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Mehrere Varianten und Worst-Case-Szenario

16.09.2021 • 19:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Verantwortlichen sind optimistisch, dass die Brücke noch einmal ertüchtigt werden kann. Parallel startet das Projekt „Behelfsbrücke“.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Die Verantwortlichen sind optimistisch, dass die Brücke noch einmal ertüchtigt werden kann. Parallel startet das Projekt „Behelfsbrücke“.
Hartinger

Motorisierter Verkehr wird frühestens im Herbst und spätestens 2023 erlaubt.

Des Fahrradfahrers Freud ist des Autofahrers Leid. So lässt sich wohl die aktuelle Verkehrssituation rund um die Senderbrücke im Ried zwischen Lustenau und Lauterach beschreiben. Wer dort im Pkw unterwegs ist, muss sich eine Ausweichstrecke suchen. Denn die Holzbrücke über die Dornbirner Ach ist seit gut zwei Wochen aus Sicherheitsgründen für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Zwar gibt noch keine verbindlichen Aussagen über Staubildungen (wegen anderer Einflüsse wie Messe, Schulstart oder einer Baustelle in Dornbirn-Rohrbach), ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf den Ausweichrouten ist jedoch definitiv spürbar. Währenddessen genießen Radfahrer die freie Fahrt durch die Landschaft – zumindest über die Senderbrücke.

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Zwischenlösung

Sperren und Verkehrsbehinderungen sind im Bereich der überdachten Holzkonstruktion keine Seltenheit. Doch nun scheint es ernst. Es ist fraglich, ob die Senderbrücke noch einmal „ertüchtigt“ werden kann. Das heißt, ob sie derart repariert und verstärkt werden kann, dass Kraftfahrzeuge wieder passieren können.
Momentan läuft die Prüfung bei der zuständigen Behörde. Aber es geht um weit mehr als nur die Statik. Da das Bauwerk denkmalgeschützt ist, müssen alle baulichen Vorhaben mit dem Denkmalamt abgestimmt werden. Gerhard Schnitzer, Vorstand der Abteilung Straßenbau beim Amt der Vorarlberger Landesregierung, bleibt dennoch optimistisch. „Wir sind sicher, dass wir das alles noch diesen Herbst schaffen und der Verkehr wieder freigegeben wird“, sagt er. Nächste Woche wird die Auskunft von den Ämtern erwartet.

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Projekt “Behelfsbrücke”

Eine Dauerlösung ist das trotzdem nicht. Die Holzbrücke aus dem 19. Jahrhundert hält den heutigen Verkehrsbelastungen nicht stand. Ursprünglich war diese für Pferdefuhrwerke ausgelegt. Und heute rollen täglich 8000, in Spitzenzeiten bis zu 11.000 Fahrzeuge über das uralte Bauwerk. Langfristig soll die Senderbrücke ausschließlich Fahrradfahrer und Fußgänger über die Dornbirner Ach führen.

Deshalb wird seit einiger Zeit das Projekt „Behelfsbrücke“ für den motorisierten Verkehr verfolgt. Besagte Behelfsbrücke soll flussaufwärts neben der Senderbrücke errichtet werden. Es wird eine Standardbrücke sein – aus Stahl. Halten würde diese ewig. „Mit etwas Pflege und Korrosionsschutz hält so etwas 80 bis 100 Jahre“, weiß Schnitzer. Die bestehende Gewichtsbeschränkung soll auch bei dieser Brücke aufrecht erhalten, Schwerverkehr durchs Ried weiter ausgeschlossen werden.

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Straße umlenken

Um die Behelfsbrücke ansteuern zu können, muss allerdings die Senderstraße (L 41) in einer leichten Kurve umgeleitet werden. Immerhin: „Sämtliche Grundablösen sind bereits erledigt, die Genehmigungsverfahren in den Endzügen“, berichtet Schnitzer. Es gibt unterschiedliche Grundbesitzer in diesem Areal. So hat beispielsweise die Stadt Dornbirn heuer ein betroffenes Grundstück verkauft.

Im heurigen Winter könnten dann entsprechende Fundierungsarbeiten starten, die Brücke im Mai oder Juni nächsten Jahres fertig sein. Solche Arbeiten lassen sich ausschließlich in der Niedrigwasserperiode ausführen. „Kommt der Bescheid nicht rechtzeitig oder gibt es sonstige Verzögerungen, könnte sich das Projekt um ein Jahr auf 2023 verschieben“, gibt Schnitzer zu bedenken. Solange jedoch die alte Senderbrücke dem Verkehr bis dahin standhält, ist das wohl zu verkraften.

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Varianten bei Brücken-Abbau

Kompliziert wird es, wenn die Senderbrücke nicht ertüchtigt werden kann. Dann muss das Bauwerk abgetragen, zwischengelagert und zu einem späteren Zeitpunkt neu errichtet werden. Das kostet Zeit. Viel Zeit.
Für dieses Szenario gibt es laut Fachmann zwei Varianten im Bezug auf den Verkehr. Die eine sieht vor, an selber Stelle so schnell wie möglich die Behelfsbrücke zu erreichten und diese dann bei Fertigstellung der Straße an den geplanten Platz hinüber zu schieben. Die andere Variante ist das Worst-Case-Szenario. Dabei gibt es keine Zwischenlösung und der Verkehr wird je nach Fortschreiten der Arbeiten erst 2023 wieder freigegeben.

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Darum nichts Fixes

Doch warum wird kein fixes Bauwerk errichtet? Zum einen ist ein neuer Standort (im Nahbereich) für die Senderbrücke im Gespräch. Und zwar in Verbindung mit der seit Jahren geplanten Radweg­erweiterung durchs Ried. Zum anderen steht das Projekt S 18 im Raum, wobei einige Abschnitte im Ried verkehrsfrei werden sollen. „Wir wollen Spielraum haben und nicht unnötig Geld verlieren“, erläutert Schnitzer.
Wird irgendwann eine fixe Brücke für den motorisierten Verkehr errichtet, kann die Behelfsbrücke in Katastrophensituationen verwendet werden.

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Schäden duch Missachtung

Grund für die Sperre der alten, gedeckten Holzbrücke sind die zahlreichen Anfahrschäden. Dadurch haben sich die Fachwerksknoten stark verschoben. Im Schnitt gibt es zehn dieser Schäden pro Jahr. Fahrzeuge, die die Höhenkontrolle von 2,4 Metern missachten, touchieren die Streben in der Dachkonstruktion. Bei jeder Kollision geht ein Ruck durch die gesamte Brücke. Dazu kommen Geschwindigkeitsübertretungen. Zehn Stundenkilometer sind erlaubt. Die Schwellen, die an den Portalen installiert wurden, nutzen nur begrenzt. Auf der Brücke wird meist wieder Gas gegeben. Und auch die Gewichtsbeschränkung von 3,5 Tonnen wird oft ignoriert. Es ist die Summe der Ereignisse, die die Senderbrücke in die Knie zwingt.