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Koordinationsstelle für Long Covid geplant

21.02.2022 • 17:13 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Landesrätin Martina Rüscher verspricht Wissensnetzwerk für Ärzte und eine Koordinationstelle für schwere Long Covid Fälle. Eine Sonderfinanzierung für einzelne Behandlungsmaßnahmen ist nicht vorgesehen. <span class="copyright">vlk</span>
Landesrätin Martina Rüscher verspricht Wissensnetzwerk für Ärzte und eine Koordinationstelle für schwere Long Covid Fälle. Eine Sonderfinanzierung für einzelne Behandlungsmaßnahmen ist nicht vorgesehen. vlk

Das Land plant dreistufiges Angebot für Ärzte und Long Covid-Patienten – schon im Frühjahr.

Die medizinischen und sozialen Langzeitfolgen einer Long-Covid-Erkrankung sind derzeit noch nicht wirklich abschätzbar. Aktuell gibt es bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) circa 15.000 dokumentierte Krankenstände aufgrund von Long Covid (Stand Februar 2022). Betroffene Pensionisten und Kinder oder Jugendliche ausgenommen. Doch das dürfte nur ein Bruchteil sein. Der Österreichische Gewerkschaftsbund spricht derweil von mehr als 100.000 Fällen.

“Die lückenlose Datenerfassung ist eine Baustelle, weil wohl noch nicht alle Long-Covid-Erkrankten als solche erfasst werden”, teilt der Arbeitnehmer-Obmann der ÖGK Andreas Huss mit. Experten gehen davon aus, dass zwischen zehn und 15 Prozent der an Covid-19 Erkrankten auch an Long Covid-Symptomen in unterschiedlicher Ausprägung leiden. Alleine in Vorarlberg wären das seit Beginn der Pandemie 10.000 bis 15.000 Betroffene.

Spezialambulanzen

In Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten wurden Post/Long Covid Spezialambulanzen eingerichtet, die fachübergreifend arbeiten. Hierzulande werden Long-Covid Patienten vom Hausarzt betreut, der wiederum zu verschiedenen Fachärzten überweist. In der Regel ist das mit langen Wartezeiten verbunden. Huss fürchtet, dass wenn die Long-Covid-Patient nicht rechtzeitig optimal behandelt, sie möglicherweise für lange Zeit ausfallen oder sogar auf Dauer aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das führt bei den Betroffenen zu weiteren Folgeerkrankungen und zu existenziellen Problemen, aber auch für unseren Sozialstaat zu großen volkswirtschaftlichen Herausforderungen am Arbeitsmarkt und in der Versorgung dieser Menschen.

Situation in Vorarlberg

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher hat auf Anfrage mitgeteilt, wie das Land Vorarlberg in Sachen Long Covid aufgestellt ist. Das Thema Long Covid/Post Covid hat laut Aussage von Rüscher beim Land hohe Priorität. „Wir erhalten immer wieder Anfragen von Patienten dazu“, informiert sie. In der Umsetzung eines speziellen Angebotes orientiert man sich an Tirol.


1. Ist in Vorarlberg eine zentrale Long Covid-Ambulanz geplant?
Rüscher:
Vom Vorarlberger Fachstab für Gesundheit wurde nach eingehender Beratung die grundsätzliche Empfehlung ausgesprochen, keine eigene zentrale Ambulanz aufzubauen, sondern auf das bestehende, gut ausgebaute und wohnortnahe Versorgungsnetz mit Hausärzten und Fachärzten zu setzen. Dieser Empfehlung folgen wir als Land.


