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Ungewisse Zukunft für Kino in Feldkirch

01.07.2022 • 22:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Restaurant- und Kino-Pächter Reinhard Rauch (links) und Filmvorführer Alexander Ilg. Ersterer betreibt das Kino seit 2012, im August hört er auf. <span class="copyright">hartinger</span>
Restaurant- und Kino-Pächter Reinhard Rauch (links) und Filmvorführer Alexander Ilg. Ersterer betreibt das Kino seit 2012, im August hört er auf. hartinger

Ende August läuft im Rio Kino die Pacht aus. Steht Feldkirch bald ohne Kino da?


Auch wenn die harten Corona-Lockdowns wohl der Geschichte angehören und die durch die Krise beflügelten Streamingdienste zuletzt schwächelten, sind die heimischen Kinos von vorpandemischen Besucherzahlen noch weit entfernt. Vor allem die Kleinkinos stehen vor einer ungewissen Zukunft. Eine besondere Situation herrscht derzeit in der Stadt Feldkirch, wo jetzt gar die (vorübergehende) Schließung des Rio Kinos droht.

Das Rio verfügt über zwei Kinosäle. Der kleinere - mit pupurrpten Sofas eingerichtet - beitet Platz für 35 Personen. Der große Saal hat knapp 100 Sitzplätze. <span class="copyright">hartinger</span>
Das Rio verfügt über zwei Kinosäle. Der kleinere - mit pupurrpten Sofas eingerichtet - beitet Platz für 35 Personen. Der große Saal hat knapp 100 Sitzplätze. hartinger

Der primäre Grund dafür sind allerdings nicht die Besucherrückgänge, sondern der noch fehlende Pächter. Wie berichtet, zieht sich Gastronom Reinhard Rauch, der das Kino neben dem gleichnamigen Restaurant seit 2012 betreibt, Ende August aus dem Berufsleben zurück – und die Nachfolge scheint noch nicht geregelt zu sein.

Gastronom Reinhard Rauch (60) zieht sich im August aus dem Berufsleben zurück. Er wird eine große gastronomische Lücke hinterlassen. <span class="copyright">Stiplovsek</span>Dass der Cineast auch das Kino zehn Jahre betrieben hat, schätzen viele Vorarlberger.
Gastronom Reinhard Rauch (60) zieht sich im August aus dem Berufsleben zurück. Er wird eine große gastronomische Lücke hinterlassen. StiplovsekDass der Cineast auch das Kino zehn Jahre betrieben hat, schätzen viele Vorarlberger.

Im Jahr 1983 eröffnet

Das Kino im zweiten und dritten Stock des Hauses Marktgasse 18 mitten in der Feldkircher Innenstadt wurde 1983 vom Industriellen Oskar Thurnher gebaut. Unter dem Namen „Oscar Kino“ lief der Kinobetrieb viele Jahre erfolgreich. Aber schon kurz nach der Eröffnung des Cineplexx in Hohenems im Jahr 1998 musste der Kinobetrieb vorläufig eingestellt werden. Zwei Jahre später wurde es von Michael Wieser übernommen, der aktuell auch das Cinema Dornbirn und Kino Bludenz betreibt. Im Jahr 2006 sorgte das Kino dann für internationale Schlagzeilen. Die Motion Picture Academy in Los Angeles, die jährlich die „Oscars“ verleiht, klagte das Feldkircher Kino erfolgreich, weil sie ihre Markenrechte verletzt gesehen hatte. Das Kino wurde daraufhin kurzerhand in „Namenlos“ umbenannt. Seit dem Umbau des Hauses im Jahr 2012 heißt das Kino Rio.

Am 30. August läuft der vorläufig letzte Film im Rio Kino. <span class="copyright">hartinger</span>
Am 30. August läuft der vorläufig letzte Film im Rio Kino. hartinger

Politik für Weiterführung

Wie es jetzt, zehn Jahre später, mit dem Rio weitergeht, ist derzeit nicht bekannt. Jörg Thurnher, Vertreter der Eigentümerfamilie, wollte trotz mehrfacher Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Dass der Kinobesitzer bereits Gespräche mit Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP) geführt hat, bestätigt indes Finanz-und Wirtschaftsstadtrat Benedikt König. Er sieht derzeit vor allem den Vermieter des Hauses gefordert, eine gute Lösung zu ermöglichen. Ein Kino in zentraler Lage sei unverzichtbar, sagt König, „sowohl vom kulturellen Aspekt als auch als Teil einer lebendigen Stadt“. König sichert dem Kino deshalb weiterhin finanzielle Unterstützung zu.

