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Belastungsprobe für Kummenberg-Region

06.07.2021 • 20:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warten heißt es auch für das Kieswerk Kopf. Das Unternehmen muss derzeit Kies aus dem Ausland importieren. <span class="copyright">hartinger</span>
Warten heißt es auch für das Kieswerk Kopf. Das Unternehmen muss derzeit Kies aus dem Ausland importieren. hartinger

Kies: Nach dem gekippten Grundsatzbeschluss in Götzis soll Alternativprojekt geprüft werden. In Mäder schrillen schon die Alarmglocken.


Es ist ein herber Rückschlag für die Gemeinde Altach. Nach jahrelangen Planungen sowie einem umfangreichen Behördenverfahren, an dessen Ende ein positiver Abbaubescheid stand, hat die Marktgemeinde Götzis als Grundstückseigentümerin dem gemeinsamen Projekt nun eine Absage erteilt. 17 von 30 Gemeindevertretern stimmten am Montagabend für die Aufhebung eines entsprechenden Grundsatzbeschlusses, der im Jahr 2019 noch einstimmig gefasst worden war. Eingebracht wurde der Antrag von den Fraktionen der Grünen, Bürgerbewegung, SPÖ, Neos und FPÖ (die NEUE berichtete). Als Grund für ihren Kurswechsel gaben die Parteien an, dass „die nötigen Unterlagen für eine sachliche Beurteilung des Projekts mit Altach trotz wiederholter Anfrage nicht zur Verfügung stehen“. Wie berichtet, liegt der rechtskräftige Abbaubescheid zwar schon seit Herbst 2020 vor, wie die Millionenerlöse aus dem Kiesabbau zwischen der Standort- und Betreibergemeinde Altach und der Marktgemeinde Götzis als Grundstückseigentümerin aufgeteilt werden sollen, war allerdings bis zuletzt nicht ausverhandelt.

Zweites Projekt soll geprüft werden

Geht es nach den Fraktionen der Grünen, Bürgerbewegung, SPÖ, Neos und FPÖ, soll nun ein neuer Abbaubescheid erwirkt werden – und zwar auf Basis einer Projektvariante, die vom Götzner Transportunternehmer Patrik Nickel vorgebracht wurde. „Wir wollen jetzt wissen, ob diese Variante überhaupt möglich ist. Altach hat es nicht geschafft, Informationen zu den Konditionen und Bedingungen zu liefern. Das geplante Projekt ist deshalb für uns aus dem Rennen“, sagte Christoph Läng­le (Bürgerbewegung), der am Dienstagabend den Antrag im Namen der besagten Fraktionen gestellt hatte. Bürgermeister Christian Loacker (ÖVP) findet die Entscheidung „schade“. Er werde die Fraktionen nun einladen und Gespräche führen. „Ich werde weiterhin versuchen, sie vom Projekt mit Altach zu überzeugen. Für mich ist dieses Projekt alternativlos“, so der Gemeindechef. Ebenfalls enttäuscht zeigt sich Altachs Bürgermeister Markus Giesinger (ÖVP). „Wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen, hoffen aber weiterhin auf Gesprächsbereitschaft seitens der Marktgemeinde.“ Giesinger versichert, alle angeforderten Unterlagen geliefert zu haben. Falls dennoch ein Informationsmanko bestehe, so könne dies sicher ausgeräumt werden, so der Gemeindechef. Er beklagt, dass in der Sache politisches Kleingeld auf dem Rücken einer Gemeindepartnerschaft gewechselt werde.

Mäder hat keine Freude

Beim Alternativprojekt, das nun immer stärker in den Fokus rückt, soll das Kies über ein unterirdisches Förderband in eine Aufbereitungshalle am Rande der Sandgrube in Mäder transportiert werden. Das Grundstück liegt in Altach, gehört aber – so wie die Abbaufläche selbst – der Marktgemeinde Götzis. Der Ab- und Antransport des Kiesgesteins bzw. Aushubmaterials soll bei dieser Variante über Mäder abgewickelt werden. Dort steht man dem Projekt bislang kritisch gegenüber. „Wir haben das in der Gemeindevertretung bereits diskutiert. Das Vorhaben des Unternehmers wird mehrheitlich abgelehnt“, teilt der Gemeindechef in Mäder, Rainer Siegele (ÖVP), auf NEUE-Anfrage mit. Man wolle keine zusätzliche Verkehrsbelastung in diesem Gebiet. Siegele hat dem Projektwerber allerdings zugesagt, im Falle einer Aufhebung des Götzner Grundsatzbeschlusses das Projekt in Mäder präsentieren zu dürfen. „Bleiben die Gemeindevertreter bei ihrer ablehnenden Haltung, werden wir eine Umsetzung mit allen Mitteln verhindern“, ver­sichert Siegele.

Es bleibt spannend

Ob im Bereich Sauwinkel wie geplant 1,5 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut und die Gruben anschließend mit Aushubmaterial wiederverfüllt werden, steht derzeit noch in den Sternen. Gesetzt den Fall, Götzis würde das Alternativprojekt gegen den Willen der Nachbargemeinden Mäder und Altach durchboxen, könnte dies laut Insidern mitunter weitreichende Auswirkungen auf die Gemeindekooperationen in der Kummenbergregion haben.

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