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Stickerei überwies Hackern 36.000 Dollar

18.03.2022 • 20:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Überweisung hätte ein chinesischer Lieferant erhalten sollen. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Überweisung hätte ein chinesischer Lieferant erhalten sollen. Shutterstock

Vorarlberger Unternehmen fordert Schadenersatz von seinem Unternehmensberater.

Phishing wird die Form der Internetkriminalität genannt, der auch die klagende Unterländer Stickerei zum Opfer gefallen ist. Unbekannte Täter hackten den E-Mail-Account des chinesischen Lieferanten des Vorarlberger Unternehmens. Die Betrüger schickten der Stickerei dann eine gefälschte E-Mail mit einer leicht abgeänderten E-Mail­adresse und gaben sich darin als Lieferant aus China aus. In dem elektronisch übermittelten Schreiben wurde auf eine neue Bankverbindung aufmerksam gemacht.
Auf das neue Bankkonto, das von den Hackern eingerichtet wurde, überwies die Stickerei 36.104,14 Dollar. Der Betrug wurde erst erkannt, als der chinesische Lieferant reklamierte, seine Rechnung sei nicht bezahlt worden.

Sorgfaltswidrig?

Weil die Täter bislang unentdeckt blieben, fordert die geschädigte Stickerei nun vor Gericht 31.966,60 Euro Schadenersatz von seinem Unternehmensberater. Der beklagte Unternehmensberater hat in der Stickerei gearbeitet und dort die Überweisung vorgenommen, für die er zuständig war. In der Klage wird ihm vorgeworfen, er habe sorgfaltswidrig gehandelt, weil ihm die gefälschte E-Mail hätte auffallen müssen.

Der Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch. Hartinger

Der anhängige Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch hat am Freitag unter dem Vorsitz von Richterin Marlene Ender begonnen. Die Streitparteien konnten sich in der vorbereitenden Tagsatzung nicht auf einen Vergleich zur Beendigung des Rechtsstreits einigen. Der Klagsvertreter sagte, für eine gütliche Einigung müsste der Beklagte deutlich mehr als 50 Prozent der Klagssumme bezahlen. Aber die Haftpflichtversicherung des Unternehmensberaters ist bislang zu keiner Zahlung bereit.

Lieferant habe gewarnt

Der Anwalt der Stickerei sagte, der chinesische Lieferant habe schon vor dem Vorfall darauf aufmerksam gemacht, von Hackerangriffen betroffen gewesen zu sein. Darüber sei der Unternehmensberater informiert worden. Der beklagte Unternehmensberater bestreitet das und gab an, er sei nicht gewarnt worden. Der Klagsvertreter merkte an, er habe Beweise dafür, dass der Unternehmensberater gewarnt worden sei, die er jedoch aus prozesstaktischen Gründen noch nicht vorlegen werde.

Der Beklagte stellte eine Gegenforderung. Er verlangt von der klagenden Partei 4248 Euro als noch nicht bezahltes Honorar für geleistete Arbeitsstunden. Er habe 50 Prozent seiner Arbeitszeit für die klagende Partei verwendet. Mittlerweile bestehe aber kein Vertragsverhältnis mehr.

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