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Eine neue Perspektive für den Wald

26.04.2022 • 21:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine neue Perspektive für den Wald

Waldstrategie 2030+ präsentiert: Land bekennt sich weiterhin zu naturnaher Waldbewirtschaftung.

Die Ökosysteme des Waldes spielen sowohl für den Erhalt der Artenvielfalt als auch zur Bindung von Kohlendioxid aus der Luft eine herausragende Rolle.

Gleichzeitig geraten die Wälder aufgrund des Klimawandels zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund, aber auch im Hinblick auf gesellschaftliche und waldwirtschaftliche Herausforderungen hat das Land Vorarlberg die Forststrategie 2018 auf den neuesten Stand gebracht. Das Papier nennt sich „Waldstrategie 2030+“ und ist bereits im November 2021 einstimmig vom Landtag beschlossen worden. Am gestrigen Dienstag wurden die Inhalte nun der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Das knapp 100-seitige Dokument soll einerseits eine klare Handlungsanleitung für die politisch Verantwortlichen und die Verwaltung, insbesondere den Landesforstdienst sein, andererseits als Richtschnur für die rund 18.000 Waldeigentümer dienen. Vorarlberg bekenne sich weiter zu einer naturnahen Waldbewirtschaftung, sagte Landeshauptmann Markus Wallner und der ressortzuständige Landesrat Christian Gantner (beide ÖVP) im Pressefoyer nach der Regierungssitzung.

Andreas Amann, Landesforstdirektor. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Andreas Amann, Landesforstdirektor. Stiplovsek

Verjüngung und Bewirtschaftung

Was die strategischen Ziele betrifft, wurde das Rad natürlich nicht neu erfunden. Die Ziele rund um die Themen Klimaschutz, Wirtschaftsleistung, Schutzwirkung, biologische Vielfalt und Erholung finden sich bereits in der 2009 beschlossenen Forststrategie. In der Waldstrategie wurden die Ziele nun in mehrere Handlungsfelder gegliedert und mit konkreten Maßnahmen untermauert. Entscheidender Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen sei die „funktionierende Naturverjüngung aller vorhandenen Baumarten, was auch von den Wildtierbeständen abhängt“, sagt Landesforstdirektor Andreas Amann. Der Abteilungsleiter spricht sich auch für eine verstärkte Durchforstung aus, damit die jungen Bäume ausreichend Licht bekommen und besser wachsen können. „Zudem werden Bäume vitaler und stabiler, wenn sie mehr Platz haben“, so Amann.

Zahlen

98.000 Hektar beträgt die Waldfläche in Vorarlberg. Das sind 37 Prozent der Landesfläche. Der Waldbestand ist in den letzten 50 Jahren um 11.000 Hektar angewachsen.

70 Prozent des natürlich nachwachsenden Holzes in den heimischen Wäldern werden jährlich als Baustoff und Energieträger genutzt. Zu wenig, sagt der Landesforstdirektor.

Holzreserven

Vorarlberg verfügt über beeindruckende Holzreserven. Es wächst mehr nach als genützt wird. Wie aus der Waldstrategie hervorgeht, liegt der durchschnittliche jährliche Holzeinschlag über einen längeren Beobachtungszeitraum bei etwa 350.000 Festmetern, während der jährliche Zuwachs im Ertragswald rund 490.000 Festmeter beträgt. Den Waldeigentümern sollen nun gezielte Förderanreize für die Waldpflege und -bewirtschaftung im Interesse der Öffentlichkeit geboten werden.
Um dem Klimawandel im wahrsten Sinne des Wortes gewachsen zu sein, setzt das Land auf die Artenvielfalt. Denn Vielfalt minimiere das Risiko großflächiger Verluste bei Schadereignissen und erhöhe generell die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit der Wälder. „Die Zukunft ist der Mischwald“, weiß Amann. Dabei müsse man verstärkt auf jene Baumarten setzen, die – anders als Fichten und Tannen – mit Trockenheit umgehen können. Der Experte nennt hier unter anderem die Douglasie. Bei den Laubbäumen könnte die Edelkastanie eine wichtige Rolle im Wald einnehmen. Dank ihrer mediterranen Herkunft kommt sie gut mit warmen Temperaturen zurecht und kann zudem auf trockenen Standorten wachsen, auch die Roteiche und die Schwarznuss seien geeignet.

Aufgrund des Klimawandels brauchen wir Baumarten, die mit der zunehmenden Trockenheit umgehen können.

Andreas Amann, Landesforstdirektor

EU-Strategie sorgt für Kritik

Wenig Freude hat Amann mit der im Juli 2021 von der EU präsentierten Waldstrategie 2030. „Wir brauchen lokal angepasste Lösungen für die Probleme des Waldes und nicht einen pauschalen Plan für ganz Europa, den eine kleine Clique ohne Einbindung der Länder entworfen hat“, kritisiert er. Mit der Vorarlberger Waldstrategie sei hingegen „ein guter Mittelweg“ gelungen.
Die EU-Waldstrategie ist in vielen Mitgliedstaaten sowohl auf forstpolitischer Ebene als auch unter Waldbesitzern umstritten. Abgelehnt wird vor allen Dingen die forstpolitische Zentralisierung und die Fokussierung auf Klimaschutz und Biodiversität. Gerade von waldreichen Ländern wie Österreich wird befürchtet, dass die Bewirtschaftung der Wälder eingeschränkt werden könnte.

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