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Kinder geschlagen: Sechs Jahre Haft

12.07.2022 • 17:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/dpa

Familienvater übte nach Ansicht der Richter jahrelang häusliche Gewalt gegen seine Gattin und drei unmündige Söhne aus. Strafrahmen belief sich auf 5 bis 15 Jahre Gefängnis.

Die Familie sei leider jahrelang von Gewalt geprägt gewesen, sagte Richter Richard Gschwenter in seiner Urteilsbegründung. Dafür verantwortlich gemacht wurde am Dienstag in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch der Familienvater. Wegen schwerer häuslicher Gewalt wurde der 40-jährige Türke zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn der Angeklagte und Staatsanwältin Severa Jörg nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Drohungen

Nach Ansicht der Richter hat der Angeklagte in Dornbirn seine Gattin und drei unmündige Söhne zwischen 2009 und Jänner 2022 oft geschlagen und und dabei leicht verletzt oder misshandelt. Demnach hat er seine Ehefrau und zwei seiner Söhne auch bedroht. Zugeschlagen hat der Mann nach den gerichtlichen Feststellungen mit der Faust, der flachen Hand, dem Fuß, einem Gürtel und einem Nudelholz. Dem Urteil zufolge hat er seine Frau gedroht, sie umzubringen, einem Sohn, ihn aus dem Fenster zu werfen, und einem anderen Sohn, ihm die Zähne herauszuschlagen.

Der Schuldspruch erfolgte wegen der Verbrechen und der Vergehen der fortgesetzten Gewaltausübung. Der Strafrahmen betrug 5 bis 15 Jahre Haft. Die Strafdrohung gelangt zur Anwendung, wenn eine unmündige Person mehr als ein Jahr lang Opfer von fortgesetzter Gewalt wird.

Schon einmal verurteilt

Bei der verhängten Sanktion handelt es sich um eine Zusatzstrafe zum Urteil vom Juni am Landesgericht. Damals wurde über den unbescholtenen Angeklagten rechtskräftig eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten verhängt, weil er 2017 beim Verpacken von 300 Gramm Kokain für den Verkauf geholfen hat. Wenn schon im Juni auch über die häusliche Gewalt geurteilt worden wäre, hätte seinerzeit die Haftstrafe siebeneinhalb Jahre ausgemacht, erläuterte Richter Gschwenter.

Die mutmaßlichen Opfer hätten vor der Polizei und dem Rechtsschutzrichter den Angeklagten glaubwürdig belastet, sagte der Vorsitzende des Schöffensenats. Der Angeklagte bekannte sich vor Gericht teilweise schuldig. Der 40-Jährige gab zu Protokoll, ihm tue leid, dass er Familienmitglieder geschlagen habe. Aber die Anzahl der Gewalttätigkeiten sei eine weit niedrigere gewesen, als in der Anklageschrift behauptet werde, sagte Verteidiger Manuel Dietrich. Der Anwalt meinte, sein Mandant sei nur wegen vereinzelter Vorfälle zu verurteilen und nur wegen (versuchter) Körperverletzung.

hilfe für betroffene

Frauenhelpline

Die Frauenhelpline gegen Gewalt ist rund um die Uhr unter 0800 222 555 erreichbar.