Lokal

Wo im Wald die Post abgeht

04.03.2022 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Freitag- und Samstagabend ist die Wirtsstube beim „Fraaanz“ voll. <span class="copyright">privat</span>
Am Freitag- und Samstagabend ist die Wirtsstube beim „Fraaanz“ voll. privat

„Zum Fraaanz“ in Schoppernau ist Treffpunkt für Bregenzerwälder Jugend. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Die NEUE am Sonntag am Samstagabend im Gasthaus „Zum Fraaanz“ in Schoppernau: Volksmusik, manchmal auch Heavy Metal, dröhnt aus den Boxen. An die 100, vor allem junge Menschen sitzen in der Wirtsstube, trinken, reden und lachen. Manchmal wird im Takt der Musik auf die Tische geklopft, und zwar durchaus mal so heftig, dass dadurch die leeren Gläser am Tisch bewegt werden. Einige tanzen – gerne auch auf einem Tisch. Mitten im Geschehen ist der Wirt und Namensgeber des Lokals, Franz Josef Schnell. Sein Gasthaus ist zum Treffpunkt für Jugendliche aus dem Bregenzerwald und aus dem Großen Walsertal geworden.

Franz Josef Schnell, Betreiber des "Zum Fraaanz".
Franz Josef Schnell, Betreiber des "Zum Fraaanz".

Zwei Tage später ein weiterer Besuch der NEUE am Sonntag beim „Fraanz“, dieses Mal an einem Nachmittag. Schnell nimmt gemütlich an einem Tisch Platz, zieht seine weiße Kochjacke zurecht und zwirbelt sein Gamsbärtchen, das schon viele Jahre sein Markenzeichen ist. „Es ist so“, beginnt er zu erzählen, „die Jungen brauchen etwas zum Ausgehen. Im Bregenzerwald gibt es fast nichts für sie, und deshalb fahren viele ans Land raus. Das finde ich nicht gut. Aber jetzt sind sie bei mir, dürfen ihre Musik auflegen und haben eine ‚Gaude‘.“

„A mords Fise“

Manche der jungen Menschen haben in anderen Lokalen Betretungsverbot, doch zum Franz dürfen sie alle kommen. „Ich habe ihnen schnell klar gemacht, wer hier das Sagen hat. Sie folgen mir aufs Wort“, sagt Schnell und fügt hinzu: „Das sind alles ganz nette junge Menschen.“Dass der „Fraaanz“ zum In-Lokal für 17- bis 30-Jährige wurde, begann um Allerheiligen 2021. An die 30 Mitglieder des Hornerclubs Au kehrten an einem Wochenende, nachdem sie das Theater der Heimatbühne Schoppernau besucht hatten, beim „Fraaanz“ ein und hatten dabei „a mords Fise“. Am nächsten Wochenende kamen dann schon 60 junge Leute. Über Mundpropaganda verbreitete sich die Nachricht vom neuen Treffpunkt in Schoppernau, und zwar von Sibratsgfäll im Vorderwald, das doch gute 45 Autominuten von der Hinterwälder Gemeinde entfernt liegt, bis nach Raggal im Großen Walsertal, ebenfalls an die 45 Minuten entfernt. „Die Jungen organisieren sich, kommen mit einem kleinen Bus oder werden von den Eltern abgeholt. Keiner fährt betrunken“, sagt Schnell.

Es ist sehr gut, dass Jugendliche etwas zum Ausgehen haben, aber so, wie es jetzt ist, funktioniert es nicht.

Walter Beer, Bürgermeister Schoppernau

Polizeieinsatz

So viele junge, feierlustige Menschen an einem Ort, so laute Musik: Das erzeugt nicht nur Freude, sondern kann auch Probleme bereiten. Schnell erzählt zum Beispiel: „Am 25. Dezember waren viele Junge bei mir, und es ging ordentlich ab. Zur Sperrstunde habe ich sie hinausbugsiert, aber sie haben am Platz weitergefeiert. Es kamen dann einige Polizeiautos und Polizisten. Das war ein ordentlicher Aufruhr!“ Das war aber nicht das erste und einzige Mal, dass die Ordnungshüter einen Einsatz beim „Fraaanz“ hatten. Ob er denn schon Strafen zahlen musste? „Klaro, ich habe schon einiges hinblättern müssen“, sagt Schnell.

Beschwerdeanrufe

Der Schoppernauer Bürgermeister Walter Beer bekommt wöchentlich Beschwerdeanrufe von Anrainern, aber auch von Menschen, die entlang des Weges wohnen, der zu den Parkplätzen der jungen Gasthausbesucher führt. Sie und ihre Gäste werden durch den Lärm, den die jungen Menschen ab 24 Uhr auf der Straße verursachen, gestört. Außerdem machen sie Müll: Oft liegen vor dem Gasthaus oder auf dem Weg zerbrochene Bierflaschen.
Der Bürgermeister begrüßt es, dass die jungen Leute einen Ort zum ­Ausgehen haben, doch so, wie es jetzt sei, könne es nicht weitergehen. „Wenn um 24 Uhr 100 Jugendliche aus dem Lokal kommen und nicht gleich heimgehen, funktioniert es nicht“, sagt Beer. Er hat bereits mehrmals mit Wirt Schnell über das Problem ­geredet, doch dauerhaft ist noch keine Besserung eingetreten.

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