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Arbeiten an der Corona-Front

05.02.2022 • 19:47 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Mitrarbeiter des Infektionsteams. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mitrarbeiter des Infektionsteams. Hartinger

Oft bleiben sie im Hintergrund. Wir holen sie vor den Vorhang.

Sie stehen am Beginn ihres Berufslebens und helfen, die Coronapandemie zu bekämpfen. Viele junge Menschen arbeiten in den Testzentren, im Infektionsteam, in Spitälern, Pflegeheimen und Labors. Die Hilfe der Jungen ist notwendig, um alles am Laufen zu halten, hört man in Krankenhäusern ebenso wie in Test- und Impfzentren. Jeder Einzelne, so heißt es, sei wichtig für die Infrastruktur. Das bestätigen auch die jungen Pandemiebekämpfer, die die NEUE am Sonntag vor den Vorhang holt und über ihren Alltag befragt hat. Das Ergebnis zeigt mutige Optimisten, die den Ärzten zur Seite stehen und mit Herzblut arbeiten.

Rene Nesensohn. <span class="copyright">Hartinger</span>
Rene Nesensohn. Hartinger

Rene Nesensohn (20) arbeitet im Infektionsteam

Rene Nesensohn arbeitet in der Coronaspezialeinheit der Vorarlberger Gesundheitsbehörde, dem sogenannten Infektionsteam. Als einer von drei Leitern des Fachbereichs „Erkrankte“ bekommt er die besonders schwierigen Contact-Tracing-Fälle auf den Tisch. „Ich kümmere mich beispielsweise um jene Personen, die sich beschweren.“ Richtige Coronaleugner gebe es glück­licherweise wenige, sagt der 20-Jährige. Ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört es, das 50-köpfige Team immer auf dem neuesten Stand zu halten. Seinen Kollegen, vorwiegend pensionierte Ärzte und ehemaliges medizinsiches Personal, zollt Nesensohn großen Respekt. „Es hängen sich hier alle voll rein.“ Der ehemalige Handelsschüler und nunmehrige Landesbedienstete arbeitet seit November 2020 im Infektionsteam. Und er mag seinen Job, weil er „unfassbar dynamisch und abwechslungsreich“ ist. Kein Tag sei wie der andere. Und: „Man lernt hier Empathie.“

Marion Bahro. <span class="copyright">Privat</span>
Marion Bahro. Privat

Marion Bahro (22) ist Krankenpflegerin im Spital

Als Marion Bahro im Oktober 2020 ihren Dienst auf der Station Interne 1 des LKH Bludenz antrat, war die Coronapandemie schon voll im Gange. „Wir haben dann ziemlich bald die ersten Patienten bekommen“, erinnert sie sich. Schön öfters hat die heute 22-jährige Diplomkrankenpflegerin Menschen am Virus sterben sehen. „Das nimmt einen schon sehr her. Umso wichtiger ist es, dass man im Team fest aufeinander schaut und den Humor nicht verliert.“ Das „Einschleusen“ – so nennt man im Spital den aufwendigen Prozess des Anlegens der Schutzkleidung – sei enorm kräftezehrend. Auch die Patienten haben dadurch Nachteile. „Wir können nicht mehr einfach so schnell ins Zimmer schauen. Im Endeffekt haben wir viel weniger Zeit für die Patienten.“
In ihrer Freizeit versucht die Thüringerin, so wenig wie möglich über das Thema Corona zu reden. „Da lege ich den Fokus auf die schöneren Dinge des Lebens.“

Fiona Geißler. <span class="copyright">hartinger</span>
Fiona Geißler. hartinger

Fiona Geißler telefoniert mit Schulen und Heimen

Fiona Geißlers Arbeitstag beginnt in der Regel kurz nach 7 Uhr und endet meistens zwischen 18.30 und 19 Uhr. Was dazwischen passiert, ist nicht absehbar. „Kein Tag ist gleich, die Fälle alle unterschiedlich“, sagt die 20-jährige Hörbranzerin. Wenn sie am Abend nach Hause gehe, habe sie das Gefühl, etwas Nützliches getan zu haben. „Es ist wichtig, dass die Infektionsketten so früh wie möglich unterbrochen werden.“ Die Absolventin einer Handelsakademie arbeitet seit September 2021 im Infektionsteam. Sie erhebt Kontaktpersonen in der kritischen Infrastruktur. Ihr Zuständigkeitsbereich sind Pflege-, Sozial- und Bildungseinrichtungen. Mit der Omikronwelle stellte Geißler fest, dass auch die Ungeduld wächst und die Gespräche angespannter werden. „Es kommt immer wieder mal vor, dass jemand möchte, dass wir seinen Fall vorziehen. Das geht natürlich nicht. Es gibt Vorgaben, an die müssen wir uns halten.“

