nur die oder der „klassische 15-Jährige“, sondern auch Maturanten, solche, die ein Studium abgebrochen haben oder eine zweite Ausbildung im kreativen Bereich absolvieren wollen. Auch Lehre in Teilzeit werde mittlerweile praktiziert.

Für die Betriebe gelte es, da offen und flexibel zu bleiben, um all diese unterschiedlichen Persönlich- und Befindlichkeiten unter einen Hut zu bekommen. Am Ende zahle es sich aus, nämlich dann, wenn die Auszubildenden nach Abschluss im Betrieb bleiben.