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Pandemie-Müdigkeit hält sich in Grenzen

14.07.2021 • 19:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mehr als 75 Prozent der über 55-Jährigen waren im Mai und Juni bereit, sich weiter einzuschränken, um Corona-Risikogruppen zu schützen. <span class="copyright"> APA</span>
Mehr als 75 Prozent der über 55-Jährigen waren im Mai und Juni bereit, sich weiter einzuschränken, um Corona-Risikogruppen zu schützen. APA

Erste Ergebnisse nach Umfrage zu Corona-Maßnahmen und Modellregion.

Die Studienergebnisse, die in vollem Umfang noch in diesem Sommer vorliegen sollen, könnten hilfreich sein, wenn die von Experten erwartete vierte Corona-Welle kommt. „Die Daten helfen uns dabei, proaktiv und rechtzeitig zu reagieren“, erläutert der Epidemiologe und Mediziner Armin Fidler, der die Landesregierung in der Corona-Krise berät und in der Ampel-Kommission sitzt.
In der repräsentativen Telefonumfrage wurde der Wissensstand über die Corona-Maßnahmen, deren Befolgung und die Gründe für das eigene Handeln abgefragt. In erster Linie sei es darum gegangen, ein „Stimmungsbild“ hinsichtlich der Covid-19-Präventionsmaßnahmen einzufangen, heißt es in einer Aussendung der Medizinischen Universität Graz, die die Umfrage gemeinsam mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (Ages) durchgeführt hat.

Maßnahmen mitgetragen

Die bisherigen Umfrageergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung die Maßnahmen zu den Öffnungsschritten überwiegend mitgetragen haben, der Großteil der Bevölkerung sich zumindest einmal testen ließ und die „Corona-Müdigkeit“ weit geringer ausfiel, als man es nach über einem Jahr in der Pandemie annehmen würde.
Von besonderem Interesse war für die Experten allerdings die Gruppe der bislang noch nicht Getesteten. „Nur so können wir verstehen, warum sich jene bisher noch nie testen ließen“, erklärt Studienleiterin Andrea Siebenhofer-Kroitzsch von der MedUni Graz. Als Begründung wurde am häufigsten die Skepsis bezüglich der Aussagekraft des Tests genannt. Einige Personen aus der Gruppe, die bislang an keinem Test teilnahmen, gaben jedoch an, dass sie sich testen lassen würden, um beispielsweise Risikopersonen zu schützen, die Gastronomie zu nützen oder Freunde treffen zu können.

Gesundheitsexperte Armin Fidler.<span class="copyright"> VLK</span>
Gesundheitsexperte Armin Fidler. VLK

Dass die Maßnahmen, die am 15. März im Rahmen der Modellregion gesetzt wurden, vom überwiegenden Teil der Bevölkerung mitgetragen wurden und so eine Rückkehr ins gesellschaftliche Leben möglich wurde, wertet Fiedler als Erfolg. „Mittlerweile weiß man auch aufgrund der Auswertungen der Ages, dass die Infektionszahlen im Frühjahr zwar angestiegen, aber nicht ursächlich mit den Öffnungsschritten in Vorarlberg in Beziehung standen, sondern der Ausbreitung der britischen Variante geschuldet waren.“

Große Solildarität

Durchaus bemerkenswert ist der Umstand, dass nach über einem Jahr der Pandemie ein Großteil aller Bevölkerungsgruppen bereit war, sich weiterhin einzuschränken, um die Covid-19-Risikogruppen zu schützen. Am größten fiel diese Bereitschaft bei den über 55-Jährigen aus (75 Prozent). Weniger als 20 Prozent hätten sogar noch keine Anzeichen einer Übersättigung des Themas gezeigt. Keinen Einfluss auf die Corona-Müdigkeit haben laut der Umfrage das Geschlecht und Bildungsniveau. Die Solidarität in der Gesellschaft beurteilte Siebenhofer-Kroitzsch als sehr hoch.

Studienleiterin Andrea Siebenhofer-Kroitzsch vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung an der Medizinischen Universität Graz. <span class="copyright">Meduni</span>
Studienleiterin Andrea Siebenhofer-Kroitzsch vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung an der Medizinischen Universität Graz. Meduni


Die Studienleiterin hielt zusammenfassend fest, dass es es in Interviews darum gegangen sei, zu verstehen, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass sich die Bevölkerung an die Maßnahmen hält bzw. nicht hält. „Dafür wurden unter anderem Aspekte wie die wahrgenommenen Vorteile bzw. Nachteile, die das Befolgen der Maßnahmen mit sich bringt, aber auch die Einschätzung der Gefahr, sich zu infizieren, das Vertrauen in Institutionen sowie weitere Parameter erhoben“, so Siebenhofer-Kroitzsch.
Als wichtiges vorläufiges Ergebnis bezeichnet die Studienleiterin den Umstand, dass Personen, die sich bisher nicht testen ließen, durchaus dazu bereit sind, wenn es darum geht, Risikogruppen zu schützen und weitere Vorzüge wie Beherbergung und die Gastronomie zu nützen und Freunde zu treffen.

Finale Auswertung im Sommer

Daniela Schmid vom Institut für Infektionsepidemioloige und Surveillance von der Ages erwartet bereits die finalen Auswertungen im Sommer: „Die Ergebnisse können verknüpft mit den epidemiologischen Daten wie Clusterdaten einen Beitrag zur Klärung der Verbreitungsdynamik und des Verbreitungsrisikos leisten.“

Martina Rüscher, Landesrätin für Gesundheit.<span class="copyright"> hartinger</span>
Martina Rüscher, Landesrätin für Gesundheit. hartinger


Dass über die Telefonate auch die nicht-internetaffine Bevölkerung erreicht wurde, freut Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP): „Wir wollten über die Einstellungen der Vorarlberger zu den gesetzten Öffnungsschritten im Land Bescheid wissen.“