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Heimischen Schlangen auf der Spur

15.07.2021 • 20:09 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Gerade in den Talschaften und Siedlungsräumen ist es vor allem die Ringelnatter, die uns begegnen könnte.<span class="copyright"> W.Allgäuer</span>
Gerade in den Talschaften und Siedlungsräumen ist es vor allem die Ringelnatter, die uns begegnen könnte. W.Allgäuer

Zum Weltschlangentag erklärt Klaus Zimmermann, welche Arten es im Ländle gibt.

Schlangen. Was für die einen mit einer mystischen Faszination gleichzusetzen ist, bedeutet für die anderen purer Ekel. Oft begegnen uns die Kriechtiere in unserem Alltag ja nicht gerade. Sie halten sich lieber bedeckt, bleiben im Verborgenen, geschützt von Steinen und Unterholz. Und sollte doch mal ein Exemplar unseren Weg kreuzen – oder besser gesagt schlängeln – so weicht die Überraschung schnell der Panik und Ungewissheit darüber, wie nun mit der Situation weiterzuverfahren ist. Fangen oder lieber wegrennen? Und woran ist zu erkennen, ob das Tier giftig ist? Anlässlich des heutigen Weltschlangentags hat die NEUE bei inatura-Fachberater Klaus Zimmermann nachgefragt.

Unterscheiden der Schlangen

„Schlange ist nicht gleich Schlange, es gilt zu unterscheiden“, hält der Experte im Vorhinein fest. Denn drei verschiedene Arten sind in Vorarlberg heimisch: die Ringelnatter, die Schlingnatter und die Kreuzotter. „Gerade in den Talschaften und Siedlungsräumen ist es vor allem Erstere, die uns begegnen könnte. Doch obwohl die Ringelnatter mit einer Körperlänge von 1,30 Metern oder noch länger äußerst respekteinflößend erscheinen mag, ist sie für uns Menschen völlig harmlos“, entwarnt der Experte. Auch die zweite in Vorarlberg heimische Schlangenart, die sogenannte Glatt- oder Schlingnatter, ist nicht giftig. „Beide Arten sind absolut ungefährlich. Ein Biss kann zwar unangenehm sein, das war es dann aber auch schon wieder.“ Im Fall dieser beiden Arten besteht daher kein Grund zu Panik. Im Fall der Schlingnattern ist es sogar genau umgekehrt: Sie sind es, die uns fürchten müssen. Denn nicht selten werden sie mit der dritten im Ländle heimischen und durchaus giftigen Gattung der Kreuzottern verwechselt.

WeltsDie eigentlich harmlose Schlingnatter (r.) wird oft mit der giftigen Kreuzotter verwechselt.<span class="copyright"> Inatura/Klaus Zimmermann</span>
WeltsDie eigentlich harmlose Schlingnatter (r.) wird oft mit der giftigen Kreuzotter verwechselt. Inatura/Klaus Zimmermann

„So werden die eigentlich harmlosen Schlingnattern häufig vollkommen unbegründet gefürchtet, gejagt und sogar getötet. Zu verschulden ist diese Verwechslung nicht nur der ähnlichen Größe, sondern auch dem ähnlichen Aussehen der beiden Schlangenarten.“ Um das harmlose von dem gefährlichen Exemplar unterscheiden zu können, rät der Experte, die Musterung des Tieres genauer zu betrachten: „Auf dem Rücken der giftigen Kreuzotter erstreckt sich ein deutliches, schwarzes Zick-Zack-Muster, das an keiner Stelle unterbrochen wird. Es gleicht einem Band, das den ganzen Körper entlang verläuft. Die Schuppen der Schlingnatter hingegen zieren dunkelbraune, nicht verbundene Flecken, die jedoch aus der Ferne mit einem solchen Muster verwechselt werden können.“ Kreuzottern weisen außerdem schlitzförmige Pupillen auf, jene der harmlosen Nattern sind hingegen rund.

