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Lustenau: Zwei Tage mit Leiche herumgefahren

08.03.2022 • 20:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
TaIn diesem Riedgraben wurde die Dornbirnerin am Samstagnachmittag tot aufgefunden.<span class="copyright"> Ländle TV</span>
TaIn diesem Riedgraben wurde die Dornbirnerin am Samstagnachmittag tot aufgefunden. Ländle TV

Tote Frau im Lustenauer Ried: Zwei Männer (19 u. 25) dringend tatverdächtig.

Im Fall der im Lustenauer Ried tot aufgefundenen 30-jährigen Frau sind am Sonntag und Montag zwei dringend Tatverdächtige im Alter von 19 und 25 Jahren festgenommen worden.

Der Jüngere der beiden ist nach Angaben der Polizei teilgeständig, der 25-Jährige machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Beide wurden „aufgrund massiv belastender erster Ermittlungsergebnisse“ am Dienstag in die Justizanstalt Feldkirch eingeliefert. Die Männer und die Frau hatten einander gekannt.

Michael Beyrer, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamts (LKA) berichtete.<span class="copyright">Hartinger</span>
Michael Beyrer, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamts (LKA) berichtete.Hartinger


Ermittlungen im Umfeld der Toten führten die Ermittler zu den beiden Tatverdächtigen. Die Frau habe sich in der Nacht auf Donnerstag mit den beiden Österreichern in der Wohnung des 19-Jährigen in Lustenau aufgehalten, wo sie gemeinsam Party gemacht hätten, teilte Michael Beyrer, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamtes, am späten Dienstagnachmittag bei einem Pressegespräch mit.

Massive Gewalteinwirkung

Im Zuge der Obduktion der Gerichtsmedizin Innsbruck wurden massive Gewalteinwirkungen gegen Kopf und Hals festgestellt. Die Frau sei geschlagen und gewürgt worden, teilte Beyrer mit. Der 25-Jährige werde hier massiv von seinem jüngeren Kollegen belastet, sagte der Kriminalist auf NEUE-Anfrage. Hinweise auf sexualisierte Gewalt lagen nicht vor. Die Täter waren amtsbekannt, aber lediglich wegen Bagatelldelikten. Sie dürften laut Beyrer der Drogenszene zuzurechnen sein, zu der auch die Frau nach derzeitigem Kenntnisstand Kontakte hatte. Das Motiv war vorerst völlig unklar. Die Ermittler gehen derzeit von Mord oder Totschlag aus.

Leiche 48 Stunden später abgelegt

Szenen wie aus einem schlechten Film haben sich offenbar nach der Tat abgespielt. Denn die ­Tatverdächtigen dürften zwei Tage lang mit der Leiche im Auto herumgefahren sein, um – wie Beyrer es nannte – „einen geeigneten Ablageplatz zu finden“. Die Leiche sei „ziemlich rasch nach der Tat“ aus der Wohnung geschafft worden. Aber erst in den frühen Morgenstunden des vergangenen Samstags, also etwa 48 Stunden später, wurde die Tote drei Kilometer vom Tatort entfernt in einem Entwässerungsgraben im Lustenauer Ried abgelegt. Der Platz im Nahbereich der Diskothek Sender sei in der Partyszene bekannt, so Beyrer.
Am Samstag ging dann alles sehr schnell. Schon am Nachmittag um 16 Uhr wurde die Leiche von einem Grundstücksbesitzer entdeckt. Kurz zuvor war die 30-Jährige von ihrem Vater als vermisst gemeldet worden. Einen bzw. zwei Tage später klickten die Handschellen für die beiden Tatverdächtigen.
Jörg Stadler, APA