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Beschneiung: Eine Frage der Finanzierung

27.11.2021 • 16:29 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gut fünf Millionen Euro würde das Projekt kosten, zweieinhalb Jahre die Umsetzung dauern.<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Gut fünf Millionen Euro würde das Projekt kosten, zweieinhalb Jahre die Umsetzung dauern.Klaus Hartinger

Auch ist unklar, ob überhaupt alle Liftbetreiber mit im Boot sind.

Die Diskussion ist nicht neu und dennoch aktuell, da eine Machbarkeitsstudie vorliegt: Wird das Bödele eine Bescheiungsanlage bekommen? Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich die Fragestellung weder mit ja noch mit nein beantworten. Vielmehr soll im kommenden Sommer die Entscheidung fallen.

Die Studie, welche 2020 von der Dornbirner Seilbahn AG initiiert, um überhaupt eine Diskussionsgrundlage zu schaffen.
„Es ist eine technische Machbarkeitsstudie, sprich ein Grundsatzkonzept. Nun gilt es die Kriterien qualitativ und quantitativ zu bewerten. Zusammengearbeitet haben wir mit der Firma Klenkhart & Partner consulting ZT GmbH aus Tirol“, informiert Vorstand der Dornbirner Seilbahn AG.

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Klaus Hartinger


Konkret geht es bei der Investition in die Beschneiung um die Lifte auf Dornbirner Seite: Lanklift, Oberlose sowie Schanzenblick. Dort könnten die Kanonen entlang der Pisten stehen.

Nur auf Dornbirner Seite? Die Lifte Hochälpele, Alpenblick, Seeblick und Weißtanne werden von einer Schwarzenberger Gesellschaft betrieben, gehören aber zur Tarifgemeinschaft Bödele. Laut Kaufmann haben die Verantwortlichen eine Entscheidung gegen die technische Beschneiung getroffen. Dennoch sei man bemüht, sie ins Boot zu holen.
Konfrontiert mit dieser Aussage zeigt sich Hochälpele Aufsichtsrat Werner Metzler allerdings verwundert. Jedoch äußert er sich nicht genauer. „Man sei noch dabei und führe gute Gespräche“, lautet die knappe Rückmeldung.

Herbert Kaufmann, Vorstand Dornbirner Seilbahn AG. <span class="copyright">DBN</span>
Herbert Kaufmann, Vorstand Dornbirner Seilbahn AG. DBN

Unterscheid zum Pfänder

Doch ist eine Beschneiung in diesen niederen Höhenlagen überhaupt sinnvoll und zukunftsfähig? Im Oktober wurde verkündet, dass der Betrieb der beiden Skilifte am Pfänder eingestellt wird. Hauptgrund dafür waren die klimatischen Bedingungen. Die Schneetage auf 1000 Meter Höhe wurden von Jahr zu Jahr weniger. Kunstschnee kam für Pfänderbahn-Vorstand Thomas Kinz nicht infrage, zumal es keinen Speichersee gibt. Es hätte Wasser vom Bodensee hochgepumpt werden müssen – wirtschaftlich und umwelttechnisch undenkbar. „Niedere Lifte gehen einfach nicht mehr. Dafür ist es zu warm“, sagte Kinz zur Sachlage.


Doch was ist am Bödele anders? „Der Pfänder hat eine Höhe von 1064 Meter. Die Bergstation Lank am Bödele liegt auf knapp 1400 Meter. Außerdem herrscht am Bödele eine andere mikroklimatische Umfeldsitutation“, erläutert Kaufmann. Gemeint ist damit das, was im Volksmund als „Schneeloch“ bezeichnet wird. Im Westen bilden sich Wolkenfronten, die am Bödele auf ein erstes Hindernis prallen und im Winter eine Menge Schnee fallen lassen. Somit hat das Gebiet laut Studie einen regionalen klimatischen Sonderstatus. Trotzdem oder gerade deshalb wird eine technische Beschneiung in Betracht gezogen.

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Klaus Hartinger

Speicherteich Waldabfahrt

Laut Kaufmann verschiebt sich der Zeitpunkt des ersten Schneefalls immer weiter nach hinten. „In den vergangenen zehn Jahren war das immer häufiger der Fall“, sagt Kaufmann.


Zwischen fünf und fünfeinhalb Millionen Euro müssten die Beteiligten für die Schneesicherheit aufbringen. Netto und inklusive Speicherteich mit mindestens 24.000 Kubikmeter Ausmaß. Für diesen gibt es zwei potenzielle Standorte: ein Areal bei der Waldabfahrt oder nahe des Alpengasthof Meierei wobei ersterer laut Kaufmann in den Fokus gerückt ist. Der Bödelesee spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.


Nichtsdestotrotz ist einer der Hauptknackpunkte des Vorhabens die Finanzierung. Aus dem laufenden Betrieb lässt sich die Investition nicht finanzieren und somit gibt es auch keine Amortisationsdauer. Es darf also neben den Eigenmitteln der Dornbirner Seilbahn AG auch Mittel von Dritten“, erklärt Kaufmann die Problematik.

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Entscheidung im Sommer

Ob das Projekt weiterverfolgt wird, wird voraussichtlich eine abgestimmte Entscheidung zwischen Grundeigentümer (Agrargemeinschaft Otto Hämmerle´s Erben), der Stadt Dornbirner und der Dornbirner Seilbahn AG sein. „Ob die Umsetzung dann rechtlich tatsächlich durchführbar ist, entscheiden die Ergebnisse einer möglichen Voruntersuchung sowie die Behörde“, meint Kaufmann. Spätestens im Sommer soll feststehen was passiert. Fällt die Entscheidung zugunsten einer technischen Beschneiungsanlage, beträgt die Umsetzung samt notwendiger, vertiefenden Voruntersuchungen, dem Behördenverfahren sowie der Baudurchführung etwas zweieinhalb Jahre.

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Saison hat gestartet

Saison hat gestartet. Es wäre wohl ein aufsehenerregendes Projekt, was da nach so vielen Jahren ohne Kunstschnee umgesetzt würde. In der Machbarkeitsstudie spricht vieles dafür. Und auch die Betreiber wollen langfristig auf Schneesicherheit setzen. „Es geht um die Absicherung der Wirtschaftlichkeit des laufenden Betriebs und somit um die Erhaltung eines vorgelagerten Ausbildungsskigebietes“, betont Kaufmann. Außerdem reduziere sich durch das Angebot die Fahrten in weiter weg gelegene Skigebiete. Und weiter: „Die Bödelelifte sind eine nicht unwesentliche Sportinfrastruktur für den Breiten- und Leistungssport.


Theoretisch sind die Lifte seit Anfang November im Wochenendbetrieb. Ab 27. November startet der durchgehende Betrieb. Eben je nach Schneelage. Noch sind die Hänge grün.

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