Achtung vor Kreuzottern

Um eine Begegnung mit dem unliebsamen Weggenossen zu vermeiden, empfiehlt es sich, präventiv vorzugehen, wie der Fachexperte weiter erklärt: „Wenn ich mich in einem Gebiet bewege, in dem Kreuzottern unterwegs sein könnten, ist es wichtig, auf mich aufmerksam zu machen.“ Und das ist viel einfacher als gedacht: „Schlangen können keine Schallwellen aufnehmen, doch sie spüren die Vibrationen der Laute in Form von Druckwellen im Boden. Lautes Stampfen etwa versetzt die Tiere in Alarmbereitschaft, woraufhin sie selbst das Weite suchen, bevor wir sie überhaupt zu Gesicht bekommen.“ Immerhin seien die Kriechtiere min­destens genau so wenig darauf aus, uns Menschen zu begegnen, wie umgekehrt.

Das Gift der Kreuzotter ist stärker als jenes einer Cobra. <span class="copyright">inatura/Klaus Zimmermann</span>
Das Gift der Kreuzotter ist stärker als jenes einer Cobra. inatura/Klaus Zimmermann

Denn auch wenn das Gift der Kreuzotter ein sehr gefährliches ist – stärker als jenes von Kobras, dafür jedoch in geringerer Dosis – so ist es für die Schlange allem voran ein wertvolles Gut. „Der Nutzen des sehr begrenzten Sekretvorrats liegt im Erlegen der Beute. Nur im äußersten Notfall verschwendet sie es daher in Form von Wehrbissen.“ So versucht sich die Schlange zunächst durch Fauch- und Zischlaute gegen ihren Feind zu behaupten. Erst wenn diese keine Wirkung zeigen, setzt sie zum Biss an. „Dieser ist jedoch nicht immer mit einer Vergiftung gleichzusetzen. Die Schlange kann steuern, wie viel ihres gefährlichen Sekrets sie dabei injizieren möchte. Im Fall eines Wehrangriffs ist es zumeist eine kleine Dosis, in manchen Fällen sogar gänzlich ohne Gift.“

Hilfe nach Schlangenbiss

Doch was, wenn es dann doch passiert und die Kreuzotter tatsächlich zubeißt? „Auch wenn die Dosis gering ist, darf die Stärke des Gifts nicht unterschätzt werden. Ein solcher Biss ist nämlich nicht nur mit furchtbaren Schmerzen verbunden, sondern kann auch bewirken, dass der Blutdruck rasant abfällt, wodurch in weiterer Folge der Kreislauf versagen kann.“ Dem Experten zufolge die eigentliche Gefahr, denn durch die körperliche Beeinträchtigung kann es leicht zum Sturz kommen, der schnell schreckliche Folgen nach sich ziehen könnte. „Daher lautet die klare Devise nach einem Biss der Kreuzotter: Ruhe bewahren, hinsetzen und um Hilfe rufen. Auch die Verständigung eines Rettungshubschraubers ist in einer solchen Situation völlig legitim. Zu schwerwiegend können die Folgen sein, sollte der Gebissene seinen Weg in diesem Zustand selbstständig weiter fortsetzen.“

Arten-Identifikation

inatura-Fachberatung

Montags bis freitags von

10 bis 18 Uhr erreichbar.

Telefon: +43 5572/23235-4770

Wildtierhilfe Vorarlberg

Täglich von 9 bis 11 und

17 bis 19 Uhr erreichbar.

Telefon: +43 664/3711639.

Doch nicht nur bei der Kreuzotter lohnt es sich, im Falle einer Schlangen-Sichtung Rat bei Experten zu holen, wie Zimmermann abschließend aufklärt. „Für Laien ist eine genaue Identifikation nicht einfach. Daher sollte ein Foto von dem Reptil gemacht werden, anhand welchem eine fachkundigen Person – beispielsweise die inatura-Fachberatung oder die Wildtierhilfe – beurteilen kann, ob es sich um ein harmloses Tier handelt.“ Außerdem kann das hierfür geschulte Personal der Polizei zur Hilfe bei der Bergung hinzugezogen werden.