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18 Monate Gefängnis wegen 5,77 Euro Beute

27.08.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rechtskräftige Haftstrafe fiel trotz geringer Beute hoch aus, weil der 19-fach vorbestrafte 39-Jähriger bei einem der beiden Feldkircher Ladendiebstähle gewalttätig geworden war. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Rechtskräftige Haftstrafe fiel trotz geringer Beute hoch aus, weil der 19-fach vorbestrafte 39-Jähriger bei einem der beiden Feldkircher Ladendiebstähle gewalttätig geworden war. Symbolbild/Hartinger

Hohe Haftstrafe trotz geringer Beute, weil 19-fach Vorbestrafter gewalttätig wurde.

Beim zweiten Ladendiebstahl am 19. Juni in Feldkirch gab der ertappte Kunde den mitgenommenen Alkohol im Wert von 2,78 Euro zurück. Beim ersten Ladendiebstahl am 2. Juni in einem anderen Feldkircher Supermarkt setzte der 39-Jährige aber Gewalt ein, um die entwendete Schere mit dem Kaufpreis von 2,99 Euro behalten zu können. Der zweite Vorfall trug dem Angeklagten am Donnerstag beim Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch einen Schuldspruch wegen räuberischen Diebstahls ein.

Rückfalltäter

Dafür beträgt der Strafrahmen sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis. Weil der arbeitslose Obdachlose in den letzten fünf Jahren wegen anderer Ladendiebstähle schon zu zwei Haftstrafen von zwei und drei Monaten verurteilt worden ist, erhöhte sich für den Rückfalltäter die Strafdrohung auf bis zu siebeneinhalb Jahre Haft.

Weil der Angeklagte zudem bereits mit 19 Vorstrafen belas­tet war, wurde über ihn eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten verhängt. Das Urteil des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richterin Sabrina Tagwercher, das der Angeklagte und Staatsanwältin Melanie Wörle akzeptierten, ist rechtskräftig.
Als Schadenersatz hat der Arbeitslose dem Supermarkt außerdem die geringe Summe von 2,99 Euro zu bezahlen, beschlossen die Richter.

Erhebliche Gewalt

Entscheidend für den Schuldspruch wegen räuberischen Diebstahls war, dass das Gericht von erheblicher Gewalt im Sinne höchstgerichtlicher Rechtsprechung ausging. Denn der Angeklagte hat nach seinen eigenen Angaben die Hand der Ladendetektivin auf seiner Brust weggeschlagen.

Unmittelbar zuvor hat sich der 39-Jährige von der 52-jährigen Ladendetektivin weggerissen, die mit beiden Händen versucht hatte, diesen an seinem Arm festzuhalten – vergeblich. Danach entfernte sich der Kunde mit der nicht bezahlten Schere. Die Ladendetektivin ging ihm daraufhin weiter hinterher. Zu ihrer Überraschung zeigte er ihr seinen Ausweis. Später stellte er sich bei der Polizei.

Zehn Vorstrafen wegen Diebstahls

Vor Gericht aber behauptete der von Markus Schiechtl verteidig­te Angeklagte, er habe die Ware gar nicht stehlen wollen. Er habe beim Bezahlen anderer Waren vergessen, dass er die Schere in seiner Jacke eingesteckt habe. Er habe sich nicht gefallen lassen wollen, dass die Detektivin ihn festgehalten habe.
Die Richter glaubten ihm aber nicht und gingen davon aus, dass er bewusst gestohlen hat. Richterin Tagwercher merkte an, die letzten zehn Vorstrafen habe sich der Angeklagte stets wegen Diebstählen eingehandelt.

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