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Herkulesaufgabe Kinderbetreuung

13.07.2021 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
16.800 Kinder werden in Vorarlberg werden außerhäusliche betreut. <span class="copyright">Hartinger</span>
16.800 Kinder werden in Vorarlberg werden außerhäusliche betreut. Hartinger

Ausbau des Angebots im Land schreitet kontinuierlich voran.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein gesellschaftliches Schlüsselthema. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kinderbetreuung: Je besser sie ausgebaut ist, desto eher gelingt der Spagat zwischen bezahlter Lohnarbeit und unbezahlter Sorgearbeit. Ob Spielgruppe, Kinderbetreuung oder Kindergarten – überall wächst der Bedarf, gleichzeitig wird händeringend nach Personal gesucht. Für berufstätige Eltern ist die Situation vor allem hinsichtlich der Öffnungszeiten oft nicht zufriedenstellend. Die Sommermonate verschärfen die Problematik zusätzlich, von der Corona-Krise ganz zu schweigen.

Jahresbericht 2020

Auf die Herausforderungen, welche die Pandemie mit sich brachte, wiesen gestern auch Landeshauptmann Markus Wallner und Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (beide ÖVP) bei der Präsentation des Jahresberichts über die Entwicklungen im Bereich Elementarpädagogik 2020 hin. Man habe versucht, Einrichtungen, Eltern und Kinder bestmöglich zu unterstützen, sagte Wallner. Schöbi-Fink betonte, dass die Corona-Krise klar aufgezeigt habe, wie wichtig die Kinderbetreuung für das Funktionieren einer Gesellschaft sei. Niedergeschlagen hat sich das auch in den Zahlen: 2,57 Millionen Euro sind während des Corona- zur Verfügung gestellt worden – etwa, um reduzierte Elternbeiträge abzufedern, erhöhte Personalkosten in den Sommerferien zu fördern oder auch als Corona-Gefahrenzulage.

Landeshauptmann Markus Wallner und Barbara Schöbi-Fink. <span class="copyright">VLK</span>
Landeshauptmann Markus Wallner und Barbara Schöbi-Fink. VLK

Neun Millionen Euro mehr

Laut dem Jahresbericht gab das Land im Jahr 2020 im Bereich der Elementarpädagogik 81,4 Millionen Euro aus. Das sind um über neun Millionen Euro mehr als 2019 (plus 12,6 Prozent).
Im vergangenen Jahr wurden elf Kindergarten- und neun Kinderbetreuungsgruppen mit insgesamt 361 Betreuungsplätzen neu geschaffen. Letztere entsprechen laut Wallner fast zu zwei Dritteln dem Vereinbarkeitsindikator Familie und Beruf. Landesweit wurden insgesamt über 16.800 Kinder in 256 Kindergärten, 157 Kinderbetreuungseinrichtungen, 49 Spielgruppen und bei 56 Tageseltern betreut. Nahezu alle vier- und fünfjährigen sowie 90 Prozent der dreijährigen Kinder sind in außerfamiliärer Betreuung. Bei den Zweijährigen liegt die Betreuungsquote bei 57 Prozent, bei den Einjährigen bei fast 26 Prozent.

Neues Gesetz in Arbeit

Wallner und Schöbi-Fink unterstrichen, dass der Ausbau auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werde. Im Rahmen eines neuen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes, das gerade erarbeitet werde und das Kindergartengesetz ersetzen soll, werde man einen erweiterten Versorgungsauftrag definieren. In einem ersten Schritt soll der Auftrag auf die Dreijährigen ausgedehnt werden. „Das heißt, dass dreijährige Kinder in der Einrichtung aufgenommen werden müssen, wenn die Eltern das wollen“, so die Landesrätin. In weiteren Schritten könnte der Auftrag noch weiter gefasst werden.
„Wir werden uns gemeinsam mit den Gemeinden auf den Weg machen“, sagte Wallner. Klar sei, dass der Ausbau in verträglichen Schritten kommen werde. Aufgrund der finanziellen Herausforderung stößt das Vorhaben bei den Gemeinden allerdings auf wenig Gegenliebe, wie man hört.

Qualität

Schöbi-Fink betonte in dem Zusammenhang, dass die gebotene Qualität keinesfalls unter einem Ausbau nicht leiden dürfe. Man bilde intensiv Personal aus, kümmere sich mit einer sozialen Staffelung um die Leistbarkeit der Kinderbetreuungsplätze. In Vorarlbergs elementarpädagogischen Einrichtungen sind knapp 3500 Betreuungspersonen tätig, 1700 Pädagogen sowie 1800 Assistenzkräfte.