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3G am Arbeitsplatz: Von Klarheit bis Schikane

20.10.2021 • 19:39 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Künftig gilt auch am Arbeitsplatz: Geimpft, getestet oder genesen. <span class="copyright">APA</span>
Künftig gilt auch am Arbeitsplatz: Geimpft, getestet oder genesen. APA

Das sagen Vorarlberger Arbeitgeber, Interessensvertreter und Politiker zur neuen Regelung.

Ab 1. November müssen all jene, die am Arbeitsort physischen Kontakt zu anderen Personen nicht ausschließen können, einen Impf-, Genesungs- oder Testnachweis mit sich führen. Die NEUE hat bei Arbeitgebern, Interessensvertretern und Politikern nachgefragt, wie sie dazu stehen.

Landesrat Marco Tittler. <span class="copyright">hartinger</span>
Landesrat Marco Tittler. hartinger

Marco Tittler, Wirtschaftslandesrat (ÖVP)

Es muss unser gemeinsames, klares Ziel sein, alle gesellschaftlichen Bereiche im Allgemeinen und unsere Produktionsbetriebe im Speziellen ohne Einschränkungen auch über den Winter hindurch weiterhin vollständig geöffnet zu halten. Bei der nun vorgesehenen 3G-Regelung am Arbeitsplatz liegt eine vorherige Einigung der Sozialpartner vor. Diese Abstimmung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern war für mich eine der Grundvoraussetzungen für eine solche Regelung. Wir erwarten uns nun, dass die 3G-Regel am Arbeitsplatz praxisnah für die Unternehmen umgesetzt wird und die Betriebe dadurch in ihrer Arbeit nicht behindert werden.

Reinhard Stemmer. <span class="copyright">hartinger</span>
Reinhard Stemmer. hartinger

Reinhard Stemmer, ÖGB Landesvorsitzender

Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Bundesregierung eine 3-G-Regelung am Arbeitsplatz einführt. Die Linie des ÖGB ist klar: Die Gesundheit der Arbeitnehmer muss geschützt werden. Es ist zu respektieren, wenn sich jemand nicht impfen lassen will, in diesem Fall ist laut Experten regelmäßiges Testen der beste Weg, um die Gesundheit der Kollegen zu schützen. Die entsprechenden Rahmenbedingungen dürfen aber niemanden benachteiligen. Wir wurden im Vorfeld eingeladen, zu klären, was 3-G in der Praxis bedeutet. Dabei war uns wichtig, dass die Covid-19-Tests gratis bleiben.

Wilfried Hopfner.<span class="copyright"> Raiffeisenlandesbank</span>
Wilfried Hopfner. Raiffeisenlandesbank

Wilfried Hopfner, Vorstandsvorsitzender Raiffeisenlandesbank

Wir haben die 3G-Regelung im Haus eigentlich schon im Sommer eingeführt. Es geht ja darum, andere und sich selbst zu schützen. Die jeweilige Führungskraft hätte den Nachweis von den Mitarbeitern zwar verlangen können, wir haben bisher allerdings ganz stark auf das Vertrauen gesetzt. Wir sind jedoch froh und befürworten es ­natürlich, dass es ab November eine klare gesetzliche Regelung geben wird. Unsere Mitarbeiter werden somit wieder verstärkt in den Büros arbeiten. Bisher waren sie bis zu 35 Prozent im Home­office.

Hubert Kinz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Hubert Kinz. Hartinger

Hubert Kinz, Wirtschaftssprecher FPÖ

Unser Gesundheitssystem ist meilenweit von einer Überlastung entfernt und weitere Verschärfungen sind damit nicht zu rechtfertigen. Einziger Grund dieser neuerlichen Schikane für die arbeitende Bevölkerung ist die Erhöhung des Drucks auf bisher Ungeimpfte. Dieser Impfzwang durch die Hintertür, der mit dem Auslaufen der Gratis-Selbsttests begonnen hat und nun mit der 3G-Regel am Arbeitsplatz seine Fortsetzung findet, wird von uns strikt abgelehnt.

Andreas Neuhauser. <span class="copyright">illwerke vkw</span>
Andreas Neuhauser. illwerke vkw

Andreas Neuhauser, Pressesprecher illwerke vkw

Als Betreiber kritischer Infrastruktur war es für die Illwerke vkw von oberster Bedeutung, die sichere Energieversorgung zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten. Deshalb gab es im Unternehmen seit Beginn der Pandemie klare Regelungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die 3G-Regeln gelten an unseren Standorten schon seit dem Sommer. Ob durch die Gesetzesänderung Anpassungen notwendig werden, können wir erst nach Veröffentlichung der Verordnung beurteilen.

Vahide Aydin. <span class="copyright">hartinger</span>
Vahide Aydin. hartinger

Vahide Aydin, Arbeitssprecherin Die Grünen

Wir unterstützen die 3G-Pflicht. Die steigenden Zahlen machen weitere Schritte im Kampf gegen die Pandemie notwendig. Die 3G-Regelung schützt die Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz – wo ein tägliches Zusammentreffen mit vielen Menschen oft nicht umgangen werden kann – und schafft Klarheit und Rechtssicherheit für die Arbeitgeber. Ganz wichtig ist auch, dass nun die Regelungen für die Wintersaison im Tourismus klar sind.

Hans Peter Metzler, Präsident Wirtschaftskammer Vorarlberg. <span class="copyright">SAMS</span>
Hans Peter Metzler, Präsident Wirtschaftskammer Vorarlberg. SAMS

Hans Peter Metzler, Präsident Wirtschaftskammer Vorarlberg

Unsere Betriebe und deren Mitarbeitende leisten bereits seit Beginn der Pandemie einen wesentlichen Beitrag, um die Gesundheit ihrer Belegschaft zu schützen. Diese Maßnahme kann aber helfen, das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen. Die Einführung einer 3G-Pflicht am Arbeitsplatz führt zu gewissen Herausforderungen im betrieblichen Alltag. Es darf sich jedenfalls kein bürokratischer Mehraufwand ergeben und muss möglichst praxistauglich umgesetzt werden. So bedarf es zu Beginn einer Übergangsfrist, in der alternativ zum 3G-Nachweis eine FFP2-Maske getragen werden kann.

Klaus Allgäuer, CTO und Standortleite Alpla Hard. <span class="copyright">ALPLA</span>
Klaus Allgäuer, CTO und Standortleite Alpla Hard. ALPLA

Klaus Allgäuer, Alpla, CTO und Standortleiter Hard

Wir wenden bereits seit längerem die aktuell beschlossene Übergangsregel an. Dies bedeutet, dass wir die 3G-Nachweise zum Schutz unserer Beschäftigten und deren Familien prüfen. Bei fehlendem Nachweis gilt automatisch FFP2-Maskenpflicht. Wir achten auf die sorgfältige Einhaltung der Covid-19-Regelungen wie Hygienemaßnahmen, regelmäßiges Lüften und Einhaltung des Mindestabstandes. Die Einführung der 3G-Regel stellt für uns somit organisatorisch keine große Umstellung dar.

Martin Ohneberg. <span class="copyright">Sams</span>
Martin Ohneberg. Sams

Martin Ohneberg, Präsident Industriellenvereinigung Vorarlberg

Wesentlich bei der Umsetzung war für uns, dass es zu keinen zusätzlichen bürokratischen Hürden kommt und die Regelung einfach im Betrieb handzuhaben ist. Wo der Gesetzgeber aber noch nachschärfen muss, ist bei den Genesenen: Gibt es eine medizinisch ausreichende Anzahl an Antikörpern, muss dies auch als Nachweis im Sinne einer Genesung gelten.

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