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Land rechnet mit 6000 Flüchtlingen

01.03.2022 • 20:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Laut den Vereinten Nationen sind bereits mehr als 600.000 Menschen aus der Ukraine geflüchtet. Geht der Krieg weiter, könnten es bald Millionen sein.<br><span class="copyright">AFP</span>
Laut den Vereinten Nationen sind bereits mehr als 600.000 Menschen aus der Ukraine geflüchtet. Geht der Krieg weiter, könnten es bald Millionen sein.
AFP

Land Vorarlberg stellt sich auf Worst-Case-Szenario ein. Große Notquartiere gesucht.

Im Ukraine-Krieg hat die russische Armee am sechsten Tag die massiven Angriffe gegen die beiden größten ukrainischen Städte Charkiw und Kiew fortsetzt. Immer mehr Menschen müssen aus ihrer Heimat fliehen. Es sind vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen, die sich auf den Weg ins Ungewisse machen. Nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) waren am Dienstag mehr als 600.000 Personen auf der Flucht. Falls sich die Situation weiter verschlechtert, könnten es UN-Schätzungen zufolge bald vier Millionen Flüch­tende sein. Die meisten fliehen in die Nachbarländer. In Österreich waren bis Montagabend etwa 1600 Menschen angekommen. Fachleute des Innenministeriums gehen derzeit nicht von einer großen Flüchtlingsbewegung nach Österreich aus.

Noch keine Geflüchteten Notquartieren

In Vorarlberg mussten bislang keine Geflüchteten in Notunterkünften aufgenommen werden. Vereinzelte Vertriebene kamen bei Freunden oder Verwandten unter. Die Vorbereitungen für einen möglichen Flüchtlingszustrom aus der Ukraine seien jedoch intensiv angelaufen, wie Landeshauptmann Markus Wallner und der ressortzuständige Landesrat Chris­tian ­Gantner (beide ÖVP) am ­Dienstag im Pressefoyer nach der Regierungssitzung bekannt gaben.

Suche nach Unterkünften

Die Unterstützung aus der Zivilbevölkerung sei groß, so der Sicherheitslandesrat. Innerhalb von zwei Tagen seien dem Land 40 Wohnungen mit insgesamt 120 Betten für Flüchtlinge angeboten worden. Aber auch nach Großquartieren wird gesucht. Man habe mehrere Objekte im Auge, so Gantner. Nähere Details wollte er gestern nicht machen. Er wolle zuerst mit den Eigentümern und den betreffenden Gemeinden sprechen. Gantner rechnet im schlimmsten Fall mit etwa 6000 ukrainischen Flüchtlingen in Vorarlberg. „Dazu kann es kommen, falls die Kriegshandlungen länger andauern. Auf dieses Szenario bereiten wir uns vor.“ Der Landesrat verweist diesbezüglich auf eine von Land, Caritas und Gemeindeverband gebildete Taskforce, die sich laufend austausche.

Land rechnet mit 6000 Flüchtlingen
Landesrätin Katharina Wiesflecker(Grüne), Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Christian Gantner (beide ÖVP) informierten im Pressefoyer. VLK

Hilfe vor Ort

Vordringlich ist derzeit allerdings die Hilfe vor Ort. Deshalb hat die Landesregierung in ihrer gestrigen Sitzung offiziell die Beteiligung des Landes am Hilfspaket aller Bundesländer beschlossen. Die Landeshauptleute-Konferenz unter dem Vorsitz Vorarlbergs hatte sich unmittelbar nach dem Kriegsausbruch vor einer Woche darauf verständigt, parallel zur Bundeshilfe zwei Millionen Euro als Soforthilfe bereitzustellen. Der Vorarlberger Anteil beläuft sich gemäß Bevölkerungsschlüssel auf 90.000 Euro. „Es ist wichtig, den flüchtenden Menschen sofort zu helfen. Es sind sehr viele Frauen und Kinder unterwegs, viele haben nur ein Köfferchen dabei“, erläuterte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) die Situation in der Ukraine.

Erdgasversorgung

Einen Einblick in die hiesige Erdgasversorgung gab Landeshauptmann Wallner. „Wir sind hier im Moment noch in keinen allzu großen Schwierigkeiten, aber auch hier müssen wir uns auf eine andere Situation vorbereiten.“

Vorarlberg sei beim Erdgas fast zu 100 Prozent von Import abhängig, sagte Wallner und forderte den Bund auf, aktiv werden. „Die Eindeckung für den nächsten Winter ist eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, die man jetzt angehen müsste. Die Bevorratung ist zu gering. Man sollte die Speicher auffüllen.“ Nach Angaben der vkw belaufe sich der Füllstand derzeit auf 18 Prozent. Da das österreichische Gasnetz nur bis Salzburg reicht, hängt Vorarlberg am bayrischen Netz. Der Füllstand der deutschen Speicher liege aktuell bei 30 Prozent, so Wallner. In Deutschland betrage der Anteil an russischem Gas rund 50 Prozent, in Österreich sind es 70 bis 80 Prozent. 22 Prozent des Energiebedarfs werden in Vorarlberg mit Erdgas gedeckt. 47 Prozent des Erdgases werden im Gebäudesektor eingesetzt, 52 Prozent in der Industrie. Etwa ein Viertel der Vorarlberger Gebäude wird mit Erdgas beheizt, dieser Anteil sei seit 2005 um 15 Prozent zurückgegangen, sagte Wallner. Zum Vergleich: In Wien wird jedes zweite Gebäude mit Erdgas beheizt.

Industrie

Bei der Vorarlberger Industrie ist Erdgas mit 44 Prozent hingegen der dominante Energieträger (plus 31 Prozent seit 2005). „Da kann man sehen wie groß die Abhängigkeit von Erdgas im Land ist. Ein Stopp oder eine Unterbrechung der Erdgaslieferungen würde ein Problem in der Industrie auslösen.“ Wallner geht derzeit allerdings nicht davon aus, dass die Gaslieferungen in irgendeiner Form einbrechen werden.

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