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Kaufmann kritisiert Novelle

06.10.2021 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den Kindergärten fehlt das Personal. <span class="copyright">Hartinger</span>
In den Kindergärten fehlt das Personal. Hartinger

Künftig sollen auch Lehrer in Kindergärten quereinsteigen können.

Ob Spielgruppe, Kinderbetreuung oder Kindergarten – überall wächst der Bedarf, gleichzeitig wird händeringend nach Kindergartenpädagogen gesucht. Um dem anhaltenden Personalmangel entgegenzutreten, soll es nun eine neue Ausbildungsschiene für Quereinsteiger an Pädagogischen Hochschulen (PH) geben. Die Novelle des entsprechenden Grundsatzgesetzes hat am Dienstag den parlamentarischen Unterrichtsausschuss passiert, noch im Oktober will sich der Nationalrat damit auseinandersetzen.
Das neue Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz (AE-GG) erweitert die Ausbildungsmöglichkeiten für Elementarpädagogik um einen einjährigen Hochschullehrgang an den Pädagogischen Hochschulen. Diesen Lehrgang besuchen dürfen Absolventen eines Lehramtsstudiums oder der Erziehungs- und Bildungswissenschaft.

Keine unserer Forderungen ist jedoch berücksichtigt worden. Vor diesem Hintergrund stellt sich schon die Frage, ob der Bund überhaupt weiß, mit welchen Herausforderungen die Gemeinden konfrontiert sind.

Andrea Kaufmann, Präidentin des Gemeindeverbands

„Geht nicht weit genug“.

Scharfe Kritik an der geplanten Novelle übt die Vorarlberger Gemeindeverbandspräsidentin Andrea Kaufmann. „Wir begrüßen grundsätzlich die Bereitschaft des Bundes, die Zugangsvoraussetzungen im elementarpädagogischen Bereich zu flexibilisieren. Die geplante Erweiterung geht aber nicht weit genug“, ließ Kaufmann am Mittwoch in einer Aussendung wissen. Realität in den Gemeinden und elementarpädagogischen Einrichtungen sei es seit Jahren, dass „überall Fachkräfte fehlen“.

Stellungnahme

Der Vorarlberger Gemeindeverband hatte über den Österreichischen Gemeindebund in einer Stellungnahme vorgeschlagen, den Kreis der Ausbildungen für eine Anstellung als Elementarpädagoge zu erweitern. Bisher können nur Absolventen der Bundesanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP) mit Matura-Abschluss in diesem Berufsfeld tätig werden. Wer aber ein facheinschlägiges Studium absolviert hat, dem ist der elementarpädagogische Beruf verwehrt. „Das ist nicht nachvollziehbar, zumal die strikten Berufsvoraussetzungen einen massiven Personalmangel befeuern. In letzter Konsequenz wird Eltern dadurch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich erschwert“, kritisiert Kaufmann. Abhilfe schaffen könnte laut Kaufmann eine Gleichstellung von pädagogischen Studien und dem Studiengang Soziale Arbeit oder Kinder- und Jugendheilkunde bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie mit der Ausbildung an den BAfEP. „Dies entspräche dem Zeitgeist. Jobwechsel sind heute auch noch in späteren Lebensjahren an der Tagesordnung“, betont die Interessenvertreterin der Gemeinden.

Nicht berücksichtigt

Kaufmann zeigt sich entrüstet darüber, dass keine Forderung des Gemeindeverbands im Gesetzesentwurf berücksichtigt worden sei. „Vor diesem Hintergrund stellt sich schon die Frage, ob der Bund überhaupt weiß, mit welchen Herausforderungen die Gemeinden konfrontiert sind.“ Schließlich betreffe der Fachkräftemangel im Kindergarten- und Kinderbetreuungsbereich nicht nur die Vorarlberger. „Jedes Bundesland hat damit zu kämpfen“, weiß die Gemeindeverbandspräsidentin.
Unberücksichtigt blieb auch die Stellungnahme des Landes. Darin hatte sich die ressortzuständige Referentin Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink ebenfalls dafür ausgesprochen, den Kreis der als facheinschlägig geltenden Studien zu erweitern.