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Hohe Sterblichkeit bei an Corona erkrankten Krebspatienten

19.02.2022 • 03:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Primar Thomas Winder, Abteilungsvorsten Innere Medizin II am LKH Feldkirch.  <span class="copyright">KHBG</span>
Primar Thomas Winder, Abteilungsvorsten Innere Medizin II am LKH Feldkirch. KHBG

LKH Feldkirch beteiligte sich an Studie. Primar Thomas Winder im Interview:

Das LKH Feldkirch hat sich an einer Studie zur Mortalität von Krebspatienten mit Covid-19 beteiligt (siehe rechts). Insgesamt wurden die Daten von 230 Menschen analysiert. Wie viele davon wurden im LKH Feldkirch behandelt?
Thomas Winder: Wir haben bei dieser Studie insgesamt 50 Fälle eingebracht, also einen erklecklichen Anteil.

Was sagen Sie zum Ergebnis?
Winder: Da gibt es mehrere interessante Aspekte. Einer davon ist, dass es bei 60 Prozent der 230 analysierten Patienten zu einer Verzögerung der Krebsbehandlung gekommen ist.

Warum?
Winder: Weil sie beispielsweise aufgrund ihrer Corona-Erkrankung im Spital aufgenommen beziehungsweise intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Auch aufgrund der Quarantäne kam es zu Verzögerungen. Krebspatienten bleiben ja mitunter sehr lange positiv.

Was sind die Folgen?
Winder: Die Prognose verschlechtert sich.

Was hat die Studie gezeigt?
Winder: Die aktuelle Studie hat einmal mehr gezeigt, dass Krebspatienten ein deutlich höheres Risiko für einen schweren, mitunter tödlichen Covid-19-Verlauf aufweisen.

Die Studie

Auch Österreichs Krebspatienten wurden von der Covid-19-Pandemie hart getroffen. Die Sterblichkeit bei 230 Kranken mit bösartigen Tumoren oder Blutkrebs und Sars-CoV-2-Infektion betrug laut einer neuen Studie von Kliniken in Wien, Tirol und Vorarlberg im Zeitraum zwischen Mitte März 2020 und Anfang April vergangenen Jahres 16,5 Prozent. Dies geht aus einer am Mittwoch in der Wiener Klinischen Wochenschrift online erschienen Studie hervor.

Die Autoren der Untersuchung stammen aus acht Spitalsabteilungen bzw. Universitätskliniken in Wien, Feldkirch und Innsbruck, die Patienten mit Tumorerkrankungen (Onkologie) oder Blutkrebs (Hämatologie) betreuen. Analysiert wurden die Daten von Kranken, die aktiv an Krebs erkrankt waren oder zuvor eine Krebsdiagnose erhalten hatten und zwischen 13. März 2020 und 6. April 2021 zusätzlich positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden waren. Gesammelt wurden die Informationen über die Krebserkrankungen und die Konsequenzen von Covid-19 binnen 30 Tagen nach der bestätigten Infektion.

Vergleich. Insgesamt handelte es sich um 230 Krebspatienten. 75 hatten Blutkrebs, 155 eine bösartige Tumorerkrankung. Die Sterblichkeit durch Covid-19 war hoch. Die Forschenden rund um Anna Berghoff (Klinische Abteilung für Onkologie/MedUni Wien/AKH) als korrespondierende Autorin schrieben über die Beobachtungen: „Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 31 Tagen nach Covid-19-Diagnose waren 38 der Patienten (16,5 Prozent) daran gestorben.“ Die Verstorbenen waren im Durchschnitt älter (71,4 Jahre) als diejenigen, die Covid-19 überstanden (62,4 Jahre). Zu den Risikofaktoren gehörten auch ein generell schlechterer Gesundheitszustand sowie einige Blutparameter, wird in der Studie festgestellt.

Wie stark erhöht die Covid-19-Mortalität unter diesen Krebskranken im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung war, darauf geben Dashboard-Daten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) einen Hinweis: Für die Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen wird dort eine Covid-19-Sterblichkeit von 2,6 Prozent bei den betroffenen Männern und von 1,3 Prozent unter den erkrankten Frauen ausgewiesen.

Die Krebstherapien selbst dürften das Covid-19-Sterberisiko für die Patienten nicht erhöhen. Ein Zusammenhang mit onkologischen oder hämatologischen Behandlungen, die oft die körpereigenen Abwehrkräfte schädigen, konnte nicht belegt werden. Bei 60,6 Prozent der Krebspatienten musste allerdings die Behandlung wegen der Erfordernis der Quarantäne oder einer Spitalsaufnahme durch Covid-19 verschoben werden. Insgesamt sei die Corona-Mortalität der Krebspatienten in Österreich ähnlich jener in vergleichbaren Ländern gewesen, stellen die Autoren fest.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
WInder: Vulnerable Personengruppen müssen besonders geschützt werden. Der effizienteste Schutz ist derzeit die Impfung – unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der medikamentösen Krebstherapie oder einer Strahlentherapie. Deshalb spreche ich mich auch gegen eine pauschale Impfbefreiung für Krebspatienten aus. Die Empfehlung lautet klar, sich impfen zu lassen. Wir haben in einer eigenen Studie gezeigt, dass die Impfung auch für Krebspatienten sicher und wirksam ist. Lediglich eine kleine Gruppe von Patienten, etwa mit Blutkrebserkrankungen, hat weniger gut darauf angesprochen.

Krebstherapien schwächen das das Immunsystem. Hat die Therapie selbst keinen Einfluss auf das Risiko an einer Corona-Erkrankung zu sterben?
Winder: Nein, da wurde zumindest im Rahmen dieser Studie kein Zusammenhang festgestellt.

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