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Was der Klimarat macht

17.03.2022 • 17:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Teilnehmende des Klimarates bei einer Tagung. <span class="copyright">klimarat</span>
Teilnehmende des Klimarates bei einer Tagung. klimarat

Laura Grossmann über die Entstehung, Funktion und Arbeitsweise des Klimarates.

Laura Grossmann arbeitet im Organisationsteam des Klimarates und ist zurzeit in Vorarlberg. Sie berichtet in Schulklassen über den Klimarat der Bürgerinnen und Bürger. Darüber spricht sie auch mit der NEUE.

Wie kam es zur Schaffung des Klimarates der Bürgerinnen und Bürger?
Laura Grossmann:
Eine der Forderungen des Klimavolksbegehrens 2020 war mehr Partizipation im Klimaschutz. Da circa 400.000 Menschen das Volksbegehren unterschrieben hatten, wurde es im Nationalrat behandelt. Dort wurde im März 2021 beschlossen, den Klimarat einzuführen.

Laura Grossmann, beim Klimarat für zivilgesellschaftliche Einbindung zuständig und in dieser Funktion auf Besuch in Vorarlberg. <span class="copyright">hartinger</span>
Laura Grossmann, beim Klimarat für zivilgesellschaftliche Einbindung zuständig und in dieser Funktion auf Besuch in Vorarlberg. hartinger

Was ist der Auftrag des Klimarates?
Grossmann:
Maßnahmen zu erarbeiten, die notwendig sind, damit 2040 in Österreich die Klimaneutralität erreicht wird. Der Rat nahm im Jänner seine Arbeit auf und beendet sie im Juni. Mitte 2022 sollen die Ergebnisse der Bundesregierung übermittelt werden.

Wie viele Bürgerinnen und Bürger nehmen am Klimarat teil und wie wurden sie ausgewählt?
Grossmann:
Es sind knapp 100 Bürgerinnen und Bürger. Die Statistik Austria hat selektiert, um Österreich in klein darzustellen, und hat dazu folgende Kriterien verwendet: Geschlecht, Alter, Wohnort – dabei ging es einerseits um die Bundesländer, andererseits um städtisch und ländlich. Weitere Kennzeichen waren Bildungsabschluss, Haushaltseinkommen und Geburtsland. Jetzt haben wir einen Rat, der die Bevölkerung repräsentiert, und das ist ein wichtiges Qualitätskriterium.

Wie viele Bürgerräte kommen aus Vorarlberg?
Grossmann:
Fünf.

Laura Grossmann beim Vortrag im BG Dornbirn. <span class="copyright">Hartinger</span>
Laura Grossmann beim Vortrag im BG Dornbirn. Hartinger

Wie oft tagt der Klimarat?
Grossmann:
An sechs Wochenenden in Wien und Salzburg. Es gab bereits zwei Tagungen, vier finden noch statt.

Was sind die inhaltlichen Themen?
Grossmann: Es gibt fünf Themenblöcke: Ernährung und Landnutzung, Wohnen, Mobilität, Produktion und Konsum, Energie. Zwei Querschnittsthemen werden immer mitgedacht: soziale Gerechtigkeit und globale Verantwortung. Denn unbedachter Klimaschutz trifft sozial schwache Menschen am meisten. Das soll verhindert werden.

Was wurde bei den bisherigen Tagungen gemacht?
Grossmann:
Der Klimarat lebt davon, dass die Menschen einander vertrauen und dadurch in guten Dialog kommen. Deshalb ging es am ersten Wochenende darum, einander kennenzulernen und arbeitsfähig zu werden. Die erste Tagung war dann auch geprägt von der Wertschätzung unterschiedlicher Meinungen, vor allem auch über die Generationen hinweg. Es saßen vom 17- bis zum 78-Jährigen alle an einem Tisch. Am zweiten Wochenende startete die inhaltliche Arbeit, wobei Ernährung und Landnutzung am Programm standen. Dabei ging es auch um die zwei emotionalen Themen Fleisch und Flächennutzung.

Wie wird bei den Tagungen gearbeitet?
Grossmann:
Es gibt verschiedene Methoden: Mal sind alle Teilnehmenden in einem Raum, mal arbeiten sie in Kleingruppen. Dann gibt es auch Marktplätze, wo die einen etwas präsentieren und alle darüber diskutieren. Zudem wird die sogenannte Dynamic Facilitation angewendet. Das ist eine Moderationsmethode, die Teams oder Gruppen dabei unterstützt, Lösungen für herausfordernde Fragestellungen zu finden.

