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Rückkehr der Wohnzimmertests ist fragwürdig

20.01.2022 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Ab Freitag sind die Wohnzimmertests wieder gültig. Apa

Kritik von der Opposition. Aber auch die Landesregierung scheint nicht ganz überzeugt zu sein.

Im Frühling und Sommer waren die sogenannten Wohnzimmertests als Zutritt für Gastronomie und Freizeiteinrichtungen zulässig. Durch einen Beschluss des Hauptausschusses des Nationalrates kehren sie heute zurück und sind 24 Stunden lang als Testnachweis für den Arbeitsplatz gültig. Bundeskanzler Karl Nehammer nannte als Grund für dieses Comeback: Die hohe Zahl der Tests sei momentan nicht anders zu bewältigen.
Die Freude über diesen Beschluss scheint sich in Grenzen zu halten. Wien macht erst gar nicht mit, da man dort bereits in der Vergangenheit sehr kritisch gegenüber diesen Tests war und die Stadt sowieso über ein umfangreiches und gut funktionierendes PCR-Testsystem verfügt. Landeshauptmann Markus Wallner sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, dass ihm ein Antigentest lieber sei als gar kein Test. Die Auswertung der PCR-Tests werde an ihre Grenzen kommen.

„Noch vieles offen“

Skeptischer zeigte sich am Mittwoch Landesrat Christian Gantner, wie der ORF Vorarlberg berichtete: Es seien noch zu viele Fragen offen, meinte er. Außerdem vertrat er eine andere Ansicht als Wallner, was die Auswertung der PCR-Tests anbelangt: Man habe das Problem in Vorarlberg eigentlich gelöst und bräuchte die Wohnzimmertests in Vorarlberg deshalb nicht unbedingt.
Am Donnerstag wurde auf Nachfrage der NEUE, aus welchen Gründen sich Gantner kritisch über die Rückkehr der Wohnzimmertests zeigte, geantwortet: „Die PCR-Tests sind der Goldstandard des Testens. Die Wohnzimmertests sind einfach ein weiteres Angebot und ein zusätzliches Sicherheitsnetz“, so der Pressesprecher des Landes Florian Themessl-Huber.

Landesrat Christian Gantner.<span class="copyright"> VLK</span>
Landesrat Christian Gantner. VLK

Nicht in Apotheken erhältlich

Die kostenlosen Antigentests sind in den Wohnsitzgemeinden erhältlich. Ungeachtet dessen wurde in den Apotheken bereits oft nach diesen Tests nachgefragt. Derzeit sind sie dort allerdings nicht erhältlich. Das teilte die Apothekerkammer gestern in einer Aussendung mit. Deren Präsident, Jürgen Rehak, berichtete: „Vom Comeback der Wohnzimmertests wurde die Apothekerkammer sehr kurzfris­tig informiert. Es gibt bislang nur Gespräche zur neuerlichen Verteilung von kostenlosen Antigen-Selbsttests über die Apotheken, aber noch keine Entscheidung.“ Die Apothekerkammer sei in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden und werde unverzüglich informieren, ob, wann und in welchem Umfang die Tests kostenlos abgegeben werden.

Reaktionen der Opposition

SPÖ-Landesvorsitzende Gabi Sprickler-Falschlunger. <span class="copyright">Hofmeister</span>
SPÖ-Landesvorsitzende Gabi Sprickler-Falschlunger. Hofmeister

Die Oppositionsparteien im Land zeigen sich zu Wiedereinführung der Wohnzimmertests sehr kritisch. SPÖ-Landesparteivorsitzende Gabi Sprickler-Falschlunger sieht in der erneuten Zulassung der Wohnzimmertests eine Notlösung. „Denn die Unsicherheit dieser Tests ist sehr hoch. Das erlebe ich auch in meiner Ordination: Die Selbsttests einiger Patienten sind negativ, ein PCR-Test zeigt dann aber das Gegenteil“, so Sprickler-Falschlunger. Besser wäre gewesen, so die SPÖ-Politikerin, dass das PCR-Testangebot besser funktioniert. „Hätte Landesrat Chris­tian Gantner besser geplant, hätten wir jetzt mehr Laborkapazitäten.“

Beweis für chaotische Politik

FPÖ-Landesobmman Christof setzt seine Kritik auf Bundesebene an: „Noch vor wenigen Monaten wurden die Wohnzimmertests abgeschafft, weil sie offensichtlich mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Jetzt werden sie wieder eingeführt, weil die Kapazität der PCR- und Antigentests vorne und hinten nicht ausreicht. Die Wiederzulassung der Wohnzimmertests ist somit ein neuerlicher Beweis für die völlig chaotische Corona-Politik von Schwarz-Grün.“ Für die Freiheitlichen sei klar, dass Personen mit Symptomen rasch ein Test­ergebnis erhalten und abgesondert würden. Das Tes­ten von gesunden Personen hingegen lehnt Bitschi ab: „Es sorgt lediglich dafür, dass die Testkapazitäten völlig überlastet sind.”

NEOS-Abgeordneter Johannes Gasser. <span class="copyright">Hartinger</span>
NEOS-Abgeordneter Johannes Gasser. Hartinger

Auch von den Neos wird die Wiedereinführung der Wohnzimmertests als ein Eingeständnis für das Versagen der PCR-Testsysteme gesehen. Gesundheitssprecher Johannes Gasser sagt: „Ob die Wohnzimmertests in der jetzigen Phase mehr Sicherheit bringen und einen Beitrag gegen die Ausbreitung von Omikron bringen, ist zudem fraglich. Die Abnahme der Tests ist schwer zu kontrollieren, es gibt zwischen den Bundesländern unterschiedliche Systeme, Apps und Anerkennungen für den Grünen Pass.“

Hohe Impfquote

Die größte Sicherheit, der größte Schutz und die größte Entlastung für die Testsysteme sei eine hohe Impfquote, so Gasser. „Denn die Zahlen zeigen eines: Österreich ist zwar Testweltmeister, im internationalen Vergleich zeigt das aber keine positiven Effekte bei Infektionszahlen oder Todesfällen. Diese bringt nur die Impfung.“