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Ifs-Bilanz nach Jahren wieder im Plus

13.07.2021 • 20:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
IfS-Geschäftsführerin Martina Gasser. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
IfS-Geschäftsführerin Martina Gasser. Mathis Fotografie

Klientenzahl nahm ab, der Bedarf an Beratungen und Frauennotwohnungen zu.

Im vergangenen Jahr unterstützte das Institut für Sozialdiente (ifs) 30.767 Menschen und damit 1320 weniger als noch 2019. Dabei zeigte sich in den Beratungen, dass vor allem die Auswirkungen der Corona-Krise den Klienten zu schaffen machten. Überforderungen, Existenz­ängste, psychische Belastungen und häusliche Gewalt zählten unter anderem zu den Gründen, Kontakt mit dem ifs aufzunehmen. Aber auch der „ganz normale“ Alltag hielt so manche Herausforderungen bereit, die unter Umständen nicht ohne Hilfe bewältigt werden konnten.

Entwicklung der Zahl der vom IfS betreuten Personen. <span class="copyright">Neue</span>
Entwicklung der Zahl der vom IfS betreuten Personen. Neue

„Menschen in persönlichen Krisensituationen brauchen verlässliche Unterstützung. Deshalb setzten wir im vergangenen Jahr alles daran, trotz Lockdowns und Einschränkungen für unsere Klientinnen und Klienten da zu sein“, berichtet ifs-Geschäftsführerin Martina Gasser.
So habe das ifs die Öffnungszeiten ausgeweitet, um auch an Abenden und Samstagen erreichbar zu sein, passte Beratungssettings an und bot telefonische, videobasierte sowie Chat-Beratungen an. Ziel sei es dabei immer gewesen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dennoch ging die Nachfrage vor allem bei der regionalen Sozialberatung und der Fachberatung leicht zurück. Der negative Trend bei den betreuten Personen hält bereits seit 2018 an, als noch 37.682 Menschen beraten wurden.

Die Betreuung in der regionalen Sozialberatung ging heuer um 511 Fälle auf 11.774 zurück. Leichte Zuwächse gab es etwa bei der Extremismusprävention. Die Zahl der Erwachsenenvertretungen, der sogenannten Sachwalterschaft neu, stieg von 2382 auf auf 2453 leicht an. Dafür nahm die Zahl der Vetretungen bei Zwangseinweisungen leicht ab und sank um 19 auf 1290 Fälle. In 1103 Fällen kam es dabei tatsächlich zur Unterbringung.

Zeitverzögerte Auswirkungen

Während 2020 vor allem emotionale Belastungen, psychische Probleme und häusliche Gewalt zunahmen, blieb der erwartete Ansturm auf die Schuldenberatung oder die Delogierungsprävention vorerst aus. „Es ist davon auszugehen, dass sich manche Auswirkungen der Corona-Pandemie erst zeitverzögert zeigen werden“, erklärt die ifs-Geschäftsführerin.
Eine Zunahme gab es bei den Problemen in der Familie. Waren hier 2019 noch 2081 Klienten beraten worden, stieg ihre Zahl ein Jahr später auf 2259.

Wenig überraschend stieg im Vorjahr auch die Zahl der in Frauennotwohnungen untergebrachten Klientinnen des ifs von 129 auf 149. Bei der Gewaltschutzstelle gab es um 17,7 Prozent mehr Telefonberatungen, die persönlichen Beratungen nahmen krisenbedingt ab.
Gleichzeitig blieben die Einsätze des für Notfälle bereitstehenden Familienkrisendienstes aber annähernd konstant. Außerdem kam es zu einem leichten Rückgang beim Bedarf an allgemeinen Krisenwohnungen. Hier wurden im Vorjahr 79 Menschen untergebracht.

Entwicklung der häufigsten IfS-Angebote. <span class="copyright">Neue</span>
Entwicklung der häufigsten IfS-Angebote. Neue

Corona-bedingte Einschränkung

Die Pandemie machte die Bereitstellung gewisser Angebote unmöglich: So waren 2019 noch 3402 Jugendliche bei der Jugendberatungsstelle Mühletor in Gruppenberatungen betreut worden, die 2020 entfielen. Einen Anstieg der Klientenzahlen um 8,6 Prozent verzeichnete man hingegen bei der Familienberatung.

Corona habe das Geschäftsfeld der ifs-Kinder-, Jugend- und Familiendienste vor große zusätzliche Herausforderungen gestellt, heißt es im Jahresbericht. „Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit verstärkten die existenziellen Nöte, fehlende Tagesstrukturen, Homeschooling und zunehmende Zukunftsängste belas­teten die Familien.“
Ausgerechnet in diesem Geschäftsfeld wurden 2020 im Vergleich zum Vorjahr etwa 270.000 Euro eingespart.

Pandemie und Inklusion

Die Pandemie beeinflusste auch die Tätigkeiten des ifs im Inklusionsbereich und stellte für Behinderte wie für andere vulnerable Gruppen eine zusätzliche Belastung dar. „Viele zählen zur Risikogruppe und oftmals fiel es ihnen schwer, die hauptsächlich medial kommunizierten Informationen und Richtlinien zu verstehen und einzuordnen.“
So sei es notwendig gewesen, staatliche Vorgaben verständlich zu erklären, das Einhalten der Maßnahmen einzufordern und – wo notwendig – auch zu überprüfen. Speziell in den teilstationären und ambulanten Begleitungen im Bereich Wohnen wären somit zusätzliche Ressourcen gefordert gewesen, auch weil für Klienten zahlreiche tagesstrukturierende Angebote wegfielen.

Hilfe bei Finanzen

Diverse Hilfsmaßnahmen sowie die Möglichkeit der Stundung von Krediten und Mieten brachten Erleichterungen für Menschen in prekären Situationen mit sich. Doch mitunter führten diese Maß­nahmen nicht zu einer Lösung des Problems, sondern zu dessen Verlagerung in die Zukunft. „Mit dem Auslaufen der Maßnahmen erwarten wir einen steigenden Bedarf an existenz­sichernder Beratung und Unterstützung. Wir sind darauf vorbereitet und werden Betroffenen umfassende Hilfe und Unterstützung bieten“, heißt es dazu vom ifs.
Die Betriebsleistung des Ins­tituts betrug insgesamt 35 Millionen Euro und steig damit leicht an. „Verlässlich für die Hilfesuchenden da zu sein und psychosoziale Hilfe zu bieten, ist uns nur dank unserer Geldgeber – Land Vorarlberg und Gemeinden, Bundesministerien, Sozialversicherungsträgern und ÖGK – möglich“, so Gasser.
Nach einem Bilanzverlust von etwa 297.000 Euro im Jahr 2019 konnte nun ein Bilanzgewin von knapp 97.000 Euro und ein Finanzergebnis in ähnlicher Höhe eingefahren werden. Damit war es die erste positive Bilanz seit dem Jahr 2017.

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