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Feldkirch probt den Ernstfall

09.06.2022 • 11:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hochwasserübung im Jahr 2019. <span class="copyright">NEUE</span>
Hochwasserübung im Jahr 2019. NEUE

Große Hochwasserübung steht an – Verfahren um millionenschweres Schutzprojekt geht in eine neue Etappe.

Nicht wegen der aktuell starken Regenfälle, sondern afgrund von behördlichen Auflagen findet am kommenden Montagabend eine große Hochwasserschutzübung entlang der Ill-Stadtstrecke statt.

Laut Bezirkshauptmannschaft ist diese Übung in regelmäßigen Abständen von drei jahren durchzuführen. Die Stadt Feldkirch kündigt in einer Aussendung Verkehrsbehinderungen und Straßensperren zwischen 18.30 und 23 Uhr an.

  • Die L191a wird im Übungsbereich von 18.45 Uhr bis 22.30 Uhr gesperrt. Der Individualverkehr wird örtlich umgeleitet. Eine entsprechende Beschilderung wird frühzeitig eingerichtet.
  • Die Stadt- und Landbusse sowie die Busse der LIEmobil-Linien werden ebenfalls örtlich umgeleitet. Die Haltestelle „Landesgericht“ wird während der Übung nicht angefahren.
Hochwasserübung auf der Montfortbrücke. <span class="copyright">NEUE</span>
Hochwasserübung auf der Montfortbrücke. NEUE

Gefährdete Innenstadt

Die Innenstadt von Feldkirch war aufgrund ihrer Lage immer wwieder von Hochwasserereignissen betroffen Das vermutlich größte geschichtlich belegte Hochwasser ereignete sich 1910. Die Bewohner der Stadt wurden damals über Nacht in ihren Häusern eingeschlossen, 500 Menschen mussten evakuiert werden. Die Vorstadt stand bis zu vier Meter unter Wasser, die Marktgasse bis zu zwei. Beim Hochwasser 2005 schrammte Feldkirch nur knapp an einer Katastrophe vorbei. Letztlich fehlten nur wenige Zentimeter, und die Wassermassen hätten die Altstadt geflutet.

Millionschäden bei hunderjährlichem Hochwasser

Würde Feldkirch dieser Tage von einem Hochwasser ereilt, wie es statistisch gesehen nur einmal in hundert Jahren vorkommt, stünden laut Gefahrenzonenplan zwei Drittel der Innenstadt bis zu drei Meter unter Wasser. 140 Wohn- und 170 Gewerbeobjekte wären betroffen. Experten errechneten einen Sachschaden in der Höhe von 73 Millionen Euro.

Hochwasserprojekt Feldkirch. <span class="copyright">NEUE</span>
Hochwasserprojekt Feldkirch. NEUE

Aufweitung der Kapfschlucht

Einzelne, kleinere Vorkehrungen wurden in den vergangenen Jahren zwar getroffen, allerdings reichen diese bei weitem nicht aus, um Feldkirch vor einem hundertjährlichen Hochwasser zu schützen. Deshalb soll in den nächsten Jahren zum einen die Kapfschlucht aufgeeitet werden, zum anderen die Heilig-Kreuz-Brücke und die Montfortbrücke abgerissen und neu errichtet werden. Geplant und koordiniert wird das Großprojekt vom Wasserverband Ill-Walgau, dem neben zwölf Gemeinden das Land, die Asfinag, die ÖBB und vier Kraftwerksbetreiber angehören.

Wolfgang Errath, Geschäftsführer Wasserverband Ill-Walgau. <span class="copyright">pRIVAT</span>
Wolfgang Errath, Geschäftsführer Wasserverband Ill-Walgau. pRIVAT

Abbrucharbeiten ausgeschrieben

Die Abbrucharbeiten wurden im Mai ausgeschrieben. In der Kapfschlucht sollen rund 15.000 Kubikmeter Fels abgetragen werden. Das Baulos umfasst auch den Abbruch der 1894 errichteten und 1914 adaptierte Heiligkreuzbrücke. Die zweite Verfahrensstufe, sprich die Auswahl der Bewerber samt Hearings, beginnt, sobald Bund und Land die Finanzierung abgesegnet haben. Wolfgang Errath, Geschäftsführer des Wasservebands Ill-Walgau, teilte Mitte Mai gegenüber der NEUE, dass die “hoffentlichen positiven” Zusagen des Bundes und Landes Anfang Juni vorliegen. Auf NEUE-Anfrage leiß Errath am Donnerstag wissen, dass beim Land gerade eine Aussendung in Vorbereitung sei.

Die alte Heilig-Kreuz-Brücke wird abgebrochen, ebenso die dahinterliegende Montfortbrücke. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die alte Heilig-Kreuz-Brücke wird abgebrochen, ebenso die dahinterliegende Montfortbrücke. Hartinger

24 Millionen Euro

Die Kosten des gesamten Projekts sind mit 24 Millionen Euro veranschlagt. Bund und Land Vorarl­berg übernehmen jeweils 40 Prozent. Den Rest tragen die Mitglieder des Wasserverbands Ill-Walgau. Die Stadt ­Feldkirch wird laut Kostenschlüssel rund 1,3 Millionen Euro zum Projekt beitragen. ­Darüber hinaus werden für dei Kommune unter anderem noch Kosten für Straßenanschlüsse anfallen.

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