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Unternehmer fordert faires Verfahren

11.06.2021 • 22:35 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Patrik Nickel melde sich nun erstmals zu Wort. <span class="copyright">hartinger</span>
Patrik Nickel melde sich nun erstmals zu Wort. hartinger

Patrik Nickel fühlt sich von Götzner Gemeindechef übergangen.

Die seit vielen Jahren geplante Erweiterung der Kiesgrube in Altach sorgt derzeit für Aufregung in der Götzner Gemeindestube. Wie berichtet, hat die Standortgemeinde Altach einen rechtskräftigen BH-Bescheid erwirkt, der die Kommune dazu berechtigt, auf einem Grundstück der Marktgemeinde Götzis in den nächsten 35 Jahren 1,5 Millionen Kubikmeter Kies abzubauen und die Gruben anschließend wieder mit Bodenaushub aufzufüllen. Bevor die Bagger auffahren dürfen, braucht es allerdings noch eine privatrechtliche Vereinbarung zwischen Götzis und Altach sowie entsprechende Gemeindevertretungsbeschlüsse.

Disput in Gemeindepolitik

Während das Projekt in Altach bereits im Dezember 2019 durch eine Volksabstimmung quasi abgesegnet wurde, gehen in Götzis noch die Wogen hoch. Die Opposition wirft dem Bürgermeister vor, eine alternative Projektidee eines Götzner Unternehmens bewusst ignoriert und der Gemeindevertretung vorenthalten zu haben (die NEUE berichtete). Bürgermeister Chris­tian Loacker wies jedoch darauf hin, dass die Arbeitsgruppe Kies auch dieses Projekt erörtert und Kriterien für dessen Bewertung erarbeitet habe. Allerdings ließ Loacker gegenüber der NEUE auch durchblicken, dass er klar hinter dem bereits bewilligten Projekt mit Altach steht. Bei dem besagten Götzner Unternehmen handelt es sich um die Nickel Transporte GmbH. Deren Geschäftsführer Patrik Nickel meldet sich nun erstmals zu Wort. Er zeigt sich von den Aussagen des Bürgermeisters „mehr als überrascht“. Er habe sich erwartet, dass der Bürgermeister ein „faires, sachbezogenes Verfahren“ einleitet. Wie berichtet, hatte die Gemeindevertretung im März 2021 eine Art Zusatzbeschluss gefasst, dass „alle möglichen Projektvarianten umfassend geprüft werden“.

Die vorliegenden Projektgrundlagen sind seit der Erarbeitung des Abbau- und Aufbereitungskonzeptes aus 2005 unverändert.“

Patrick Nickel, Unternehmer

Auch Loackers Aussage, dass er zwar ein E-Mail bekommen habe, aber zum Zeitpunkt des Grundsatzbeschlusses im Herbst 2019 kein konkretes Projekt vorgelegen habe, lässt Nickel so nicht gelten. Das Interesse an der Umsetzung des gegenständlichen Kiesabbau- und Wiederverfüllungsprojektes sei der Marktgemeinde Götzis bereits seit vielen Jahren bekannt, behauptet Nickel. „Die vorliegenden Projektgrundlagen sind seit der Erarbeitung des Abbau- und Aufbereitungskonzeptes aus 2005 unverändert.“

Von den Mandataren der Oppositionsfraktionen wird das „Alternativprojekt“ bereits seit Ende 2019 mehrheitlich für positiv befunden. Zur Opposition gehörte damals auch die Grüne Liste Götzis (GLG), die seit Herbst 2020 mit der ÖVP koaliert und beim nunmehr anstehenden Gemeindevertretungsbeschluss über den Kiesabbau wohl das Zünglein an der Waage sein wird.

Unternehmer fordert faires Verfahren
Grafik NEUE

variante Nickel

1 Abbaufeld

Abbau von 1,5 Millionen Kubikmetern Kies und Wiederverfüllung mit Bodenaushub. Projektdauer 35 Jahre.

A Förderband

Das gewonnene Rohkies bzw. das Bodenaushubmaterial werden mittels eines unteririschen Förderbands in eine Aufbereitungshalle bzw. zur Deponiefläche transportiert.

B Aufbereitungshalle

Die Aufbereitungshalle wird nach den vorliegenden Plänen begrünt und mit einer PV-Anlage bestückt.

C Abransport Kies, Antransport Bodenaushub

Über Mäder zur Autobahnauffahrt Altach bzw. Lastenstraße.

Variante gemeinde Altach

1 Abbaufeld

Abbau von 1,5 Millionen Kubikmetern Kies und Wiederverfüllung mit Bodenaushub. Projektdauer 35 Jahre.

D Weg zum Kieswerk

Kies und Aushubmaterial werden per Kipper und Lkw zum Kieswerk bzw. zur Deponie transportiert.

E Kieswerk

Im bestehenden Kieswerk wird der Rohkies aufbereitet bzw. zu Beton verarbeitet.

F Abtransport Kies/Beton, Antransport Bodenaushub

Geplant ist ein noch zu bauender Anschluss an die Autobahn (Raststätte). Ob der Anschluss rechtlich umgesetzt werden kann, ist derzeit noch ungewiss

Ökologisch

Geht es nach Transportunternehmer Nickel, so ist die von ihm entwickelte Projektidee wesentlich ökologischer als das genehmigte Kiesabbauprojekt, welches die Gemeinde Altach mit dem seit mehreren Jahrzehnten ortsansässigen Unternehmen Kopf Kies + Beton durchziehen möchte. „Es ist uns ein großes Anliegen, durch alternative Förder- und Abbaumethoden das hochwertige und äußerst beliebte Naherholungsgebiet vor Verkehr, Lärm und Staub zu bewahren“, erklärt Nickel. Laut den jetzt veröffentlichten Plänen soll das Kies über ein unterirdisches Förderband in eine Aufbereitungshalle am Rande der Sandgrube in Mäder transportiert werden. Gemäß Projektunterlagen werden allein dadurch mehr als 80.000 Fahrten im Kiesabbaugebiet eingespart. Bei der Wiederverfüllung mit Aushubmaterial fallen laut Nickel mehr als 160.000 Fahrten weg. Das Grundstück, das Nickel für die Aufbereitungshalle braucht, liegt in Altach, gehört  aber – so wie die Abbaufläche selbst – der Marktgemeinde Götzis. Fassade und Dach der Aufbereitungshalle sollen begrünt werden.

Kieswerk Kopf. <span class="copyright">Hartinger</span>
Kieswerk Kopf. Hartinger

Erschließung über Mäder

Der Ab- und Antransport soll bei dieser Variante über Mäder abgewickelt werden. „Unsere Lkw gehören dort schon seit vielen Jahren zum täglichen Verkehrsgeschehen. Einen wesentlichen Teil der erforderlichen Transporte könnten wir ohne Mehrverkehr abwickeln“, verspricht Nickel. Was Bürgermeister Rainer Siegele von den Plänen hält, konnte die NEUE am Freitag nicht mehr in Erfahrung bringen.

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