Unbedachter Klimaschutz trifft sozial schwache Menschen am meisten. Das will der Klimarat verhindern.

Laura Grossmann, Klimarat

Wer ist neben den Bürgerinnen und Bürger bei den Tagungen noch dabei?
Grossmann:
15 professionelle Moderatorinnen und Moderatoren unterstützen den Prozess und achten darauf, dass alle zu Wort kommen und die Ergebnisse gut festgehalten werden. Es gibt zudem einen wissenschaftlichen Beirat, in dem renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertreten sind. Sie haben unterschiedliche Spezialgebiete, zum Beispiel ist ein Gletscherforscher in dem Beirat, eine Umweltökonomin, aber auch eine Juristin oder eine Psychologin. Dann haben wir noch einen Steakholder-Beirat, in dem zwölf Organisationen der Zivilgesellschaft und Sozialpartner vertreten sind, zum Beispiel die Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer, der ÖGB, die Arbeiterkammer und NGOs aus dem Umwelt- und Sozialbereich. Die Bundesjugendvertretung ist ebenfalls dabei.

Sind die Ergebnisse, die der Klimarat an die Regierung übermittelt, verbindend?
Grossmann:
Nein, sie sind konsultativ. Umweltschutzministerin Leonore Gewessler hat aber zugesagt, alle Ergebnisse zu kommentieren. Wir werden auf alle Fälle versuchen, die Ergebnisse in die Breite zu tragen. Manche Dinge sind auf Landes- oder Gemeindeebene geregelt und deshalb sind wir in Kontakt mit Landeshauptleuten und Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Wir werden auch schauen, für welche NGOs oder Vereine die erarbeiteten Punkte interessant sind.

Wird der Klimarat nach Mitte 2022 seine Arbeit beenden?
Grossmann:
Ja. Vielleicht wird es aber wieder einmal einen geben, eventuell einen kleineren oder fokussierteren. Zurzeit gibt es die Tendenz zu regionalen Räten.

Laura Grossmann hielt den Vortrag für die siebten Klassen des BG Dornbirn. <span class="copyright">Hartinger</span>
Laura Grossmann hielt den Vortrag für die siebten Klassen des BG Dornbirn. Hartinger

Gibt es sonst noch etwas Wichtiges zum Klimarat?
Grossmann:
Oft wird gefragt: Was können die Bürgerinnen und Bürger beitragen, da es doch eh schon viele Maßnahmen-Vorschläge gibt. Es stimmt, es gibt viele Maßnahmen, aber die Frage ist, wie gut sie in die Lebensrealität integriert werden. Beim Klimarat holen wir die Expertise aus dem Alltag ein, sei es vom Schweinebauer, einer Studentin, einem Piloten oder von Menschen aus dem Einzelhandel.

Sie sind im Organisationsteam das Klimarates und dabei für zivilgesellschaftliche Einbindung verantwortlich. Was beinhaltet diese Funktion?
Grossmann:
Aufgabe ist, die österreichische Bevölkerung zu informieren, dass es den Klimarat gibt und wie er funktioniert. Er ist ein neues Werkzeug, da es der erste Bürgerrat auf nationaler Ebene ist.

Wird die Arbeit des Organisationsteams bezahlt?
Grossmann:
Ja. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten ebenfalls etwas, eine Aufwandsentschädigung. Das alles wird vom Klimaschutzministerium finanziert. Zudem gibt es ein unabhängiges Evaluationsteam, das den Prozess beobachtet und beurteilt. Dieses wird von einer europäischen Stiftung bezahlt.

zur person

Laura Grossmann (27) aus Wien studierte internationale Entwicklung und Beziehungen, hat einen Master in Business und Not-for-profit-Administration und eine Ausbildung zur Organisationentwicklerin absolviert. Neben dem Klimarat arbeitet sie als freiberufliche Moderatorin und Beraterin und unterstützt vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen. Schon in der Schule begann sie, sich politisch zu engagieren. Seit einigen Jahren liegt ihr Fokus in der Klimagerechtigkeitsbewegung.

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