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„Hauptsache, man sperrt uns nicht wieder zu“

12.11.2021 • 23:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Kegele, Hotelier und Obmann der Sparte Tourismus bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Markus Kegele, Hotelier und Obmann der Sparte Tourismus bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Klaus Hartinger

Die Lage im Tourismus ist angespannt. Familien mit Kindern stornieren ihre Buchungen, Fachkräfte fehlen.

Zuerst die 2G-Verordnung, und nun erklärt Deutschland Österreich zum Hochrisikogebiet. So kurz vor Saisonbeginn ist die Lage im Tourismus angespannt. Nichtsdestotrotz versucht die Branche, positiv zu bleiben. „Wir sind Berufsoptimisten“, drückt es Markus Kegele, Hotelier und Obmann der Sparte Tourismus bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer, aus.

Land und Tourismustreibende hoffen auf Ausnahmergelung für Kinder und zwölf bis 18 Jährige, um Familien nicht als Gäste zu verlieren. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Land und Tourismustreibende hoffen auf Ausnahmergelung für Kinder und zwölf bis 18 Jährige, um Familien nicht als Gäste zu verlieren. Shutterstock

Die Einstufung als Hochrisikogebiet beurteilt er als nicht dramatisch. Schließlich gilt die Quarantänepflicht nur für ungeimpfte deutsche Reiserückkehrer, und die werden aufgrund der 2G-Verordnung derzeit ohnehin nicht beherbergt.

Familien betroffen

„Bis zum Einsetzen der Verordung war das Buchungsverhalten gut. Immerhin waren schon in den vergangenen Wochen 85 bis 90 Prozent unserer Gäste geimpft. Doch dann gab es Stornierungen, speziell von Familien mit Kindern. Viele Jugendliche zwischen zwölf und 18 sind nicht geimpft. Und dann bleibt eben die ganze Familie geschlossen daheim“, berichtet Kegele. Das betrifft besonders die Buchungen über Weihnachten – den klassischen Familienurlaub. Der Branchenvertreter hofft diesbezüglich auf eine Ausnahmeregelung, auch was die nun geltenden Quarantäneregelungen betrifft, zumindest für jene, die bereits gebucht haben.

Landesrat Christian Gantner. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Landesrat Christian Gantner. Oliver Lerch

Ausnahmeregelungen für Kinder

Auch beim Land ist die Problematik der ungeimpften Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren bekannt, obwohl laut Landesrat Christian Gantner lediglich 22 Prozent der Gäste mit Kindern in diesem Alter anreisen. Abgesehen davon liege in Deutschland die Impfquote der 12- bis 18-Jährigen bei immerhin 40 Prozent. Kinder unter zwölf Jahren sind von der 2G-Regel ausgenommen, nicht aber von den ab morgen geltenden Ein- und Rückreisebestimmungen nach Deutschland. Hier gilt für Kinder unter zwölf eine fünftägige Quarantäne ohne Freitest-Möglichkeit. Diesbezüglich sieht Gantner Handlungsbedarf. „Hier muss eine Lösung gefunden werden“, fordert er.

Sicherste Branche

Laut Kegele befürwortet der größte Teil der Tourismustreibenden die 2G-Regelung. Doch es gibt Betriebe – solche mit vorrangig Schweizer Gästen – die lieber mit PCR-Tests weitergemacht hätten. „Eben weil die Eidgenossen lockerere Regeln haben. 2G könnte also diese Gäste abschrecken“, meint Kegele. Doch der Sicherheitsaspekt stehe nun einmal an oberster Stelle.

Stornierung Weihnachtsfeiern

Als großen Verlust bezeichnet Kegele die durch 2G ausgelöste Stornierungswelle im Gastronomiebereich. Konkret: Weihnachtsfeiern. „Aus Solidarität zu einer Minderheit, die nicht geimpft ist, wird dieser Tage häufig die komplette Feierlichkeit abgesagt. Das ist fatal“, gibt Kegele zu bedenken und verweist auf die Gutschein-Alternative (Vorarlberg isst/nächtigt), auch wenn das nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Fachkräftemangel

Und als seien das alles noch nicht Hürden genug: Fachkräfte fehlen der Branche außerdem. Gut 70 Prozent der Betriebe suchen noch Mitarbeiter für den Winter.