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Freisprüche nach “geiler Schlägerei”

08.07.2021 • 20:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Prozess am Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">Symbolfoto Hartinger</span>
Prozess am Landesgericht Feldkirch. Symbolfoto Hartinger

Zwei 16-Jährige verletzten Opfer mit Faust. Einer wurde zuvor geschlagen.

Das 15-jährige Opfer wurde bei dem Vorfall am 23. Dezember 2020 bei einer Bushaltestelle in Dornbirn so schwer verletzt, dass es im Krankenhaus stationär aufgenommen werden musste. Der türkischstämmige Jugendliche erlitt durch die Gewalttaten eine Stirnhöhlenfraktur und eine Gehirnerschütterung. Zwei 16-Jährige mit türkischen Wurzeln hatten ihm jeweils einen Faustschlag ins Gesicht versetzt.
Die 16-Jährigen wurden wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung angeklagt, mit einem Strafrahmen für Jugendliche von null bis zweieinhalb Jahren Gefängnis. Die Angeklagten wurden aber in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch im Zweifel freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Staatsanwältin Konstanze Manhart nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

In Notwehr zugeschlagen.

Richter Dietmar Nußbaumer ging nach den vielen unterschiedlichen Aussagen im Zweifel davon aus, dass die Angeklagten in Notwehr zugeschlagen hatten. Nach Ansicht des Strafrichters hatte zuerst der 15-Jährige einen der 16-Jährigen von hinten geschlagen. Demnach schlugen die 16-Jährigen daraufhin zurück.
Der Richter nahm keine Notwehrüberschreitung an, zumal die beiden Angeklagten von einer Gruppe von fünf Jugendlichen, zu der der 15-Jährige gehörte, umzingelt waren. Die fünf Jugendlichen haben die beiden Angeklagten nach den gerichtlichen Feststellungen daran gehindert, in den Bus einzusteigen. Nußbaumer sagte in seiner Urteilsbegründung, er sei nach den widersprüchlichen Angaben der Zeugen nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt.

„Geile Schlägerei“.

Die Verteidiger Ralf Vetter und Nadja Luger haben mit Erfolg Freisprüche wegen Notwehr beantragt. Die Anwälte der Angeklagten sagten, die Gruppe habe sich bei der Bushaltestelle dafür rächen wollen, dass zuvor an einer anderen Stelle einer der Jugendlichen von einem der Angeklagten angeblich angerempelt worden sei. Nach der verabredeten tätlichen Auseinandersetzung habe einer der Jugendlichen aus der Gruppe von einer „geilen Schlägerei“ gesprochen.

Nicht gerechtfertigt.

Für Staatsanwältin Manhart und Opfer­anwalt Sascha Lumper, der für seinen Mandanten 1000 Euro an Teilschmerzengeld forderte, lag keine Notwehr vor. Die öffentliche Anklägerin sagte, selbst für den Fall, dass tatsächlich zuerst der 15-Jährige einmal zugeschlagen haben sollte, habe den Angeklagten kein weiterer Angriff gedroht. Deshalb sei ihr brutales Zuschlagen nicht gerechtfertigt gewesen.

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