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Collini wird Werk in Russland weiter betreiben

16.03.2022 • 19:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Collini-Werk in Russland.  <span class="copyright">Martin Prem</span>
Das Collini-Werk in Russland. Martin Prem

Weiterführung wegen Rücksichtnahme auf 120 Mitarbeiter und man müsse für Zeit nach Krieg Kontakte offenhalten.

Der Oberflächenveredler Collini hat im Jahr 2008 ein Galvanik-Werk in der russischen Millionenstadt Nizhny Novgorod (vormals Gorky) rund 400 Kilometer östlich von Moskau in Betrieb genommen. Seit etwa 15 Jahren ist das Werk mit rund 120 Mitarbeitern somit Teil der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Hohenems. Vom gegenwärtigen Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist man dadurch bei Collini folglich auch emotional stärker betroffen als andere Vorarlberger Firmen.

Günther Reis, CEO Collini. <span class="copyright">Matthias weissengruber</span>
Günther Reis, CEO Collini. Matthias weissengruber

„Die aktuelle Situation ist für uns unbegreiflich und das menschliche Leid der Menschen in den Krisengebieten macht uns sprachlos. Bei Collini arbeiten Ingenieure aus der Ukraine und Russland seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammen“, so CEO Günther Reis und COO Hubert Schaller auf Anfrage der Wirtschaftspresseagentur.com. Schaller habe selbst über viele Jahre in der Ukraine gearbeitet und sei noch zuletzt vor wenigen Wochen in Russland gewesen. „Wir wünschen uns nichts mehr als ein rasches Ende der Gewalt.“

Mitarbeiter im Collini-Werk in Russland.<span class="copyright">martin prem</span>
Mitarbeiter im Collini-Werk in Russland.martin prem

In Nizhny Novgorod hat Collini 15 Galvanisierungsanlagen zur Oberflächenbehandlung von Werkstoffen im Großvolumengeschäft in Betrieb. Der Standort ist spezialisiert auf Schichtwerkstoffkombinationen für Korrosionsschutz und dekorative Oberflächengestaltung. Dort veredelt Collini für den regionalen Markt in Russland zum überwiegenden Teil Fens­terbeschläge. Eher marginal ist die Veredelung von Lkw-Teilen für den russischen Automobilkonzern GAZ. Ursprünglich ist Collini insbesondere wegen der damals wachsenden Automobil­industrie nach Russland gegangen. Diese Erwartungen dürften aber nicht aufgegangen sein.

Regionale Lieferketten funktionieren

Aktuell sei das Werk in Russland nicht unmittelbar von den Auswirkungen des Ukraine-Krieges betroffen, so Reis und Schaller. Die regionalen Lieferketten würden funktionieren. Allerdings spüre man die Auswirkungen der Sanktionen etwa bei den Reisebeschränkungen. So habe man ein Austauschprogramm zwischen Ingenieuren aus Russland und Westeuropa absagen müssen.
Naturgemäß ist angesichts des Ukraine-Krieges auf der Collini-Führungsebene auch die Frage nach der Zukunft für das russische Werk aufgekommen. Nach dem Abwägen aller Argumente habe man sich dafür entschieden, die Produktion vor Ort weiterzuführen.

Weshalb Werk weiter betrieben wird

Dafür gebe es drei Gründe: Erstens habe Collini als Familienbetrieb auch eine Verantwortung gegenüber den 120 Mitarbeitern und deren Familien – auch und gerade in der Krise. „Der Verlust der Arbeitsplätze vor Ort wäre für jede betroffene Familie ein schwerer Schlag.“ Zweitens müsse man beachten, dass es auch eine Zeit nach der Krise gebe und es sinnvoll sei, auf zivilgesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Ebene Kontakte zwischen Westeuropa und Russland aufrechtzuerhalten. „Aus vielen gemeinsamem Projekten gibt es zwischen den Mitarbeitern der Standorte, auch zu den Kollegen in Nizhny Novgorod, über Jahre gewachsene persönliche Beziehungen.“
Und schließlich sei es drittens mit technischen und ökologischen Risiken verbunden, die Anlagen und deren Peripherie kurzfristig stillzulegen, sagen die Collini-Vorstände. Nur ein produzierender Standort garantiere einen geordneten Betrieb am Stand der Technik.

Günther Bitschnau / wpa

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