2. Wie soll sich jeder Arzt das Wissen um Long Covid aneignen?
Rüscher:
Unser Ziel ist, die Allgemein- und Fachärzte zu unterstützen, um diese aus wissenschaftlicher Sicht noch junge Erkrankung, bei der laufend neue Erkenntnisse gewonnen werden, gut begleiten zu können. Wir haben uns nach Beratung mit der Vorarlberger Gesellschaft für Allgemeinmedizin sowie mit Fachärzten aus unseren Spitälern dazu entschlossen ein eigenes Wissensnetzwerk zum Thema Long Covid aufzubauen. Wir werden dazu mit dem bereits bestehenden Tiroler Netzwerk kooperieren. Dieses soll um die Vorarlberger Ärzte erweitert werden. Die Erarbeitung dieser Kooperation sowie die Finanzierungsgespräche mit der Sozialversicherung laufen derzeit.


3. Welches Angebot soll es für Patienten geben?
Rüscher:
Es wird drei Ebenen umfassen: Das erwähnte Wissensnetzwerk auf fachlicher Ebene für Allgemein- und Fachmedizinier, damit neueste Erkenntnisse auch rasch den Weg zu jenen finden, die Patienten vor Ort betreuen. Eine Website mit wissenswerten Informationen für Betroffene, die laufend aktualisiert wird. Und eine Koordinationsstelle in einem der Vorarlberger Krankenhäuser, bei der Patienten, für die im niedergelassenen Bereich keine entsprechende Lösung gefunden werden kann, nochmals einer vertieften Diagnose zugeführt werden.


4. Hat jeder Long Covid-Patient Zugang zur Koordinationsstelle?
Rüscher:
Der Zugang wird nur über den Filter einer Zuweisung der niedergelassenen Ärzte möglich sein, Patienten können sich nicht direkt dorthin wenden. Damit stellen wir sicher, dass die betreuende Ärztin oder der betreuende Arzt, wo Patient in der Regel gut bekannt ist weiterhin erste Anlaufstelle bleibt. Die Zugangskriterien sollten eng gefasst werden und die Zuweisung analog zum Tiroler Modell mit Hilfe einer strukturierten Erhebung durch den zuweisenden Ärzt erfolgen. Diese Ambulanz soll über eine enge Vernetzung zu niedergelassenen Leistungsanbietern zielgerichtete Unterstützung in die Wege leiten.


5. Welche Vorteile bringt die Koordinationsstelle für Long Covid-Patienten?
Rüscher:
Im Rahmen der Koordinationsstelle sollen also einerseits sowohl eine umfassendere Diagnose erfolgen, als auch eine Empfehlung für die weiterführende Behandlung ausgesprochen werden, die der betreuende Arzt weiter begleitet.


6. Wann wird das Vorhaben umgesetzt?
Rüscher:
Derzeit erarbeiten wir die Konzeption dieser Koordinationsstelle, sobald das Konzept vorliegt, bedarf es jedenfalls noch einer umfassenden Abstimmung mit den weiteren Partnern des Gesundheitssystems. Wir rechnen damit, im kommenden Frühjahr wesentliche Ausbauschritte umsetzen zu können.


7. Steht eine finanzielle Unterstützung für außerordentliche Behandlungskosten und dergleichen zur Debatte?
Rüscher: Die Kosten für alle Behandlungen sollen grundsätzlich über die Sozialversicherungen abgedeckt werden, da es sich um Regelangebote des Gesundheitssystems handelt. Eine Sonderfinanzierung seitens des Landes für Einzelmaßnahmen ist nicht angedacht – mit Ausnahme für die Koordinationsstelle, die Informations-Website für Bürge sowie das Wissensnetzwerke für Ärzte.


8. Ist ein spezielles Reha-Angebot für Long Covid-Patienten geplant?
Rüscher:
Hier wurde österreichweit übereingekommen, aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankung kein separates Angebot aufzubauen, sondern je nach Bedarf auf das jeweils benötigte Reha-Angebot (Lunge, Herz-Kreislauf, Psyche, etc.) zu setzen. Auf Bundesebene haben daher die Gesundheitsreferenten aller Länder dafür plädiert, Reha-Angebote auszubauen und den aktuellen Rehabilitationsplan 2020 entsprechend auszuweiten.

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