Lokal

Wie Lehrkräfte Krieg und Krisen thematisieren

18.04.2022 • 22:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Friedenssäule stand lange Zeit vor der Schule und galt als Symbol für Frieden, Hoffnung und Vergebung. 2017 musste sie dem Schulumbau weichen und lag seitdem im Keller. Der Friedens-Schweige-Weg bot eine passende Gelegenheit, um die Säule wieder zu errichten. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Friedenssäule stand lange Zeit vor der Schule und galt als Symbol für Frieden, Hoffnung und Vergebung. 2017 musste sie dem Schulumbau weichen und lag seitdem im Keller. Der Friedens-Schweige-Weg bot eine passende Gelegenheit, um die Säule wieder zu errichten. Hartinger

Krisen gehen auch an Vorarlberger Schulen nicht spurlos vorbei.

Schon in der Volksschule finden schwierige Themen wie die Klimakrise oder der Krieg zwischen Russland und der Ukraine einen Platz. Die Direktorin der Volksschule Egg, Carmen Willi, sieht es klar als einen Teil des Bildungsauftrages, ihren Schülern Raum für Fragen zu bieten und aktuelle Themen, sowohl freudvolle als auch leidvolle, zu besprechen. „Dafür können die Kinder auch nicht zu jung sein“, so die Direktorin.

An der Volksschule Egg wird dazu viel mit Symbolik, Ritualen und Sinneseindrücken gearbeitet, um den Kindern die schwierigen Themen der Weltpolitik näherzubringen. Besonders wichtig sei dabei, so Willi, die Erziehung zu unterstützen und sensibel mit den Fragen und Gefühlen der Volksschulkinder umzugehen.

Schüler auf dem Friedensweg. <span class="copyright">Hartinger</span>
Schüler auf dem Friedensweg. Hartinger

Friedens-Schweige-Weg

Auch das Gymnasium in Egg setzt auf die Kraft der Symbolik. Die Religionslehrer Hanspeter Sutterlüty und Benedikt Lang organisierten mit Blick auf den aktuellen Krieg in der Ukraine einen Friedensweg sowohl für die Schüler als auch die Lehrpersonen. Dabei sollte in einem kurzen, schweigenden Spaziergang über die Bedeutung des Friedens reflektiert und durch das Schweigen zu sich selbst und zum inneren Frieden gelangt werden. Zu diesem Anlass wurde die verschollene Friedenssäule der Schule wieder an ihrem ursprünglichen Platz errichtet. Die Säule stand lange Zeit vor der Schule und galt als Symbol für Frieden, Hoffnung und Vergebung. 2017 musste sie dem Schulumbau weichen und lag seitdem im Keller. Der Friedens-Schweige-Weg bot eine passende Gelegenheit, um die Säule wieder zu errichten.

Doch nicht nur die aktuellen Kriegsgeschehnisse stellen die Schule vor eine Herausforderung, sondern auch die Coronakrise und deren Aus- und Nachwirkungen. Für manche Schüler sei es leichter gewesen, sich an den Onlineunterricht zu gewöhnen als für andere, berichtet Sutterlüty. Viele hätten zu Hause nicht die passende Infrastruktur für das Homeschooling, was sich auch an den Noten abzeichnete. Mehr Angebote zur psychologischen Unterstützung der Schüler seien von Nöten, da sowohl der Redebedarf als auch die Ängste und Unsicherheiten der Schüler in den letzten zwei Jahren spürbar angestiegen seien.

Religionslehrer am BORG Egg, Hanspeter Sutterlüty. <span class="copyright">hartinger</span>
Religionslehrer am BORG Egg, Hanspeter Sutterlüty. hartinger

Druck für die Lehrpersonen

„Über den Lehrpersonen von Schularbeitenfächern hängt stets das Damoklesschwert, da man seinen Lehrplan einhalten muss“, berichtet Sutterlüty. Die Lehrpersonen stünden somit oftmals im Zwiespalt und können aufgrund des Zeitdrucks nicht immer auf die einzelnen Schüler eingehen. „Es gilt besonders darauf zu achten, dass kein Schüler auf der Strecke bleibt“, so Sutterlüty.

Für Gerhard Mathis, Geschichtslehrer am Borg Lauterach, ist es wichtig, im Unterricht Platz für Diskussionen und Fragen zu lassen, um den Schülern Orientierung und Informationen zu geben. Durch einen Gegenwartsbezug im Unterricht lernen die Schüler, Fragen zu stellen und sich so aktiv mit den Themen auseinanderzusetzen.

Doch nicht nur im Geschichtsunterricht nehmen die Lehrer sich Zeit, sondern auch in anderen Fächern wird der Krieg thematisiert. Projekte dazu haben an der Schule noch nicht stattgefunden, doch die Bereitschaft der Schüler, ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen ist da, auch weil seit einer Woche eine ukrainische Schülerin an der Schule unterrichtet wird.

Corona und Digitalisierung

Die Coronakrise hatte aber nicht nur negative Auswirkungen auf die Schulen. Für die Schüler des Borg Lauterach besteht nun ein größeres Angebot an Förderstunden als zuvor. Außerdem gibt es für die Schüler seit kurzem die Möglichkeit, sich einer Schulsozialarbeiterin anzuvertrauen.

Auch die Digitalisierung wurde durch die Pandemie stark beschleunigt, sodass die Schüler schulinterne Informationen schneller erhalten und teilen können. Generell sei für die Schüler aber die Freude darüber, wieder in die Schule gehen zu können, gewachsen, da die Schule auch als Auszeit vor Nachrichten oder anderen Medieneinflüssen dient.

Alexandra Loser. <span class="copyright">ÖGB Vorarlberg</span>
Alexandra Loser. ÖGB Vorarlberg

„Kindern Raum für Fragen geben“

„Man muss als Lehrperson vor allem ehrlich zu den Kindern sein und ihnen genug Raum für Fragen geben“, hebt Alexandra Loser in Bezug auf die aktuelle weltpolitische Lage und deren Einflüsse auf die Schulkinder hervor. Für Loser ist die Frage danach, ob die Themen der Politik auch in Pflichtschulen eine Rolle spielen, klar mit Ja zu beantworten. Dabei werden die Lehrpersonen vor allem vor die Herausforderung gestellt, den Spagat zu schaffen zwischen dem, was für die Kinder gut zuträglich ist und was nicht. Die Beziehungen zwischen den Kindern und Lehrern würden eine besonders wichtige Rolle spielen. Diese seien aber durch die Coronapandemie leider etwas verschüttet worden. Diese gelte es nun wieder zu vertiefen, so Loser.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.