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Libidoverlust, Thrombosen & Co: Pillen-Mythen

17.08.2021 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Um die Anti-Baby-Pille ranken sich viele Mythen und Vorurteile. Die NEUE hat bei Expertin Bettina Schwung nachgefragt. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Um die Anti-Baby-Pille ranken sich viele Mythen und Vorurteile. Die NEUE hat bei Expertin Bettina Schwung nachgefragt. Shutterstock

Zum Tag der “Pille” am 18.08. beleuchtet Sexualpädagogin Bettina Schwung einige Mythen.

Die Pille ist das sicherste aller Verhütungsmittel.

Bettina Schwung: Die Pille zählt auf jeden Fall zu den sichersten Verhütungsmethoden. Lediglich eine bis neun von insgesamt 1000 Frauen, die auf diese Art und Weise verhüten, werden ungeplant schwanger. Vorausgesetzt natürlich, man achtet auf eine korrekte Einnahme, doch das gilt grundsätzlich für jede Form der Verhütung. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille zwar vor einer Schwangerschaft schützen, nicht jedoch vor Geschlechtskrankheiten. Sie sind also nicht in allen Belangen die erste Wahl. Um sich auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, sollte auch die Verwendung eines Kondoms oder Lecktuchs in Erwägung gezogen werden.

Sie haben bereits das Thema „korrekte Einnahme“ angeschnitten. Das bringt uns zum nächsten Mythos: Die Pille einmal zu vergessen, ist nicht schlimm.

Schwung: Das kommt ganz auf das Präparat an sich an. Es gibt Pillen, die unbedingt täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden müssen und dann wieder andere, die innerhalb von zwölf Stunden noch nachträglich eingenommen werden können. Hier gilt es sich im Vorfeld genau über das einem verschriebene Präparat zu informieren und so vorzugehen, wie es der Frauenarzt oder auch der Beipackzettel vorschreibt.

Immer wieder heißt es auch, dass die Pille das Risiko auf Thrombosen erhöht.

Schwung: Laut Beipackzettel geht mit der Einnahme der Pille immer ein gewisses Thrombose­risiko einher, besonders große Gefahr besteht hierbei jedoch für Frauen, die rauchen. Für diese gibt es nun eine spezielle Raucherpille.

Bettina Schwung
ist ausgebildete Sexualberaterin und Sexualpädagogin.
Praxis “Liebes∙Leben”: Rheinstraße 3 6800, Feldkirch
Mail-Adresse: bettina.schwung@gmx.at
Telefon: +4369911369164

Eine längere Einnahme der Pille erschwert die Chancen, schwanger zu werden.

Schwung: Wie auch bei den Nebenwirkungen und anderen Gefahren der hormonellen Verhütung kann ich auch hier nur sagen: Es kann passieren, muss aber nicht. Da habe ich auch in meiner Praxis die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht. Manche wurden nach dem Absetzen der Pille sofort schwanger, andere hatten Schwierigkeiten. Es ist aber schwierig, dies an der hormonellen Verhütung festzumachen.

Wer die Pille nimmt, hat weniger oder gar keine Lust mehr auf Sex.

Schwung: Das ist ein sehr häufiges Problem. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Pille, sondern um hormonelle Verhütung allgemein. Diese können bewirken, dass sich die Libido (Anm. d. Red.: sexuelle Lust) zurückbildet oder sogar ganz verschwindet. Das hat mit dem Einfluss der Hormone auf den Zyklus zu tun. Um dem entgegenzuwirken, muss bewusst an der eigenen Lust gearbeitet werden, weil diese nach dem Libidoverlust durch die hormonelle Verhütung nicht automatisch zum Vorschein kommt. Es braucht intensivere Anreize.

Pflanzliche Hormone sind eine gleichwertige und natürliche Alternative zur Pille.

Schwung: Der Yamswurzel wird nachgesagt, dass sie empfängnisverhütend wirken soll. Dabei gibt es Studien, die dies belegen, aber auch widerlegen. Ich habe von Menschen gehört, die auf diese Methode schwören. Aus medizinischer Sicht würde dies jedoch nie empfohlen werden..

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