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Erlös-Prognosen für Kiesabbau in Altach liegen vor

01.02.2022 • 20:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Abbaufläche liegt im Gemeindegebiet von Altach, gehört aber der Marktgemeinde Götzis. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Abbaufläche liegt im Gemeindegebiet von Altach, gehört aber der Marktgemeinde Götzis. Hartinger

Gemeindekooperation vs. Privat-Abbau: Rein wirtschaftlich wäre Letzteres wohl interessanter für Götzis als Grundeigentümerin.

Bei dem seit längerer Zeit in Diskussion befindlichen geplanten Kies-Abbau im Gebiet Sauwinkel im Gemeindegebiet von Altach gibt es nach wie vor keine richtungsweisende Entscheidung. Der Abbau soll dort wie mehrfach berichtet auf einem Grundstück durchgeführt werden, das der benachbarten Marktgemeinde Götzis gehört.

Bekanntlich liegen grundsätzlich zwei Projektvarianten auf dem Tisch: Jene der Gemeinde Altach, die das Projekt zusammen mit dem Altacher Unternehmen Kopf durchführen möchte. Und jene des Transportunternehmers Patrick Nickel aus Götzis, der das Kies-Abbauprojekt mit dem Götzner Unternehmer Michael Loacker umsetzen will und dafür die gemeinsame Firma Rero-Pro Holding GmbH heranziehen würde.

Zahlen durchgesickert

Konkrete wirtschaftlich-finanzielle Zahlen zu den „Angeboten“ beziehungsweise Projektvarianten haben bis heute noch nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Jetzt allerdings wurden beide Projektvarianten der Wirtschaftspresseagentur.wwcom zugespielt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Rero-Pro (Projektvariante Nickel) der Marktgemeinde Götzis als Grundeigentümerin je nach Abbau-Beginn und Laufzeit bis spätestens 2058 einen Gesamterlös zwischen 34,7 und 37,7 Millionen Euro zukommen lassen würde. Das entspräche zwischen einer und 1,2 Millionen Euro an Erlösen pro Jahr. Die Marktgemeinde Götzis müsste kein wirtschaftliches Risiko eingehen und keine Investitionen tätigen oder sich daran beteiligen. Sie würde die Erlöse indexiert unabhängig von der Entwicklung der Marktpreise für Kies und der Deponiekosten erhalten. Das wirtschaftliche Risiko samt Investitionskosten würde bei Rero-Pro liegen. Die Firma hat bereits eine millionenschwere Finanzierungszusage für das Projekt – und das ohne Bewilligung, Bescheid, Vertrag oder unterzeichnete Absichtserklärung.

Unternehmer Patrick Nickel. <span class="copyright">Hartinger</span>
Unternehmer Patrick Nickel. Hartinger

Risikogemeinschaft

Die Projektkalkulation beziehungsweise Variante der Marktgemeinde Alt­ach sieht unterdessen vor, dass sich die beiden Gemeinden in einer wirtschaftlichen Risikogemeinschaft zusammentun. Der Auftrag zum Abbau wird dann an die Firma Kopf vergeben. Die „partnerschaftliche Risikogemeinschaft“ hat auch einen Teil der Investitionen zu stemmen. Dazu gehören etwa eine notwendige Verbindungsstraße, eine Waage, ein Lagerplatz, eine Reifenwaschanlage und die Kosten für die Rekultivierung. In einer Altacher Aufstellung von Dezember 2020 ist von etwa 617.000 Euro die Rede. Die erwarteten Erlöse belaufen sich während einer Laufzeit bis 2055 auf rund 28,4 Millionen Euro pro Gemeinde, insgesamt also auf 56,8 Millionen Euro.

Christian Loacker, Bürgermeister in Götzis. <span class="copyright">Ellensohn</span>
Christian Loacker, Bürgermeister in Götzis. Ellensohn

Kein Bescheid

Aus Sicht der Marktgemeinde Götzis als Grundeigentümerin wäre folglich die Angebotsvariante Nickel mit einem „Fixpreis“ wirtschaftlich wohl interessanter. Sie müsste keine Unabwägbarkeiten bei der Preis- und Kostenentwicklung auf sich nehmen und bekommt nach derzeitiger Prognose zudem mehr Geld. Allerdings handelt es sich bei dem Nickel-Projekt/Rero-Pro bislang um eine Ideensammlung. Es gibt dafür noch kein Bewilligungsverfahren und schon gar keinen Bescheid. Im Unterschied dazu hat die Projektvariante Altach/Kopf mit Alt­ach als „Bergbauberechtigtem“ bis zum heutigen Tag einen gültigen Bescheid der BH Feldkirch in der Tasche und könnte rein rechtlich betrachtet morgen mit dem Kies-Abbau beginnen.

Markus Giesinger, Bürgermeister in Altach. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Markus Giesinger, Bürgermeister in Altach. Stiplovsek

Warten auf Rechtsgutachten

Der Götzner Bürgermeister Chris­tian Loacker bestätigte auf Anfrage die finanziellen Details der beiden Varianten samt den prognostizierten Erlösen. Allerdings wolle er noch die Auswertung eines Rechtsgutachtens abwarten, das die rechtliche Situation klären solle. Seiner Darstellung nach spießt es sich beim bereits bewilligten Projekt Altach/Kopf an dem geplanten Aufteilungsschlüssel 50/50 mit Altach. „Wir als Grundeigentümer möchten mehr Anteil an den Erlösen haben.“ Eine Aufteilung je zur Hälfte sei für Götzis nicht denkbar. Das sei mit ein Grund, warum sich die Angelegenheit so in die Länge ziehe. Jedenfalls wolle Götzis noch im ersten Quartal 2022 eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen solle.

Gemeinsame Lösung zwingend notwendig

Der Altacher Bürgermeister Markus Giesinger sagte, dass man sich derzeit mit Götzis in Gesprächen befinde, die sich insbesondere um die Frage der Aufteilung der Erlöse bei der Projektvariante Altach/Kopf drehen. Es sei zwingend notwendig, dass die beiden Gemeinden in Bezug auf den geplanten Kiesabbau im Sauwinkel eine gemeinsame Lösung finden. Giesinger verwies dabei einmal mehr auf den gültigen Bescheid für die Variante Altach/Kopf, der für das vorgesehene Grundstück nach wie vor bestehe. „Wir brauchen jetzt so rasch wie möglich eine Entscheidung zusammen mit Götzis“, so Giesinger.
Ob die Variante von Rero-Pro dabei überhaupt eine Rolle spielen wird, ist offen. Jedenfalls habe er seit Dezember 2020 nach einer Präsentation des Projekts keine persönlichen Kontakte oder Gespräche mehr mit den Bürgermeistern der beiden Gemeinden in der Sache gehabt, sagt Patrick Nickel auf wpa-Anfrage.

Günther Bitschnau/ wpa

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