Finanz - und Wirtschaftsstadtrat Benedikt König. <span class="copyright">ÖVP</span>
Finanz - und Wirtschaftsstadtrat Benedikt König. ÖVP

Auch für Noch-Kulturstadträtin Laura Fetz (Grüne) ist der Erhalt des Kinos ein Muss. „Es leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben in Feldkirch.“

Kulturstadträtin Laura Fetz (Grüne). "Die Weiterführung des Kinos ist ein Muss.." <span class="copyright">Hartinger</span>
Kulturstadträtin Laura Fetz (Grüne). "Die Weiterführung des Kinos ist ein Muss.." Hartinger


Die Stadt förderte das Rio Kino heuer mit 16.7000 Euro, weitere 3600 gingen an den Theater-am-Saumarkt-(TaS)-Trägerverein Kulturkreis Feldkirch, der für die ganz ausgezeichnete Programmkino-Schiene im Feldkircher Kino verantwortlich zeichnet. Das Land schießt weitere 20.000 Euro für den Kinobetrieb zu.

Saumarkt hat Interesse

Sollte sich tatsächlich kein Pächter für das Rio Kino finden, dann wäre der Kulturkreis Feldkirch bereit, den Betrieb fortzuführen. „Allerdings würden wir dafür etwas mehr Geld von der öffentlichen Hand benötigen“, sagt Vereinsvorstand Werner Gerold im NEUE-Gespräch. Wieviel das sein soll, dazu möchte er derzeit keine Angaben machen. Auch er hat bereits Gespräche im Rathaus geführt. Der Bürgermeister habe sich deutlich zum Kino bekannt und Unterstützung bekundet, berichtet Gerold.

Werner Gerold, Sprecher der Sumarkt-Filmgruppe. <span class="copyright">NEUE/Stadler</span>
Werner Gerold, Sprecher der Sumarkt-Filmgruppe. NEUE/Stadler

Vision „Filmkulturhaus“.

Seit nunmehr fast 30 Jahren zeigt die kleine Saumarkt-Filmgruppe internationale Film-Perlen abseits vom Mainstream-Angebot der Cinplexx-Betriebe. Im Falle einer Pachtübernahme möchte der Verein die Arthouse-Schiene deutlich ausbauen. Gerold schwebt eine Art „Filmkulturhaus“ vor, in dem auch Vermittlungsformate für die jüngere Generation angeboten werden sollen. „Das wäre gerade in Zeiten der medialen Überflutung wichtig.“ Ganz grundsätzlich sei ein regional gut erreichbares Kino „ein nicht wegzudenkender Bestandteil der kulturellen Infrastruktur einer Stadt. Zudem habe das Kino als Ort der Begegnung und des Austausches eine wichtige soziale Funktion. Dass Reinhard Rauch, selbst ein großer Cineast, das Kino nun zehn Jahre lang betrieben hat, bezeichnet Gerold als Glücksfall.

Kino-Enthusiast Werner Miller aus Feldkirch. "Das Kino ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Feldkirch"
Kino-Enthusiast Werner Miller aus Feldkirch. "Das Kino ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Feldkirch"

Ganz ähnlich sieht das Werner Miller aus Feldkirch. Er ist regelmäßig im Rio anzutreffen. Feldkirch ohne Kino – das kann und will er sich nicht vorstellen. Er erwartet sich, dass Land und Stadt „da finanziell dazuschauen“.

Filmvorführer Alexander Ilg. <span class="copyright">Hartinger</span>"Vord er Pandemie im Jahr 2019 hatten wir fast doppelt so viele Besucher. <span class="copyright"> Hartinger</span>
Filmvorführer Alexander Ilg. Hartinger"Vord er Pandemie im Jahr 2019 hatten wir fast doppelt so viele Besucher. Hartinger

Der (vorläufig) letzte Film

Ob und in welcher Form das Feldkircher Kino weitergeführt wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Am 30. August läuft jedenfalls der letzte TaSKino-Film. Den indischen Streifen „Last Film Show – Das Licht, aus dem die Träume sind“, haben die Mitglieder Saumarkt-Filmgruppe wohl nicht ganz zufällig ausgewählt. Bleibt zu hoffen, dass der Name nicht Programm ist und es sich dabei nur um den vorläufig letzten Film handelt.

Das Rio Kino befindet sich in bester Lage mitten in der Feldkircher Innenstadt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Rio Kino befindet sich in bester Lage mitten in der Feldkircher Innenstadt. Hartinger

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