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Weil Blut alternativlos ist

11.06.2022 • 16:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Blutspendedienst-Zuständigen Prim. Dr. Peter Fraunberger (ärztlicher Leiter) und Michael Hamel (Organisation).<span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Die Blutspendedienst-Zuständigen Prim. Dr. Peter Fraunberger (ärztlicher Leiter) und Michael Hamel (Organisation).Oliver Lerch

Alles, was Sie zur Blutspende wissen müssen.

Waren Sie heuer schon Blutspenden? Oder überhaupt schon einmal? Warum? Weil eine Blutkonserve einem anderen Menschen das Leben rettet. Blut ist ein lebenswichtiges Notfallmedikament, das nach wie vor nicht künstlich hergestellt werden kann. Durchschnittlich wird in Österreich alle 90 Sekunden eine Blutkonserve benötigt. Das sind fast 1000 Blutkonserven am Tag.

Es braucht immer wieder vor allem „neue junge Spender“. Denn die Spender werden älter und fallen dann wegen Medikamenten und Krankheiten als Blutspender aus.
Grundsätzlich fällt der Blutspendedienst mit Sitz im LKH Feldkirch in den Zuständigkeitsbereich des Roten Kreuzes. Über alles Wissenswertes rund um das Procedere informieren im Folgenden der ärztliche Leiter Prim. Dr. Peter Fraunberger und Organisator Michael Hamel.


1. Wie viel Blut wird in Vorarlberg gebraucht? Wie viel gespendet?

In Vorarlberg werden etwa 35 Dosen Vollblut pro Tag und circa 250 bis 300 pro Woche gespendet. Österreichweit sind es gut 1000 Blutkonserven täglich. Es wird nur so viel abgenommen, wie benötigt wird. Es muss nur ein sehr kleiner Teil entsorgt werden. Das Blut dient Krebserkrankten, Patienten und Verletzten mit Blutverlust oder Erkrankten mit Störung der Blutbildung.


2. Was ist die häufigste Blutgruppe? Welche ist selten und dadurch begehrt?
0 und A positiv sind die häufigsten Blutgruppen, B und AB negativ die seltensten. Begehrt ist jedoch 0 negativ, da diese Blutgruppen jedem Patienten transfundiert werden kann.


3. Wird eine Blutspende entlohnt?
Für jeden Spender gibt es ein Getränk und eine kleine Jause. Und ein gutes Gefühl, Menschenleben zu retten. Seit 1999 gibt es ein ­Blutsicherheitsgesetz. Darin ist die freiwillige und unbezahlte Vollblutspende verankert.


4. Was passiert mit dem Blut nachdem es abgenommen wurde?
Zunächst werden Blutgruppe und Rhesusfaktor bestimmt. Danach wird das Blut auf HIV, Hepatitis A/B/C/E, Syphilis, Neopterin, Parvovirus B19 und West-Nil Virus getestet. Da diese Krankheiten mit dem Blut übertragbar wären. Das Vollblut wird dann leukozytendepletiert, zentrifugiert und in seine Bestandteile (Plasma, Erythrozyten, Thrombozyten) aufgeteilt. Jeder Patient erhält nämlich nur jene Blutbestandteile, die er aufgrund seiner Erkrankung benötigt. Das ist für den Körper weniger belas­tend. Seit dem Jahr 1990 wird in Vorarlberg kein Vollblut mehr transfundiert.


5. Erhält der Spender das Testergebnis?
Auf Wunsch. In jedem Fall bringt eine Blutspende Vorteile für die eigene Gesundheit. Es werden nicht nur Infektionskrankheiten kontrolliert, sondern auch ­Blutdruck und Hämoglobinwerte.

6. Wie viel Blut wird abgenommen?
460 Milliliter. Der Körper hat diese Blutmenge innerhalb von drei Wochen nachproduziert. Erythrozyten (rote Blutkörperchen, Anm.) werden bei vier Grad Celsius, Blutplasma bei minus 30 Grad und Thrombozyten (Bestandteile des Gerinnungs­systems, Anm.) bei 22 Grad gelagert. Erythrozyten sind 42 Tage haltbar, Plasma zwei Jahre und Thrombozyten sieben Tage.

7. Darf nach einer durchgemachten ­Covidinfektion gespendet werden?
Ja. Zwei Wochen nach einem Verlauf ohne Fieber, vier Wochen nach einem leichten Verlauf und vier Monate nach ­Infektion mit Krankenhausaufenthalt.

8. Hat eine Impfung kurz vor einer ­Blutspende Auswirkungen? Was gilt es zu beachten?
Das kommt auf die Impfung an. Grundsätzlich sollte nach allen Totimpfstoffen wie beispielsweise Corona oder Grippe 48 Stunden gewartet werden und nach Lebendimpfstoffen vier Wochen.

9. Wer darf kein Blut spenden?
Personen mit einer akuten oder chronischen Organerkrankung oder Infektionskrankheit, Personen, die an einer bösartigen Erkrankung leiden oder gelitten haben, Personen, die an Epilepsie und anderen neurologischen Erkrankungen leiden, Personen, die sich in den letzten vier Monaten Ohrstechen, piercen oder tätowieren haben lassen, Personen, die wegen Eisenmangel behandelt werden, oder aber Personen, die in einem Malariagebiet aufgewachsen sind.

10. Was ist bei Medikamenteneinnahme zu beachten?
Es kommt auf das Medikament an. Eine Medikamentenliste gibt es auf der Internetseite www.gibdeinbestes.at. Die Entscheidung liegt immer beim Arzt, der die Spenderfreigabe erteilt.

11. Gibt es eine Altersbeschränkung?
Gespendet wird vom 18. bis zum 70. Lebensjahr. Erstspender dürfen nicht älter als 60 sein.

12. Wer ist der typische Spender?
Das Durchschnittsalter liegt bei 41 Jahren bei Männern wie Frauen. Der typische Spender ist „Wiederholungstäter“.

13. Wie oft darf gespendet werden?
Generell alle acht Wochen, jedoch Männer nicht häufiger als sechs Mal pro Jahr, Frauen vier bis fünf Mal pro Jahr. Mit der geplanten Novelle dürfen Männer nur noch vier Mal und Frauen maximal drei bis vier Mal pro Jahr Blut spenden.

14. Wie verhalte ich mich vor und nach der Blutspende?
Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und zwei Stunden vor der Spende etwas zu essen und zu trinken. Bei der ersten Spende wird außerdem ein amtlicher Lichtbildausweis benötigt. 30 Minuten nach der Spende darf man nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen und keinen anstrengenden Sport betreiben.

15. Wann und wo kann ich Blut spenden?
Von Montag bis Freitag beim Blutspendedienst des ÖRK im LKH Feldkirch (8 bis 15 Uhr) oder bei einer Blutspendeaktion in einer Vorarlberger Gemeinde. Alle Termine unter: www.gibdeinbestes.at.