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Mehr Menschen aus Kirche ausgetreten

12.01.2022 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mehr Menschen aus Kirche ausgetreten
3508 Menschen in Vorarlberg haben 2021 der Kirche den Rücken zugekehrt. apa

Die Zahl der Austritte schmerzt Pastoralamtsleiter Fenkart, doch liege sie im Trend der letzten Jahre.

Im Jahr 2021 sind in Vorarlberg 3508 Menschen aus der katholischen Kirche Vorarlberg ausgetreten. Das sind um rund 600 mehr als im Jahr 2020 bzw. ist es eine Steigerung von 21 Prozent. Dies teilte die Diözese Feldkirch am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Gesamtzahl der katholiken in Vorarlberg

2021: 222.014

2020: 226.003

2019: 229.547

Pastoralamtsleiter Martin Fenkart sagt zu den Austritten: „Die Zahl der Kirchenaustritte schmerzt, sie liegt aber im Trend der Vorjahre.“ Die Kirche müsse sich darauf einstellen, dass sie kleiner werde. „Das ist unaufhaltsam“, so Fenkart. Deshalb werde der Fokus nicht darauf gelegt, möglichst viele Austritte zu verhindern, sondern es sei die Frage wichtig, was die Kirche Gutes tun könne. „Ich glaube, wir tun Gutes, wenn wir uns um Trauernde oder Kranke kümmern, wenn wir Menschen, die Beziehungsprobleme haben, mit dem Ehe- und Familienzentrum Beratungsstellen anbieten oder wenn wir einsame und notleidende Menschen durch die Telefonseelsorge unterstützen“, sagt Fenkart. Der Auftrag der Kirche sei, dass die Gesellschaft menschlicher wird.

Warum man austritt

Der häufigste Grund, weshalb jemand aus der Kirche austritt, sei der Kirchenbeitrag, sagt Veronika Fehle von der Pressestelle der Diözese. Er sei jedoch meist nur der Anlass, die Motive dahinter seien oft: „Diese Menschen haben oft keinen Bezug oder Kontakt mehr zur Kirche bzw. sie wissen gar nicht, dass sie, wenn sie zum Beispiel in St. Arbogast waren, auch mit einer kirchlichen Institution zu tun hatten. Wenn sie dann die Vorschreibung des Kirchenbeitrages bekommen, fragen sie sich: ‚Warum zahle ich das eigentlich?‘ und treten aus“, so Fehle. Weitere Gründe für den Austritt seien: die Sexualmoral der Kirche, das Thema Missbrauch, die Frauenfrage oder die Wiederverheiratung geschiedener Menschen.

Mehr Menschen aus Kirche ausgetreten
Pastoralamtsleiter Martin Fenkart weiß: „Die Kirche wird kleiner.”Keckeis

Kontakt sichtbar machen

Eine große Herausforderung sieht die Kirche darin, den Kontakt mit den Menschen zugänglicher zu gestalten bzw. ihn sichtbar zu machen. Doch es dürfe auch eines nicht vergessen werden: „Vielen Menschen ist Kirche noch lange nicht gleichgültig. Nicht ohne Grund haben sich die Eltern von 2357 Kindern im vergangenen Jahr dafür entschieden, ihre Kinder taufen zu lassen. 283 Paare haben sich das Ja-Wort gegeben, 145 Frauen und Männer sind (wieder) in die Kirche eingetreten und 34 haben ihren Austritt innerhalb von drei Monaten rückgängig gemacht“, heißt es aus der Diözese. Aus Gesprächen, die immer geführt werden, wenn jemand austritt, wisse man auch: Vielen austretenden Menschen seien traditio­nelle christliche Feste nach wie vor sehr wichtig.

Für alle Menschen bleibe die Kirche im Dienst, so Fenkart. „Nicht zuletzt dank der Tausenden engagierten Ehrenamtlichen“. Und in allen Gemeinden stünden die Kirchentüren für jede und jeden stets offen.

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