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Keine Tierquälerei durch Schafhirten

28.07.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine Spaziergängerin hatte am 16. Jänner 2021 in einem Oberländer Wald 37 Schafe im Schnee entdeckt, von denen eines verendet war. <span class="copyright">Symbolbild/Stiplovsek Dietmar </span>
Eine Spaziergängerin hatte am 16. Jänner 2021 in einem Oberländer Wald 37 Schafe im Schnee entdeckt, von denen eines verendet war. Symbolbild/Stiplovsek Dietmar 

Gefrorenes Wasser und beschädigter Unterstand für 37 eingeschneite Schafe.

Richter Richard Gschwenter unterstellte den beiden unbescholtenen Schafhirten aus dem Bezirk Bludenz keine Absicht, sondern nur fahrlässiges Verhalten. Deshalb wurden die von German Bertsch verteidigten Angeklagten im Alter von 57 und 36 Jahren am Dienstag am Landesgericht Feldkirch vom Vorwurf der Tierquälerei freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn Staatsanwalt Philipp Höfle nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Tier verendet

Eine Spaziergängerin hatte am 16. Jänner 2021 in einem Oberländer Wald 37 Schafe im Schnee entdeckt, von denen eines verendet war. Der Unterstand für die Tiere war nach Angaben der herbeigerufenen Polizisten beschädigt. Denn das Dach aus einer Folie und Brettern war aufgrund der Schneelast teilweise eingebrochen. Das Trinkwasser in den Kunststoffschalen war gefroren, sagten die Beamten als Zeugen.
Der Strafrichter sagte in seiner Urteilsbegründung, es sei nicht verboten, Schafe ganzjährig im Freien zu halten. Warum das eine Schaf gestorben sei, habe nicht geklärt werden können.

Unnötigen Qualen ausgesetzt

Bei der amtsärztlichen Kontrolle am 19. Jänner 2021 sei der Gesundheitszustand der lebenden Schafe kein schlechter gewesen. Der Weg zum Weideplatz der Schafe sei vom Schnee geräumt gewesen.
Dass das beschädigte Dach nicht sofort repariert worden sei, sei kein Ruhmesblatt für die angeklagten Landwirte. Dass das Wasser gefroren sei, deutete der Richter als Hinweis dafür, dass die Schafe ihren Durst schon zuvor gestillt hätten.
Staatsanwalt Höfle beantragte am Ende der Verhandlung einen Schuldspruch. Weil den Angeklagten zumindest ein bedingter Vorsatz anzulasten sei. Sie hätten in Kauf genommen, dass die Schafe unnötige Qualen erleiden.

Von Schneemassen überrascht

Die Angeklagten, Vater und Sohn, sagten, sie seien nicht schuldig. Sie hätten ihre Schafe mit Wasser und Heu versorgt. Das Dach hätten sie deshalb nicht sofort repariert, weil Baumärkte im Corona-Lockdown geschlossen gewesen seien. Verteidiger Bertsch beantragte Freisprüche für seine Mandanten.
Sie hätten angesichts der ungewöhnlich starken Schneefälle das ihnen Mögliche bei der Versorgung der Schafe getan. Der Rechtsanwalt legte als Beweis für die außergewöhnlichen Witterungsumstände, von denen die Landwirte überrascht worden seien, sein Tagebuch vor. Dass das Tagebuch eines Verteidigers zum Akt genommen werde, habe er zuvor noch nie erlebt, merkte Richter Gschwenter an.