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Eine Allianz verträgt keine Alleingänge

24.04.2022 • 15:06 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Eine Allianz verträgt keine Alleingänge
Im Vorarlberger Eishockey steht aktuell viel auf dem Prüfstand. GEPA

Gedanken über das heimische Eishockey nach Dornbirns ICE-Ausstieg.

Nach dem Rückzug der Bulldogs aus der ICE-Liga und der damit gescheiterten Nennung von Dornbirn und Feldkirch als Team Vorarlberg steht das heimische Eishockey vor wichtigen Weichenstellungen. Wie geht es mit Dornbirn weiter? In welcher Liga spielt die VEU? Und was wird aus dem zuletzt angedachten Kräftebündeln? Vom Eis ist eine Vorarlberger Eishockey-Allianz noch lange nicht.
Doch als in den vergangenen Tagen die Gespräche zwischen Dornbirn und Feldkirch liefen, war es, wie es so oft ist im Leben: Man sprach zwar vom selben, meinte aber nicht das gleiche. Während die VEU-Macher Michael Lampert und Christian Groß auf Dornbirns Ligaplatz fixiert waren, um die VEU endlich in die ICE Hockey League zu bringen, wollte DEC-Manager Alexander Kutzer einen Dachverein gründen, der den Profispielbetrieb organisiert und langfristige Verbesserungen bringt.

Keine gemeinsame Nennung
Eine Vorarlberger Eishockey-Allianz, das sollte klar sein, kann es nur geben, wenn alle vier Vorarlberger Profiklubs involviert sind. Gespräche darüber gab es zuletzt zwar immer wieder, aber so richtig Fahrt aufgenommen hat die Sache erst vergangene Woche, als die Feldkircher durch eine Indiskretion erfuhren, dass die Dornbirner vor dem Ausstieg aus der ICE Hockey League standen. Es folgte mit Ablauf der Nennfrist eine Nennung als Team Vorarlberg. Wobei das genau genommen keine gemeinsame Nennung von Dornbirn und Feldkirch war. Denn die Nennung wurde nur von Lampert und Groß unterzeichnet, die Unterschrift von Kutzer fehlte.

In Feldkirch glauben sie dem Vernehmen nach noch immer an eine Bewerbung als Team Vorarlberg. Auch ohne die Unterstützung von Dornbirn, Lustenau und den Bregenzerwäldern. Was man so auslegen könnte, als dass einfach ein anderes Etikett her soll, um mit einer neuen Marke das Image zu ändern. Oder anders ausgedrückt: Nennt man sich Team Vorarlberg, steht man plötzlich ganz offiziell für das gesamte Bundesland, ob mit oder ohne Kooperationspartner. Wobei, und das sei auch mal erwähnt: Der Begriff „Team Vorarl­berg“ ist für den Radsport reserviert. Da muss so oder so ein anderer Name her.

Zu kurzer Zeithorizont
Das grundlegende Problem an all diesen Gedankenspielen ist jedenfalls der selbst auferlegte Zeitdruck. Der Zeithorizont reicht immer nur bis zur nächsten Abstimmung über eine Aufnahme in die ICE-Liga. Und jetzt, da diese Abstimmung eben immer näher rückt, „pressiert“ die Angelegenheit plötzlich wieder, und wie schon in den Jahren zuvor manövriert sich die VEU in eine völlig unnötige Hauruck-Aktion. 2018 sollte es eine Spielgemeinschaft mit Lustenau sein, der sich am Ende auch die Dornbirner angeschlossen hätten. Doch dann kam ein vermeintlicher deutscher Großinves­tor, und man ließ die Mitstreiter aus dem Unterland mit weit ausgearbeiteten Plänen sitzen, die von der Landespolitik bereits abgesegnet waren; samt angedachtem Hallen-Neubau. Das hat man weder in Lustenau noch in Dornbirn vergessen.

