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Wieder einmal Wirbel um Windkraft

09.05.2022 • 18:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Pfänder steht ein Sender, möglicherweise aber auch bald mehr. <span class="copyright">(c) Hartinger</span>
Am Pfänder steht ein Sender, möglicherweise aber auch bald mehr. (c) Hartinger

Sollen Windkraftanlagen in Vorarlberg errichtet werden?

Die Debatte um die Errichtung von Windkraftanlagen in Vorarlberg hat trotz der mehr als zurückhaltenden Position des Landeshauptmannes in der Frage wieder Fahrt aufgenommen. Markus Wallner hatte bekanntlich erklärt, derartige Vorhaben nicht aktiv unterstützen zu wollen.

Sein Koalitionspartner nimmt nun aber einen deutlich proaktiveren Ansatz ein: „Unabhängig sein von fossiler Energie heißt auch, dass wir hier in Vorarlberg wieder über Windkraft sprechen müssen“, erklärte Christoph Metzler, Landtagsabgeordneter der Grünen und deren Energiesprecher am Montag. Die FPÖ hat einen Antrag zur Prüfung des Potenzials im Landtag eingebracht.

Windenergie als Potenzial

Man habe 2014 zuletzt im Landtag über Windkraft diskutiert, so Metzler, „damals vor allem über den Standort Pfänder. Windenergie wurde zerredet und zumindest für Vorarlberg kleingemacht, das muss – angesichts des Potentials von Windkraft für die Energieautonomie – ein Ende haben“, so der Landtagsabgeordnete. Wie der ORF Vorarlberg berichtet, ist Franz Rüf, der bereits vor einigen Jahren einen Windpark am Pfänder errichten wollte, nun an einem neuen Projekt dort interessiert.

Christoph Metzler<span class="copyright">Grüne</span>
Christoph MetzlerGrüne

Die Vielfältigkeit an Energiegewinnung sei dringend notwendig, um die Stromversorgung auf eine breite Basis aufzustellen, so Metzler. „Denn was passiert, wenn wir alles auf ein Pferd setzen, sehen wir leider in der aktuellen Diskussion rund um die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas“, so Metzler.

Die Freiheitlichen stellen in einem Antrag, der am Montag im Landtag eingebracht wurde, fest, dass die Windkraft in der aktuellen Strategie des Landes zur Energieautonomie nur „eine äußerst untergeordnete Rolle“ spiele. Die FPÖ will das Potenzial daher erheben lassen.

„Drei Windräder am Pfänder hätten das Potential die Haushalte des gesamten Leiblachtals mit erneuerbarem Strom zu versorgen“

Christoph Metzler, Landtagsabgeordneter (Grüne)

Aus ihrer Sicht werde es zur Erreichung der Energieautonomie aber notwendig sein, „alle erneuerbaren Energieträger ihrem Potential entsprechend zu nutzen – dazu zählt auch die Windenergie.“ Die antragstellenden Abgeordneten Danel Allgäuer und Andrea Kerbleder halten es daher für notwendig, „abseits des genannten Windkraftfeldes am Pfänder das aktuelle Potential für allfällige Windkraftanlagen in Vorarlberg neu zu erheben.“

Kein Argument

Ähnlich sieht das auf NEUE-Anfrage auch Neos-Energiesprecher Garry Thür. Man müsse die Möglichkeiten für Windkraftanlagen erst eingehend Prüfen, so der Abgeordnete. Das Argument, Windräder seien von der Bevölkerung nicht akzeptiert, will Metzler indes „in der größten Energiekrise seit den 1970ern“ nicht mehr gelten lassen. „Im grenznahen Raum im Allgäu, also in ähnlicher landschaftlicher und räumlicher Situation, gibt es bereits mehrere Windräder. Diese sind sozial akzeptiert und liefern kostbare erneuerbare Energie an die Bevölkerung“, führt Metzler aus.

Der am besten untersuchte Standort für Windkraft in Vorarlberg sei der Pfänder, er sei aufgrund der Verbrauchernähe auch mit vernünftigem Aufwand umzusetzen, so der Grüne. Der ursprüngliche Plan sei es gewesen, die Windräder zurückversetzt, im Gelände gut integriert, zu errichten. „Wobei das Argument der störenden Elemente in der Landschaft interessanterweise selten für Stromleitungen oder Autobahnen verwendet wird“, erklärt Metzler in Richtung ÖVP.

Warten auf die ÖVP

Nachdem Windkraftanlagen unter anderem nach umwelt-, bau- und elektrizitätsrechtlichen Aspekten von Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Landesregierung genehmigt werden müssen und der Landeshauptmann per Bescheid die Eigenschaft als Ökostromquelle zusprechen muss, wird eine Umsetzung gegen den Widerstand der Volkspartei schwierig werden.

„Drei Windräder am Pfänder hätten das Potential die Haushalte des gesamten Leiblachtals mit erneuerbarem Strom zu versorgen“ gibt sich Metzler dennoch zuversichtlich. „Alleine ein Standort für Windkraft in Vorarlberg – der aus Sicht von Natur-, Arten- und Landschaftsschutz möglich ist – würde uns der Energieautonomie in Siebenmeilenstiefeln näherbringen“, so der Politiker.