Lokal

Kult-Lokal „Kali“ steht vor dem Aus

16.07.2021 • 20:26 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
"Kali"-Betreiber Nurali Fidan fühlt sich mit der schwierigen Situation im Stich gelassen. <span class="copyright">Hartinger</span>
"Kali"-Betreiber Nurali Fidan fühlt sich mit der schwierigen Situation im Stich gelassen. Hartinger

Mit dem „Kali“ schließt die einzige Disco der Landeshauptstadt ihre Pforten.

Seit fünf Jahren ist das „Kali“ nun bereits ein fixer Bestandteil der Bregenzer Party- und Kulturszene. Die einzige Diskothek der Landeshauptstadt ist schon längst zu einem lieb gewonnenen Hotspot für Nachtschwärmer aus dem ganzen Land geworden. Neben leckeren Getränken und musikalischen Highlights aus allen Jahrzehnten sind es auch nette Gespräche mit dem allseits beliebten Inhaber Nurali Fidan, welche die „Kali-Erfahrung“ so besonders machen.

Doch der sonst immer so gut gelaunte Geschäftsführer ist derzeit gar nicht mehr zu Witzen aufgelegt. Verständlich, denn gebeutelt von den vergangenen eineinhalb Jahren kämpft Fidan um seine eigene Existenz. Das Bregenzer Kult-Lokal steht vor dem Aus.

Mietvertrag gekündigt

„Unsere Vermieter, die Hypo Vorarlberg, haben beschlossen, unseren Mietvertrag wegen Eigenbedarfs mit Ende Oktober auslaufen zu lassen“, erklärt der Klub-Besitzer. Ein Thema, mit dem sich Fidan nicht zum ersten Mal konfrontiert sieht, doch konnte vonseiten der Stadt Bregenz immer wieder eine Verlängerung des Mietvertrags ausgehandelt werden – zumindest bis jetzt. „Dieses Mal konnte sich auch die Stadt nicht durchsetzen. Ende Oktober muss ich mein Lokal endgültig räumen.“ Auch die Tatsache, dass er für fast die gesamte Dauer der letzten Mietfrist von zwei Jahren aufgrund der Pandemie fast keinerlei Einnahmen machen konnte, konnte dem Geschäftsführer keine weitere Schonfrist einräumen.

„Dieses Mal konnte sich auch die Stadt nicht durchsetzen. Ende Oktober muss ich mein Lokal endgültig räumen", gibt der Inhaber traurig bekannt.<span class="copyright"> Hartinger</span>
„Dieses Mal konnte sich auch die Stadt nicht durchsetzen. Ende Oktober muss ich mein Lokal endgültig räumen", gibt der Inhaber traurig bekannt. Hartinger

Das Problem geht also noch weit über die eigentliche Kündigung des Mietvertrags hinaus. Denn wie viele Nachtbetriebe hatte auch das Kali enorm unter Corona zu leiden. „Lange Zeit hieß es, man müsse seine Mitarbeiter nicht kündigen, der Spuk sei in ein paar Monaten vorbei. Das ist nun eineinhalb Jahre her. Eineinhalb Jahre, in denen ich lediglich Ausgaben hatte, jedoch keinerlei Einnahmen“, schildert er die schwierige Lage. „So kam es, dass ich mich immer weiter verschuldete, ich musste auch einen Kredit aufnehmen. Diese anfängliche Fehleinschätzung zu Beginn der Pandemie hat mich viel gekos­tet, was sich auch nicht durch die Förderungen der Regierung ausbügeln lässt.“

„Fühle mich im Stich gelassen“

So wird auch schnell klar, warum den Lokal-Betreiber das Auslaufen seines Mietvertrags umso härter trifft. Denn kaum hat er wieder die Möglichkeit, seine Schulden langsam, aber sicher anhand von Einnahmen zu tilgen, wird ihm die Chance darauf durch die Schließung seines Betriebs auch schon wieder genommen. „Dahingehend fühle ich mich von der Hypo Vorarlberg sehr im Stich gelassen, immerhin wissen um die missliche Lage, in der sich die Nachtgastronomie aufgrund der Corona-Situation derzeit befindet. Einem dann auch noch jede Möglichkeit zu nehmen, die Schulden wieder einnehmen zu können, grenzt an das Zerstören einer Existenz.“ Hätte er eher von der bevorstehenden Schließung gewusst, hätte sich Fidal niemals derart verschuldet oder einen Kredit aufgenommen, um den Betrieb zu retten, sondern lieber gleich aufgegeben, wie er nüchtern feststellt.

Inhaber Nurali Fidan bangt nun um seine Existenz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Inhaber Nurali Fidan bangt nun um seine Existenz. Hartinger

Und dann ließ auch noch die nächste Hiobsbotschaft nicht lange auf sich warten. Die Bundesregierung verkündete vor wenigen Tagen eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen im Bereich der Gastronomie. Ab nächster Woche dürfen nur noch jene, die geimpft sind oder einen negativen PCR-Test vorweisen können, Bars oder Klubs aufsuchen. „Demnach wird das Publikum rasant schrumpfen. Das ist mein endgültiger Genickbruch.“ Dabei hatte Fidan noch gehofft, trotz der schwierigen Ausgangslage wenigstens die letzten vier Monate des Betriebs im Kali nützen zu können. Doch auch daraus soll nun nichts werden.

Letzte Hoffnung

Die Hoffnung, das Kali noch retten zu können, hat der Inhaber mittlerweile eigentlich schon aufgegeben. Denn auch das Finden einer anderen Location stellt keine realistische Option dar, wie er weiter erklärt: „Ein Umzug würde noch mehr Kosten bedeuten, die ich einfach nicht mehr stemmen kann. Meine finanziellen Mittel sind am Ende. Meine einzige Hoffnung bleibt, dass die Hypo Vorarlberg mir doch noch eine letzte Schonfrist gewährt, um zumindest ein Stück meiner Schulden abbauen zu können.“