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Tankstellen weiterhin in Bedrängnis

06.11.2021 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tankstellen haben sich von der Krise noch nicht erholt. Hinzu kommt die veränderte Mobilität. <span class="copyright">Hartinger</span>
Tankstellen haben sich von der Krise noch nicht erholt. Hinzu kommt die veränderte Mobilität. Hartinger

Umsätze unter Vorkrisenniveau. Probleme auch bei Mitarbeiter-Suche.


Bis zu 90 Prozent Umsatzeinbußen mussten die Tankstellenbetreiber während der Lockdowns hinnehmen. Nun sei man bei 75 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum Vorkrisenniveau, sagt Petra Girardi, Obfrau der Fachgruppe der Garagen-, Tankstellen- und Servicestationsunternehmungen der Wirtschaftskammer Vorarlberg. „Die Menschen sind zwar wieder unterwegs, aber anders als vor der Pandemie. Früher gab es Kundschaften, die jeden Tag getankt haben. Jetzt plant man mehr, sucht sich die Ziele bewusster aus und fährt vor allem am Wochenende mit dem Auto.“ Hinzu kommt, dass sich manche Menschen wegen Kurzarbeit oder pandemiebedingtem Jobverlust sowie durch die Preissteigerungen kein Auto mehr leisten können oder wollen. Aber auch das gesteigerte Umweltbewusstsein hat die Mobilität verändert. „Viele junge Menschen fahren mit E-Bikes oder E-Scooter zur Bushaltestelle und nehmen dann den Bus“, sagt Girardi.
Dass der Spritpreis momentan sehr hoch ist, spült kaum mehr Geld in die Kassen der Tankstellenbetreiber: „Das ist ein minimaler Zusatzbetrag, der die Einbußen nicht kompensieren kann“, erklärt die Obfrau.

Petra Girardi, Spartenobfrau: "Der hohe Spritpreis führt für uns zu sehr geringen Mehreinnahmen." <span class="copyright">Hartinger</span>
Petra Girardi, Spartenobfrau: "Der hohe Spritpreis führt für uns zu sehr geringen Mehreinnahmen." Hartinger

Einkaufen, wo es billiger ist

Der Verkauf in den Geschäften der Tankstellen war während der Lockdowns teilweise ebenfalls gleich null. Diese Situation habe sich zwar verbessert, sei aber noch nicht auf Vorkrisenniveau. „Die Menschen haben weniger Geld. Während sie früher beim Tanken noch schnell etwas mitgenommen, gehen sie jetzt in Geschäfte, wo es billiger ist. Sie kaufen zum Beispiel Red Bull, wenn es im Supermarkt im Angebot ist, und nicht dann, wenn sie gerade in der Tankstelle sind.“

Mitarbeiterin im Tankstellenshop.   <span class="copyright">Hartinger </span>
Mitarbeiterin im Tankstellenshop. Hartinger

Zu all dem kommt ein weiteres Problem: Auch die Tankstellenbetreiber tun sich schwer, Mitarbeiter zu finden. Die Gründe dafür sind laut Girardi: die unattraktive Schichtarbeit und dass der Branche ein schlechtes Image anhaftet. Zudem haben nicht mehr alle Menschen ein Auto – das braucht man jedoch für die Arbeit in einer Tankstelle, weil der Arbeitsbeginn früh und das Arbeitsende spät sein können und zu diesen Zeiten kaum oder gar keine Busse fahren. „Dabei sind unsere Jobs relativ krisensicher und solide“, zählt Girardi einige positiven Seiten dieser Arbeit auf.

Bei der ENI Gutmann Tankstelle in Schwarzach ist eine Pizzeria angeschlossen.  <span class="copyright">Hartinger </span>
Bei der ENI Gutmann Tankstelle in Schwarzach ist eine Pizzeria angeschlossen. Hartinger

Tankstelle der Zukunft

Ob die Umsätze je wieder auf Vorkrisenniveau gelangen, weiß niemand. Auf kurzfristige Sicht steht eine erneute Erhöhung des Benzinpreises durch die CO2-Bepreisung an, was wohl zusätzliche Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen lässt. Langfristig ist die Branche durch die Elektromobilität sowieso gerade im Wandel. „Was in den nächsten zwei bis fünf Jahren passiert, ist nicht abzusehen“, sagt Girardi. Ihre Vision der Tankstelle der Zukunft ist: „Tankstellen werden eine andere Funktion und einen anderen Stellenwert bekommen. Die Menschen halten sich dort auf, um ihre Autos zu befüllen, egal ob mit Benzin oder Strom, und während dieser Zeit bieten wir ihnen etwas. Dass sie zum Beispiel einen Film anschauen oder Spiele spielen können. Wir werden also Zusatzleistungen und andere Dienstleistungen brauchen.“

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