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Autounfall mit 560 PS: Nun doch Schuldspruch

02.09.2021 • 20:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Unfall in Egg vom Juni 2020: Die Insassen ließen den Pkw nach dem Unfall unbeleuchtet auf der Fahrbahn stehen und flüchteten.<br><span class="copyright">VOl.at</span>
Unfall in Egg vom Juni 2020: Die Insassen ließen den Pkw nach dem Unfall unbeleuchtet auf der Fahrbahn stehen und flüchteten.
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Berufungsrichter überzeugt, dass Beifahrer sich beim Unfall verletzt hat.

Der 27-Jährige hat seinen Pkw zu einem „Rennauto“ mit 560 PS umgebaut. Mit dem nicht zum Verkehr zugelassenen Fahrzeug verursachte der Bregenzerwälder im Juni 2020 auf der Landesstraße zwischen Schwarzenberg und Egg einen Verkehrsunfall. Über einen Führerschein verfügte der Lenker damals nicht.
Nach den gerichtlichen Feststellungen fuhr der 27-Jährige nach dem Konsum von zwei großen Bier mit dem hochmotorisierten Wagen 120 statt der erlaubten 60 Stundenkilometer. Als das Heck zum dritten Mal ausbrach, prallte der Rennwagen in einer langgezogenen Linkskurve gegen ein Brückengeländer. Nach dem Unfall liefen der Fahrer und der Beifahrer davon.

Wann verletzt?

Die strafrechtlich entscheidende Frage war, ob der Beifahrer bei dem Unfall verletzt wurde oder nicht. Bei der Verhandlung am Bezirksgericht Bezau im November 2020 wurde der angeklagte Autofahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Zweifel freigesprochen. Denn das Erstgericht ging von den Angaben des Beifahrers aus. Der Zeuge sagte vor Gericht, er habe sich erst nach dem Unfall beim Weglaufen leicht verletzt, als er zu Boden gestürzt sei. Deshalb sei bei ihm im Dornbirner Stadtspital eine Knieprellung und eine Rissquetschwunde an einem Finger festgestellt worden.

Urteilsbegründung

Bei der Berufungsverhandlung am Landesgericht Feldkirch waren die Zweitrichter aber davon überzeugt, dass der Beifahrer sich die leichten Verletzungen beim Unfall zugezogen hatte. Die Berufungsrichter hielten die Angaben des Zeugen am Bezirksgericht für unglaubwürdig. Zumal er vor der Polizei noch zu Protokoll gegeben habe, beim Unfall verletzt worden zu sein. Er habe mit seiner Gefälligkeitsaussage vor Gericht eine Bestrafung des Angeklagten verhindern wollen, sagte Landesgerichtspräsidentin Angelika Prechtl-Marte als Vorsitzende des Berufungssenats in ihrer Urteilsbegründung.

Geldstrafe

In zweiter Instanz wurde daher der Berufung der Staatsanwaltschaft Folge gegeben, das Urteil des Bezirksgerichts aufgehoben und der unbescholtene Angeklagte mit dem Netto-Monatseinkommen von 1600 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2400 Euro (160 Tagessätze zu je 15 Euro) verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 1200 Euro. Die anderen 1200 Euro wurden für eine Probezeit von drei Jahren auf Bewährung bedingt nachgesehen. Die mögliche Höchststrafe wäre sechs Monate Gefängnis gewesen.

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