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Mordfall: Verdächtiger kam freiwillig zur Polizei

23.03.2022 • 22:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
LKA-Ermittler riefen den Hauotbeschuldigten an und bestellten ihn zur Polizeiinspektion Bludenz.  A<span class="copyright">PA</span>
LKA-Ermittler riefen den Hauotbeschuldigten an und bestellten ihn zur Polizeiinspektion Bludenz. APA

Hauptverdächtiger (25) zunächst nur als Zeuge befragt. Seit er Beschuldigter ist, schweigt er. Gestern wurde die U-Haft verlängert.


Die Ermittler brauchten nicht lange, um jene zwei Männer auszuforschen, die Janine G. mutmaßlich als letzte gesehen hatten. Wie berichtet, führten Ermittlungen im Umfeld der Toten sowie die Aufzeichnungen einer Überwachungskamera in einer Lustenauer Tankstelle zu einem 19-jährigen Lustenauer und einem 25-jährigen Mann unsteten Aufenthalts.

Den jüngeren der beiden Tatverdächtigen traf die Exekutive laut NEUE-Informationen am Montag, den 7. März, bei seinen Eltern an. Zuvor hatte die Polizei in der Wohnung des 19-Jährigen eine gerichtlich bewilligte Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Tatverdächtige selbst war nicht anwesend, da ihn die Exekutive offenbar nicht erreichen konnte. Nachdem die Polizisten den jungen Mann dann doch noch aufgestöbert hatten, begleitete er diese freiwillig zur Einvernahme ins Landeskriminalamt. Zunächst wurde er dort lediglich als Zeuge befragt. Da seine Erstangaben im Zuge des Vorgesprächs „unglaubwürdig und nicht mit den bisherigen Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen waren“, wurde er jedoch zum Beschuldigten.

Mordfall: Verdächtiger kam freiwillig zur Polizei
Die Tatverdächtigen, aufgenommen von einer Überwachungskamera in einer Lustenauer Tankstelle.

Wie berichtet, gab der 19-Jährige in seiner Vernehmung an, am unmittelbaren Tatgeschehen nicht beteiligt gewesen zu sein. Allerdings räumte er ein, beim Abtransport der Leiche geholfen zu haben. Seinen 25-jährigen Kollegen belastete er hingegen massiv. Er soll Janine G. gewürgt haben, bis sie sich nicht mehr rührte. Die Polizei habe er aus Angst und Schock nicht verständigt, heißt es sinngemäß im Vernehmungsprotokoll.

Angerufen und zum Posten bestellt

Der 25-Jährige war bereits einen Tag zuvor, also am Sonntag, den 6. März, erstmals von den Ermittlern befragt worden. Entgegen eines anderslautetenden Zeitungsberichts wurde der Mann jedoch nicht in der Wohnung seiner Schwester in Bludenz verhaftet, sondern kam nach einem Anruf der Kriminalbeamten freiwillig zur Polizeiinspektion Bludenz. Das geht aus den Vernehmungsprotokollen hervor, welche die NEUE einsehen konnte. In weiterer Folge wurde der Mann dann – wiederum freiwillig – ins Landeskriminalamt Bregenz gebracht. Auch er wurde zunächst nur als Zeuge befragt. Noch auf der Fahrt von Bludenz nach Bregenz gab der 25-Jährige an, „heute Morgen von zwei seiner Freunde über den Tod seiner Bekannten“ informiert worden zu sein.

Haftrichter ordnete die Fortdauer der U-Haft an. <span class="copyright">Hofmeister</span>
Haftrichter ordnete die Fortdauer der U-Haft an. Hofmeister

Erste Vernehmung

In seiner ersten Vernehmung als Zeuge, die von 15 bis kurz vor 20 Uhr dauerte, wurde er unter anderem über seine Beziehung zum Opfer und den Verlauf des Abends befragt. Wie berichtet, erzählte der 25-Jährige den Ermittlern, dass Janine G. irgendwann gegangen sei. Er selbst sei mit dem 19-Jährigen in dessen Wohnung geblieben. Weiters gab er auf Vorhalt zu, Schulden bei Janine G. gehabt zu haben. Ebenfalls räumte er ein, Chatverläufe auf seinem Handy gelöscht zu haben.

Als Beschuldigter keine Angaben gemacht

Kurz vor 23 Uhr wurde die Vernehmung fortgesetzt, allerdings erklärten die Ermittler dem 25-Jährigen, dass er von nun an als Beschuldigter befragt werde und der Haftrichter die von der Staatsanwaltschaft angeregte Festnahme mündlich bewilligt habe. Der 25-Jährige kündigte daraufhin an, am nächsten Morgen einen Rechtsanwalt verständigen zu wollen. Martin Ulmer, der an diesem Tag rechtsanwaltlichen Journaldienst hatte, traf gegen 10.35 Uhr im LKA ein. Nach einer Besprechung mit dem Beschuldigten, die rund 40 Minuten dauerte, teilte Ulmer den Ermittlern mit, dass keine weiteren Angaben gemacht werden. Ob der 25-Jährige nach wie vor schweigt, ist nicht bekannt. Sein nunmehriger Verfahrenshelfer, der Feldkircher Rechtsanwalt German Bertsch, wollte dazu auf NEUE-Anfrage keine Angaben machen.

Fortdauer der U-Haft angeordnet

Am gestrigen Mittwoch wurden die Tatverdächtigen zum zweiten Mal dem Haft- und Rechtschutzrichter vorgeführt. Wie erwartet hat dieser in beiden Fällen die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch, Heinz Rusch, bestätigte dies auf Anfrage.

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