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Bewährung: Ungewöhnliche Auflage für Oberländer (15)

09.02.2022 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Prozess am landesgericht Feldkirch
Prozess am landesgericht Feldkirch

Bedingte Gefängnis­strafe wegen vier Delikten. Zuvor hatte er Chance mit Gratisarbeit nicht genutzt.

Zu einer ungewöhnlichen Sanktion entschloss sich Richter Dietmar Nußbaumer am Mittwoch in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch. Denn als Bewährungsauflage erteilte er dem arbeitslosen Jugendlichen die Weisung, ihm innerhalb von sechs Monaten zumindest vier schriftliche Arbeitsbewerbungen vorzulegen. Sollte sich der 15-Jährige nicht daran halten, müsste er die sechsmonatige Freiheitsstrafe doch verbüßen.

Schuldspruch

Schuldig gesprochen wurde der reumütig geständige Angeklagte wegen Einbruchsdiebstahls, falscher Zeugenaussage, versuchter Begünstigung und Sachbeschädigung. Dafür wurde der unbescholtene Österreicher türkischer Abstammung zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Die Probezeit für die Bewährungsstrafe beträgt drei Jahre. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der von Dietlind Hügel verteidigte Angeklagte nahm die Entscheidung an, aber Staatsanwältin Karin Dragosits nahm sich drei Tage Bedenkzeit. Die mögliche Höchststrafe wäre 18 Monate Gefängnis gewesen.

Weisung

Dem Oberländer wurde die Weisung erteilt, während der dreijährigen Probezeit Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen. Tut er das nicht, muss der Minderjährige die Gefängnisstrafe doch verbüßen. Die zweite gerichtliche Weisung bestand eben darin, sich Arbeit zu suchen. Dabei folgte der Strafrichter einer Empfehlung der Jugendgerichtshilfe. In ihrem Bericht ans Gericht wurde bemängelt, dass der junge Arbeitslose orientierungslos sei und ein unstrukturiertes Leben führe.
Nach den gerichtlichen Feststellungen hat der Angeklagte aus einer aufgebrochenen Zeitungskasse 2,30 Euro gestohlen. Demnach hat er zudem als Zeuge gelogen und damit einen Gewalttäter zu schützen versucht. Der Zeuge hat behauptet, die Körperverletzung nicht gesehen zu haben. Des Weiteren hat der Angeklagte laut Urteil eine Sachbeschädigung begangen.

Von Polizei vorgeführt.

Zur Gerichtsverhandlung wurde der zunächst nicht erschienene Angeklagte am Mittwoch von der Polizei vorgeführt. Die Verhandlung musste deshalb angesetzt werden, weil er eine ihm zunächst gewährte Chance nicht genutzt hat. Das Strafverfahren sollte ursprünglich mit einer Diversion eingestellt werden. Aber der 15-Jährige hat die ihm aufgetragenen Stunden an gemeinnütziger Gratisarbeit nicht geleistet. Am Schluss der Hauptverhandlung bedankte sich der Angeklagte für das milde Urteil.

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