Simone Nigsch.<span class="copyright"> Privat</span>
Simone Nigsch. Privat

Simone Nigsch pflegt Patienten im Krankenhaus

“Wir mussten den Patienten teilweise beim Sterben zuschauen. Ich kann die Leute nicht verstehen, die sagen, dass wir uns das alles nur ausdenken“, erzählt Simone Nigsch, Diplomkrankenpflegerin in der Abteilung für Unfallchirurgie am Landeskrankenhaus Bludenz. Immer wieder mussten während der Pandemie Coronapatienten auch auf ihrer Station betreut werden. Vor einem Jahr sei die Situation besonders schlimm gewesen. „Damals sind viele verstorben.“ Trotzdem sei sie noch keinen Tag ungern zur Arbeit gegangen, sagt sie. Ein Mitgrund dafür sei der gute Zusammenhalt im Team. „Wenn wir den nicht hätten, wären sicher schon einige gegangen. Wir machen das Beste draus und hoffen natürlich, dass das nicht ewig so weitergeht.“
Ebenfalls wichtig sei ein guter Ausgleich zum Beruf. Dazu zählen im Fall von Simone Nigsch die Familie, sportliche Betätigung und Musik.

Fabian Ebenhoch. <span class="copyright">Rotes Kreuz</span>
Fabian Ebenhoch. Rotes Kreuz

Fabian Ebenhoch ist Zivildiener beim Roten Kreuz

Fabian Ebenhoch aus Rankweil leistet seinen Zivildienst beim Roten Kreuz ab. Seit Oktober 2021 ist er dabei. Egal ob Krankentransport oder Rettungseinsatz, sein Arbeitsalltag ist geprägt von der Pandemie. Denn Transporte von Patienten mit (Verdacht auf) Corona, die in letzter Zeit wieder stark zunehmen, sind besonders aufwendig. „Wir müssen mit Schutzausrüstung ausrücken, was die Arbeit nicht einfacher macht. Und nach dem Transport müssen wir unter Zeitdruck den gesamten Innenraum des Fahrzeugs desinfizieren.“ Menschen, die Corona nicht ernst nehmen, möchte er nicht pauschal verurteilen. „Aber man sollte wenigstens an jene denken, für die eine Erkrankung kritisch werden könnte. Ich weiß, was es heißt, wenn Patienten unter Atembeschwerden ins Spital gebracht werden müssen.“ Trotz der Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, ist Fabian gerne Zivildiener beim Roten Kreuz. „Da kann man echt was fürs Leben mitnehmen.“

Emilia Schmedler.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Emilia Schmedler. Hartinger

Emila Schmedler ist Contact-Tracerin

Ursprünglich arbeitete Emilia Schmedler in der Strafabteilung der Bezirkshauptmannschaft Bregenz. Im Infektionsteam, das in der Messe Dornbirn stationiert ist, gefällt es der Landesbediensteten allerdings besser. „Ich mag es, wenn Arbeitsanfall und Aufgaben wechseln und was los ist.“ Mit Stress könne sie gut umgehen, sagt sie. Als Mitarbeiterin in der Kontakt­erhebung im Bereich der kritischen Infrastruktur hat die 22-jährige Hörbranzerin dieser Tage besonders viel zu tun. „In Schulen und Kindergärten sind nun mal viele Leute beisammen, da breitet sich die Virusvariante natürlich viel schneller aus.“ Die Reaktionen der Betroffenen seien recht unterschiedlich. „Manche schreien uns an und verlangen, dass man ihren Fall gleich bearbeitet, andere sind froh, dass wir uns kümmern.“ Die Contact-Tracerin hält es für wichtig, dass man „den Leuten alles ganz genau und ruhig erklärt“. Zumindest habe sie gute Erfahrungen damit gemacht.

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