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„Die ganze Welt ist wieder unterwegs“

29.08.2021 • 18:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Beim Campingplatz "Mexico" in Bregenz ist jeder willkommen. <span class="copyright">Serra</span>
Beim Campingplatz "Mexico" in Bregenz ist jeder willkommen. Serra

Ein Lokalaugenschein vom Campingplatz „Mexico“ in Bregenz.

Es ist ein angenehmer Sommervormittag in Bregenz. Ein frisches Lüftchen fegt über den Bodensee hinweg. Einige Camper bringen vor ihren Zelten oder Wohnmobilen in Ruhe ihr Frühstück zu Ende. Hier und da gedämpfte Gespräche, das Knirschen von Fahrradreifen auf dem Kiesweg und das Gezwitscher von Vögeln.

 Es ist ein harmonisches Bild, dass sich einem auf dem Campingplatz Mexico bietet.  <span class="copyright">Serra</span>
Es ist ein harmonisches Bild, dass sich einem auf dem Campingplatz Mexico bietet. Serra

Es ist ein harmonisches Bild, dass sich einem auf dem Campingplatz Mexico bietet. Direkt am Bodensee, umgeben von Wald, gelegen fühlt es sich an, wie eine kleine Ausflucht aus dem sonst so hektischen Leben in Zeiten der Digitalisierung. Fernab von all den Krisen der heutigen Zeit, wie etwa Corona.

Niemals unterkriegen lassen

Renate Heiler hat in ihrer Zeit beim Campingplatz Mexico schon viel gesehen. Immerhin ist sie schon eine ganze Weile im Business. 1985 von ihrem Vater gegründet, übernahm die heutige Inhaberin 1999 die Leitung des Familienbetriebs. „Kaum in das Geschäft gestartet, erwartete mich bereits die erste Herausforderung: das große Hochwasser von 1999. Der See stand buchstäblich vor unserer Eingangstür.“ So musste Heiler den Betrieb, kaum hatte sie ihn übernommen, bereits wieder schließen, bis sich die Lage beruhigt hatte. Und dann gab es da auch noch einen Blitzeinschlag. „Aber egal welche Hürde sich uns auch in den Weg stellte, wir haben jede Krise gemeistert“, erzählt Heiler stolz.

Seit 1999 steht der Campingplatz bereits unter der Leitung von Renate Heiler (l.). <span class="copyright">Serra</span>
Seit 1999 steht der Campingplatz bereits unter der Leitung von Renate Heiler (l.). Serra

So ließ sich die leidenschaftliche Campingplatz-Inhaberin auch nicht von einer Pandemie unterkriegen: „Natürlich war es eine Zeit der Ungewissheit. Wir wussten nicht, wann, wie lange und ob wir den Betrieb überhaupt wieder aufnehmen dürfen. Unter diesen Voraussetzungen gestaltet sich natürlich auch die Suche nach Saisonarbeitskräften äußerst schwierig.“ Trotz der schwierigen Ausgangslage und obwohl Heiler auf die vom Staat angebotenen Fördergelder verzichtete, ging der Campingplatz Mexico gestärkt aus der Pandemie hervor. Und das hat einen speziellen Grund, wie die Campingplatz-Leiterin aus Herz und Seele erklärt.

Camping-Boom

Denn das Camping boomt. „An manchen Tagen hatte ich bis zu 120 Anfragen – und das bei einem so kleinen Betrieb wie dem unseren mit nur 35 Stellplätzen. Obwohl wir die gesamte Sommersaison bereits ausgebucht sind. Und auch für das kommende Jahr haben wir schon viele Reservierungen“, erklärt sie stolz. Ein Trend, der bereits in den vergangenen fünf Jahren spürbar wurde, doch in Zeiten der Pandemie einen neuen Höhepunkt erreichte, wie Heiler erklärt: „Camping vermittelt das ultimative Gefühl von Freiheit. Ein Gefühl, das in Zeiten von Corona für lange Zeit ferner als jemals zuvor erschien. Und jetzt, wo es endlich wieder möglich ist, ist es genau diese Freiheit, welche die Leute so dringend suchen. Die ganze Welt ist wieder unterwegs.“

Der Camping-Platz ist diesen Sommer bereits komplett ausgebucht. <span class="copyright">Serra</span>
Der Camping-Platz ist diesen Sommer bereits komplett ausgebucht. Serra

Wahre Worte, wie sich auch bei einem kleinen Rundgang über den Campingplatz zeigt. Von jung bis alt, von Familien bis Senioren, vom Arzt bis zum Philosophen – auf dem Campingplatz Mexico ist jeder willkommen. „Unser jüngster Gast war gerade einmal einen Monat alt, der älteste wiederum 100 Jahre“, erzählt Heiler schmunzelnd. Alle verbunden durch die gemeinsame Suche nach Entspannung, nach Abenteuer, nach dem besonderen Lebensgefühl, welches Camping in ihnen weckt, wie sie selbst auf Nachfrage erklären.

Unruhestifter nicht willkommen

„Und genau das soll auch der Sinn des Campings sein. Die Nähe zur Natur.“ Doch das sieht heutzutage leider nicht mehr jeder so, wie die Campingplatz-Inhaberin traurig feststellt. „Ich verstehe nicht, wie manche meiner Kollegen ihre Plätze als eine Art ‚zweiter Ballermann‘ anpreisen können. „Zum Feiern gibt es eine Zeit und einen Raum – und das ist nicht der Campingplatz.“ So gab es auch Situationen, in denen Heiler sich weigerte, Gäs­ten einen Platz zu vermieten, die nur auf der Suche nach einer Party-Location waren: „Wahre Camper suchen nach Ruhe und Entspannung. Sie wollen die Natur genießen und nicht von betrunkenem Gegröle und lauter Musik gestört werden.“

"Du bist vollkommen unabhängig und frei. Das ist es, was das Camping ausmacht", erklärt Heiler. <span class="copyright">Serra</span>
"Du bist vollkommen unabhängig und frei. Das ist es, was das Camping ausmacht", erklärt Heiler. Serra

Ein Gefühl, das auch Heiler selbst nur allzu gut nachvollziehen kann. Immerhin stammt sie aus einer Familie leidenschaftlicher Camper, verbrachte bereits unzählige Sommer auf diversen Plätzen dieser Welt. „Du bist nicht auf eine Unterkunft angewiesen, nicht auf überfüllte Hotel-Buffets. Alles, was du brauchst, dein ganzes Hab und Gut, hast du in deinem kleinen mobilen Wohnraum mit dabei. Du bist vollkommen unabhängig und frei. Das ist es, was das Camping ausmacht.“ Und auch wenn sie darauf besteht, dass das Thema für sie selbst inzwischen „ausgelebt und abgehakt“ wäre, spricht ihr Wunsch für die Zukunft doch Bände: Nach dem Antritt ihrer Pension, möchte die Heiler mit dem Wohnmobil nach Norwegen reisen.

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