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Der beste Freund des Menschen in der Krise

19.09.2021 • 15:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Marion Gögele vom Vorarlberger Tierschutzheim in Dornbirn mit Pit Bull Mix Emma. Auch die sechsjährige Hündin ist noch auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause. <span class="copyright">Hartinger</span>
Marion Gögele vom Vorarlberger Tierschutzheim in Dornbirn mit Pit Bull Mix Emma. Auch die sechsjährige Hündin ist noch auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause. Hartinger

Immer mehr Tierhalter wollen ihre Hunde nach dem Lockdown abgeben.

In Zeiten der Pandemie nahmen Haustiere einen noch höheren Stellenwert für ihre Besitzer ein als jemals zuvor. Das bestätigt auch Marion Gögele vom Vorarlberger Tierschutzheim: „Die emotionale Beziehung zwischen Mensch und Tier ist in der Krise intensiver geworden. Denn ein Haustier kann sehr viele Positionen abdecken – Ansprechpartner, Freund, Seelentröster, Begleiter und sogar Trainingspartner.“

American Staffordshire Terrier-Dame Kira (r.) liebt Menschen, braucht aber noch Erziehung. <span class="copyright">Handout/Vorarlberger Tierschutzheim</span>
American Staffordshire Terrier-Dame Kira (r.) liebt Menschen, braucht aber noch Erziehung. Handout/Vorarlberger Tierschutzheim

Die Aufgabe, sich um ein anderes Lebewesen zu kümmern und für dieses Verantwortung zu tragen, spende in Zeiten der schieren Unsicherheit ein gewisses Maß an Halt.
„Der Wunsch nach einem tierischen Begleiter ist daher in Zeiten der Pandemie enorm gestiegen. Mit anhaltender Dauer der Lockdowns erhöhte sich auch die Anzahl der Adoptionsanfragen. Die Einsamkeit und die soziale Distanz verstärkten die Sehnsucht nach einem tierischen Mitbewohner und Begleiter“, erklärt Gögele.

Vom Welpen zum Tyrannen

Doch was passiert, wenn nach der Krise allmählich wieder Alltag einkehrt? „Was wir nun klar zu spüren bekommen, sind vermehrt Anfragen zur Abgabe von Hunden. Zum einen etwa, weil die Tiere unerwünschte Verhaltensweisen zeigen.“ Dies führen die Experten des Tierschutzheims auf ein fehlendes Bewusstsein und eine zu geringe Sensibilisierung des Halters für die Bedürfnisse des Hundes zurück.

Der mexikanische Jagdhund-Mischling Flo.   <span class="copyright">Handout/Vorarlberger Tierschutzheim</span>
Der mexikanische Jagdhund-Mischling Flo. Handout/Vorarlberger Tierschutzheim

Oftmals sei dies jedoch nicht dem Tier, sondern der fehlenden Aufklärung der Halter, etwa auch durch einen Internet-Kauf, verschuldet. Die durch die Lockdowns bedingte Schließung von Hundeschulen habe auch ihren Teil zu dem Übel beigetragen: Den Vierbeinern mangelt es an Erziehung und Sozialisierung. „Spätestens mit Einsetzen der Pubertät verwandelt sich der ehemals süße Welpe dann in einen kleinen Tyrannen. Oft endet diese Partnerschaft mit der Abgabe des nun nicht mehr händelbaren Vierbeiners.“

Tierrückgaben nach Lockdowns

Besonders traurig stimme das Team des Tierschutzheims jedoch ein anderer Rückgabegrund. „Oft werden auch Tiere wieder abgegeben, die während des Lockdowns angeschafft wurden. Nun – nach Homeoffice und Kurzarbeit – stellen die Halter fest, dass plötzlich keine Zeit mehr für den Vierbeiner bleibt und fühlen sich überfordert.“ Eine traurige Entwicklung, dem das Tierschutzheim versuchte, im Vorfeld entgegenzuwirken. Nämlich durch die bewusste Schließung der Vermittlung für die Dauer der Lockdowns.

Der Belgische Schäferhund-Rüde Figo sucht ein Zuhause. <span class="copyright">Handout/Vorarlberger Tierschutzheim</span>
Der Belgische Schäferhund-Rüde Figo sucht ein Zuhause. Handout/Vorarlberger Tierschutzheim

Einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits vor allem auch, um derartige unüberlegte Tieranschaffung zu vermeiden, wie Gögele weiter erklärt: „Adoptionen nach dem Motto ‚Wir wären jetzt gerade zu Hause‘ oder ‚Wir haben jetzt im Lockdown viel Zeit‘, waren es, was wir vermeiden wollten.“ Denn dem Team war im Vorhinein klar, dass wieder Zeiten ohne Homeoffice und mit dem üblichen Alltagstrubel kommen würden und die Versorgung und Betreuung der Tiere dann auf der Strecke bleiben könnte. „Als Tierschutzheim müssen wir größtmögliche Obsorge dafür tragen, dass die Anschaffung eines Tieres nicht unüberlegt oder aus einer ‚Not‘-Situation heraus erfolgt.“

So unterstützen Sie das Tierschutzheim

Auch für das Team des Vorarlberger Tierschutzheims war die Corona-Krise alles andere als einfach. „Im Lockdown konnten wir nicht auf unsere ehrenamtlichen Helfer zurückgreifen. Fallen sie weg, ist das Tagesprogramm für unsere Tierpfleger kaum zu bewältigen. Bei voller Belegung auf der Hundestation ist es beinahe unmöglich, den Tieren die ausreichende Bewegung, die sie für ihr Wohlbefinden brauchen, zu bieten“, erklärt Gögele.

Die Europäische Kurzhaarkatzen-Dame Kadira.  <span class="copyright">Handout/Vorarlberger Tierschutzheim</span>
Die Europäische Kurzhaarkatzen-Dame Kadira. Handout/Vorarlberger Tierschutzheim

Und obwohl die ehrenamtlichen Gassi-Geher dem Team nun wieder unter die Arme greifen können, ist die Krise für das Vorarlberger Tierschutzheim noch nicht völlig ausgestanden: „Aktuell sind wir noch auf der Suche nach Helfern für unsere diesjährige Haussammlung im Oktober. Ideal für Schüler, Studenten und jeden, der den Tieren etwas Gutes tun und sich gleichzeitig etwas dazu verdienen möchte.“

Das Farbenzwerg -Kaninchen Bugs ist auf der Suche nach einem Platz mit netter Kaninchen-Dame.   <span class="copyright">Handout/Vorarlberger Tierschutzheim</span>
Das Farbenzwerg -Kaninchen Bugs ist auf der Suche nach einem Platz mit netter Kaninchen-Dame. Handout/Vorarlberger Tierschutzheim

Doch auch auf finanzieller Ebene ist das Team dringend auf Unterstützung angewiesen. Spenden sind über PayPal oder das Spendenkonto des Vorarlberger Tierschutzheims bei der Vorarlberger Volksbank (IBAN: AT0345710001310099087, BIC: VOVBAT2B) möglich. „Auch über Futterspenden via unserer Amazon-Wunschliste oder direkt vor Ort würden sich unsere Fellnasen sehr freuen.“ Infos gibt es unter www.vlbg-tierschutzheim.at.

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