Schwindler versprach das große Geld
Im Jänner 2019 nannte die VEU für die EBEL, schließlich versprach der Investor auf sieben Jahre hinaus insgesamt 50 Millionen Euro. Mit etwas mehr Geduld hätte man sich einen peinlichen Bauchfleck erspart. Denn die Millionen kamen nie, inzwischen ist der Deutsche wegen Betrugs angeklagt. Und so musste man die Bewerbung wieder zurückziehen. Danach streckte man wieder die Hand nach Lustenau aus – freilich erfolgslos. 2020, nach dem Ausbruch der Pandemie, plauderten die Feldkircher die eigentlich nur losen Gedankenspiele aus, dass einige westösterreichische Klubs mit einigen bayerischen Klubs eine neue Alpenliga gründen könnten. Als diese Überlegungen dadurch publik wurden, löste das massive Spannungen zwischen dem Deutschen Eishockey-Bund und dem Österreichischen Eishockeyverband aus. Der deutsche Verbandspräsident Franz Reindl höchstpersönlich forderte damals hinter den Kulissen, dass diese Spekulationen sofort einzustellen wären: Man werde weder zulassen, dass die Oberliga Süd zerstört werde, noch würde man einen ausländischen Verein aufnehmen. Was ein ranghoher deutscher Funktionär im Gespräch mit der NEUE über die VEU sagte, war nicht druckreif.

Eine Allianz verträgt keine Alleingänge
Die beiden VEU-Geschäftsführer Michael Lampert und Christian Groß haben sich in den vergangenen Jahren wenig Freunde im Vorarlberger und dem österreichischen Eishockey gemacht. Klaus Hartinger

Viele Nebengeräusche
2021 setzten die Feldkircher nach der verpassten ICE-Aufnahme Eishockey-Österreich in Aufruhr, sie gaben Interviews, die sie besser nicht gegeben hätten, sie wollten die demokratische Abstimmung der ICE-Vereine anfechten, schalteten einen Anwalt und den ÖEHV ein. Und als alles nichts half, erwarteten sie im Frühjahr 2021 eine fixe Zusage für die Saison 2022/23. Weil ansonsten der Sponsor abspringen würde, der, wie sich später herausstellte, mit Bemer der Präsident Pit Gleim höchstselbst war. Die Liga-Zusage blieb natürlich aus.
Und nun macht man mit einem Team Vorarlberg Schlagzeilen, will wieder mit dem Kopf durch die Wand, statt die eigenen Ambitionen in positive Kanäle zu leiten. Es ist ja aller Ehren wert, dass die Feldkircher dafür brennen, auf dem höchstmöglichen Niveau zu spielen, und in die ICE Hockey League einsteigen wollen. Von solchem Pioniergeist lebt der Sport! Aber mit etwas mehr Diplomatie und etwas weniger Ellenbogenmentalität würden die beiden VEU-Macher Lampert und Groß viel weiter kommen: Bei der Suche nach Verbündeten – und der Suche nach den dringend benötigten Stimmen für die Aufnahme in die ICE-Liga.
In Feldkirch wird man diese Zeilen nicht gerne lesen, weil man es gewohnt ist, es sich im medial oft beschaulichen Vorarl­berg schon richten zu können. Und weil die eigene Wahrnehmung naturgemäß eine andere ist. Aber das VEU-Außenbild ist nun mal wenig vorteilhaft.

Erhobenen Hauptes
Die Bulldogs gehen erhobenen Hauptes aus der ICE-Liga. Sie sind nicht verschuldet, sondern machen den Schritt zurück in die Alps Hockey League, weil die kommende Saison für sie einfach nicht seriös planbar war. Die ganz großen Erfolge konnten die Bulldogs während ihrer zehnjährigen Erstklassigkeit nicht feiern, man muss aber auch sagen, dass die Rahmenbedingungen andere sind als vor 30 oder 40 Jahren. In Dornbirn werden sie ihre Zeit in der ICE sicherlich aufarbeiten und dann im Herbst in einer Spielgemeinschaft mit dem EC Bregenzerwald neuen Schwung aufnehmen. Dass die italienischen Teams aus der Alps Hockey League aussteigen wollen, ist wohl doch nur ein Gerücht.
Wie die Planspiele einer Vorarlberger Eishockey-Allianz weitergehen, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieses eigentlich so löbliche Projekt in den kommenden Wochen nicht durch einen Schnellschuss verbrannt wird. Nach den Ereignissen der vergangenen Tage ist das Projekt schon ramponiert genug.

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