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Für Gratistest mal schnell über die Grenze?

07.11.2021 • 11:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Seit ein paar Wochen kursieren nun aber auch Informationen, wonach offenbar immer mehr Schweizer und Deutsche nur deshalb schnell über die Grenze fahren, um sich in Vorarlberg einen kostenlosen Coronatest abzuholen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Seit ein paar Wochen kursieren nun aber auch Informationen, wonach offenbar immer mehr Schweizer und Deutsche nur deshalb schnell über die Grenze fahren, um sich in Vorarlberg einen kostenlosen Coronatest abzuholen. Hartinger

Was ist dran an der Legende vom Testtourismus?


Exakt 158.376 Antigen- und PCR-Tests wurden von 26. Oktober bis 3. November, sprich innerhalb einer Woche, in den heimischen Teststraßen und Wohnzimmern durchgeführt. Ein gewisser Teil der Getesteten wohnt allerdings nicht in Vorarlberg.

Darunter befinden sich etwa Urlauber, Pendler, Arbeitsreisende oder Menschen, die in Vorarlberg Veranstaltungen besuchen und einkaufen wollen. Seit ein paar Wochen kursieren nun aber auch Informationen, wonach offenbar immer mehr Schweizer und Deutsche nur deshalb schnell über die Grenze fahren, um sich in Vorarlberg einen kostenlosen Coronatest abzuholen, etwa zur Vorlage beim Arbeitgeber im Heimatland. Neben dem üblichen Einkaufstourismus habe sich inzwischen ein regelrechter Testtourismus entwickelt, heißt es da und dort.
Wie berichtet, sind Coronatests in den Nachbarländern Schweiz und Deutschland seit 11. Oktober kostenpflichtig, „aus Fairness gegenüber dem Steuerzahler“, wie der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn die Maßnahme begründete. Besonders tief in den Geldbeutel greifen müssen Ungeimpfte in der Schweiz. Die Preise variieren stark. Wie eidgenössische Medien berichten, kosten PCR-Tests bis zu 200 Franken, Antigentests bewegen sich zwischen 60 und 80 Franken.

Lokalaugenschein

Gibt es in Vorarlberg also nicht nur den Einkaufs-, sondern auch einen Testtourismus auf Kosten der hiesigen Steuerzahler? Um dieser Frage nachzugehen, hat die NEUE kürzlich mehrere Lokal­augenscheine bei Teststraßen in Hohenems, Feldkirch und Bregenz durchgeführt. Informationen, wonach sich unverhältnismäßig viele Schweizer in Vorarlberg testen lassen, haben sich zumindest dabei nicht bestätigt. So waren auf den Parkplätzen vor den Teststationen jedenfalls nur ein paar wenige Autos mit ausländischem Kennzeichen zu finden.

Für Gratistest mal schnell über die Grenze?
Bei einem Lokalaugenschein waren nur vereinzelt Autos mit ausländischem Kennzeichen zu finden. Hartinger

Stichprobenkontrollen möglich

Wie viele Schweizer oder Deutsche tatsächlich ins Land kommen, um sich testen zu lassen, weiß man beim Land nicht, zumindest ließen sich diese Zahlen nur sehr schwer ausheben, heißt es. „Wir können nur auswerten, wer nicht in Vorarlberg wohnhaft ist. Eine genaue Aufgliederung auf Staaten oder auch andere Bundesländer kann nur mit äußerst großem Aufwand durchgeführt werden“, teilt Florian Themeßl-Huber, Leiter der Landespressestelle, auf Anfrage mit. Und er gibt richtigerweise zu bedenken, dass aufgrund des Wohnsitzes keine verlässliche Aussage darüber getroffen werden könne, wer ein „Testtourist“ sei. „Wir haben zahlreiche Grenzgänger, die in Vorarlberg arbeiten, es gibt Zweitwohnsitze oder einfach auch Personen, die bei uns die Gastronomie oder Kulturveranstaltungen besuchen. Es ist gut und richtig, dass sich diese Personen auch testen lassen.“ Allerdings stellt Themeßl-Huber auch klar, dass es im Fall eines Überhandnehmens des reinen „Testtourismus“ naheliegend wäre, Stichprobenkontrollen bei den Testzentren durchzuführen.

Sollten wir den Eindruck gewinnen, dass der reine „Testtourismus“ überhandnimmt, wäre es naheliegend, Stichprobenkontrollen bei den Testzentren durchzuführen.

Florian Themeßl-Huber, Landespressestelle

Situation in Apotheken

Auch Apothekenkammerpräsident Jürgen Rehak, der eine Apotheke nahe der Schweizer Grenze betreibt, kann nicht bestätigen, dass seit 11. Oktober mehr Kunden aus der Schweiz nach kostenlosen oder günstigeren Coronatests fragen. „Im Schnitt sind es drei am Tag“, so Rehak. Was der Apotheker jedoch wahrnimmt, ist die gestiegene Gereiztheit. „Die Kunden werden zunehmend aggressiver, die Nerven liegen blank.“ Die Situation sei sehr belastend für das Personal.

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