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Metzler: „Die Situation ist dramatisch“

09.07.2022 • 19:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch der Ochsentaler Gletscher ist von den hohen Temperaturen betroffen.
Auch der Ochsentaler Gletscher ist von den hohen Temperaturen betroffen.

Heimische Gletscher waren Thema einer Anfrage der Grünen.

Nicht ganz einig waren sich Grünen-Abgeordneter Christoph Metzler und Landesrat Christian Gantner (ÖVP) diese Woche im Landtag bezüglich der Situation rund um die Vorarlberger Gletscher. Metzler hatte gemeinsam mit seiner Fraktionskollegin Christine Bösch-Vetter eine Anfrage an den Landesrat gestellt. „Klimaerhitzung – ist das Land Vorarlberg für Katastrophenfälle ausreichend gerüstet?“, lautete deren Titel. Darin wollten die beiden Mandatare unter anderem wissen, wie es um die Gletscher im Land bestellt ist. Grundsätzlich zeige sich, dass die Gletscherlängen abnehmen, heißt es in der Anfragebeantwortung. Bis 2030 sei mit einem Rückgang der Gletscherfläche um rund 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 zu rechnen. Aufgrund der Kleinräumigkeit der Gletscherflächen sei jedoch mit keinen oder nur sehr lokal begrenzten Auswirkungen auf die Wasserversorgung zu rechnen – etwa bei einzelnen Alphütten.

Grünen-Abgeordneter Christoph Metzler zeigte sich besorgt über den Zustand der Gletscher. <span class="copyright">SERRA</span>
Grünen-Abgeordneter Christoph Metzler zeigte sich besorgt über den Zustand der Gletscher. SERRA

Dramatische Situation

Keine Freude hat mit dieser Einschätzung Christoph Metzler. Er sah darin „eine Verharmlosung der Situation der Gletscher“, welche seiner Ansicht nach dramatisch sei. Der Rückgang und das Verschwinden der Gletscher habe große Auswirkungen auf die Energiewirtschaft und den Wasserhaushalt. Letzterer sei nicht so sicher, wie man sich das vorstelle. So seien die Grundwasserstände im Walgau und Rheintal stets unter dem langjährigen Mittel. Im Montafon sei die Lage sogar noch dramatischer. In Schruns liege der Pegel derzeit 5,5 Meter unter dem langjährigen Mittel und zwei Meter unter dem bislang niedrigsten Wert. „Und diese dramatische Entwicklung kann bei jedem Pegel im Montafon nachvollzogen werden“, meinte Metzler. Er sah in der Entwicklung eine Auswirkung aus dem Rückgang der Gletscher. Auf jeden Fall müsse dieser Situation auf den Grund gegangen werden.

Landesrat Gantner entgegnete dem, dass die Lage im Montafon schon seit Längerem genau beobachtet werde. Hilfreich sei dabei auch, dass Landtagsvizepräsidentin Monika Vonier (ÖVP) aus der Region stamme und in der Vergangenheit ebenfalls auf die Problematik aufmerksam gemacht habe. Metzler hatte Vonier zuvor in seiner Rede erwähnt. Denn diese habe auf einer gemeinsamen Fahrt zur oder von der Landtagssitzung gegenüber der Grünen-Abgeordneten Nadine Kasper von Problemen mit der Grundwasserwärmepumpe berichtet. Gantner sah bei den niedrigen Pegelständen jedoch keinen Zusammenhang mit den Gletschern. Vielmehr ließen sich die niedrigen Pegel mit Hochwassern der Ill in Verbindung bringen.

Die Wasserversorgung sei jedenfalls gesichert, betonte der Landesrat. So stamme 70 Prozent des Trinkwassers im Land aus dem Grundwasser. Dazu sei der Grundwasserkörper im Rheintal sehr stabil. Insgesamt sei die Wasserversorgung gesichert. Schließlich gebe es in Vorarlberg jährlich etwa 145 Milliarden Liter Niederschlag. Der Wasserbedarf liege mit 57 Milliarden Litern deutlich darunter. Zudem seien die Vorarl­bergerinnen und Vorarlberger mit einem Verbrauch von rund 140 Litern pro Tag sparsamer als die Menschen andernorts. So liege der durchschnittliche Verbrauch in Österreich bei 162 Litern pro Tag.

Landesrat Christian Gantner gab Auskunft über die Wassersituation im Land. <span class="copyright">Serra</span>
Landesrat Christian Gantner gab Auskunft über die Wassersituation im Land. Serra

Nicht ganz ehrlich

Die Diskussion um die Gletscher war jedoch nicht die einzige Meinungsverschiedenheit in der Besprechung der Anfrage. Grünen-Abgeordnete Christine Bösch-Vetter nutzte die Debatte, um auf die Bedeutung des Klimaschutzes hinzuweisen. Dies rief Andrea Kerbleder von der FPÖ auf den Plan. Sie warf den Grünen vor, der Bevölkerung gegenüber nicht ganz ehrlich zu sein. Vielmehr müsse ein realistischer Blick darauf geworfen werden, was möglich sei. Dazu gehöre beispielsweise, dass eine komplette Umstellung auf E-Mobilität nicht zu erreichen sei. Es müsse auch über Alternativen wie etwa „e-Fuels“ oder Wasserstoffantriebe nachgedacht werden.

Einig waren sich alle Beteiligten dagegen, dass eine Umsetzung des Hochwasserschutzprojekts „Rhesi“ oberste Priorität haben sollte. Denn bei einem Hochwasser am Rhein drohten riesige Schäden. Grünen-Abgeordneter Metzler bemängelte, dass bei „Rhesi“ zuletzt etwas Zug verloren gegangen sei. Dies müsse sich wieder ändern: „Also, in dieser Sache: Vollgas.“