Besser leben

Auf dem Weg zum Glück – und über die kleinen Dinge

03.07.2022 • 14:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Salmhofer
Neue Kopfkino von Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Wie kleine Dinge des Lebens einen selbst auf ziemlich große Art und Weise beeinflussen können, weiß man spätestens dann, wenn man einmal auf einen Reißnagel getreten ist, sich an einer Gräte verschluckt hat oder – positiver betrachtet – einen Schmetterling auf seiner Hand hat landen lassen.

Ich nenne sie die „Wutzimomente“ des Lebens – ganz nach dem Fingerspiel: „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, der hebt sie auf, der bringt sie nach Haus, und der kleine Wutziwutzi isst sie alle wieder auf!“ Genauso wie der hungrige Moment des kleinen Fingers all die Arbeit der anderen Finger zunichte macht oder zumindest beeinflusst, machen dies die „Wutzimomente“ unseres Lebens auch. Philosophisch betrachtet sind es die Kieselsteine, Wurzelwerke, Moos- und Wiesenflächen auf dem Lebensweg, den wir barfuß dahinschreiten. Ohne sie gäbe es den Weg nicht. Und die Begegnung mit diesen Momenten hört nicht auf, solange man geht.

Da sind die Sommernachts-Gesprächsabenteuer mit Menschen, die man mag, oder das Lachen der Töchter, wenn man über deren womöglich bald stattfindenden ersten Kuss redet, die einem weich unter den Füßen den nächsten Schritt erleichtern. Der Zahnarztbesuch, der einem offenbart, dass man womöglich bald einen neuen Zahn braucht, gehört eher zu den Kieselsteinen des Lebens. Das Versetzt-Werden bei einem Date, die Absage eines Jobs ist mehr das Wurzelwerk, das einen kurz zum Stolpern bringt. Da muss man einfach mit der Zeit lernen, darüber hinweg zu steigen. Außer ich, ich stolpere da gar zu gerne immer wieder darüber, aber das ist Thema einer anderen Geschichte.

Eigentlich will ich damit nur sagen, der Weg ist zum Glück ein bisschen wie eine Wanderung auf die Hohe Kugel. Steinig, schön und mit wunderbarem Ausblick. Wenn man ihn geht, merkt man, egal wie anstrengend er ist, es ist unglaublich schön und faszinierend. Die Ankunft am Gipfel ist damit nicht zwingend notwendig, aber eine wunderbare Belohnung, bevor man den nächsten Glücksgipfel erklimmt. Mein ganzes Philosophieren hat nur einen Haken: Was ist, wenn man Wanderschuhe anhat? Sagen wir mal so: Der Wanderschuh könnte der jeweilige Lebenspartner sein, der einem den Weg erleichtert, aber nicht abnimmt. Manchen Stein spürt man dennoch. Da fällt mir ein, ich habe irgendwo noch einen Gutschein von 15 Prozent herumliegen, für einen Schuhkauf. Yes!

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.