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Schuldig: Freundin in Bregenz totgeschlagen

28.09.2021 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Für fünf von acht Geschworenen war es Mord: 20 Jahre Haft.

Am späten Dienstagabend wurde im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch das Urteil verkündet: Wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin wurde der vorbestrafte Angeklagte zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Schuldig gesprochen wurde der 38-Jährige auch wegen versuchter schwerer Körperverletzung an seiner Ex-Freundin. Das Urteil in dem Schwurgerichtsprozess ist nicht rechtskräftig. Der Strafrahmen für Mord beträgt 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft.
Fünf der acht Geschworenen folgten der Darstellung von Staatsanwältin Sarah Maria Haugeneder. Die öffentliche Anklägerin wertete den folgenschweren Zwischenfall vom 26. November 2020 in einer Bregenzer Wohnung als Mord. Ihrer Ansicht nach hat der Angeklagte bei seinem gewalttätigen Vorgehen in Kauf genommen, dass seine Freundin dadurch getötet wird.

Richtersenat mit dem Vorsitzenden Dietmar Nußbaumer (Mitte). <span class="copyright">Stadler</span>
Richtersenat mit dem Vorsitzenden Dietmar Nußbaumer (Mitte). Stadler

Tatablauf

Die Staatsanwältin schilderte den Sachverhalt so: Der Angeklagte besuchte seine Ex-Freundin. Später stieß seine Lebensgefährtin dazu. Zu dritt wurde viel Alkohol getrunken. Die 37-jährige Besucherin wurde eifersüchtig und rief nach Streitigkeiten die Polizei. Die Polizei konnte keine Straftaten feststellen und verließ die Wohnung wieder. Der wütende 38-Jährige forderte seine Freundin vergeblich auf, zu verschwinden.Dann packte er sie an den Haaren und riss ihr Haarbüschel aus, so die Staatsanwältin. Der mit 2,7 Promille alkoholisierte Drogensüchtige schlug sie mit Faustschlägen ins Gesicht zu Boden. Der Deutsche trat seiner auf dem Boden liegenden Lebensgefährtin ins Gesicht und gegen den Kopf und versetzte ihr weiterhin Faustschläge ins Gesicht. Zuletzt zerrte der Arbeitslose die mit 2 Promille alkoholisierte Frau aus der Wohnung, legte sie im Stiegenhaus ab und ging wieder zurück in die Wohnung.

Staatsanwältin Sarah Maria Haugenender.<span class="copyright"> Stadler</span>
Staatsanwältin Sarah Maria Haugenender. Stadler

45 Minuten lang wiederbelebt

Nachbarn riefen wegen Lärmstörung die Polizei, die die Frau auf der Treppe fand. Wäre die Rettung fünf Minuten später eingetroffen, wäre die Mutter von zwei Kindern tot gewesen, sagte Gerichtsmediziner Walter Rabl. Sie war, so der Sachverständige, klinisch tot und konnte vom Notarzt nach 45 Minuten wiederbelebt werden.
Die Frau hatte neben Knochenbrüchen im Gesicht vor allem ein schweres Schädelhirntrauma erlitten und starb daran zehn Tage später im Landeskrankenhaus Feldkirch.
Gerichtspsychiater Reinhard Haller berichtete, dass der Angeklagte an Alkohol gewöhnt sei und trotz 2,7 Promille keinen Vollrausch gehabt habe. Haller bescheinigte dem 38-Jährigen eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit.

Gerichtsmediziner Walter Rabl. <span class="copyright">Stadler</span>
Gerichtsmediziner Walter Rabl. Stadler

Freispruch gefordert

Verteidiger Mario Fluch beantragte einen Freispruch vom Mordvorwurf. Der angeklagte Untersuchungshäftling sagte, er habe seine Freundin weder getreten noch geschlagen. Er habe sie lediglich an den Haaren gezogen und so aus der Wohnung geschafft.

Belastende Aussagen

Gestanden hat der 38-Jährige, dass er wenige Stunden nach dem Vorfall mit seiner Lebensgefährtin am selben Abend in der Wohnung seine Ex-Freundin geschlagen hat. Sie wurde dabei leicht verletzt. Die Frau gab als Zeugin an, sie habe die Tritte und Schläge des Angeklagten gegen dessen Lebensgefährtin gesehen.

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