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Mord in Bürs: Warum dem Staatsanwalt 11 Jahre Haft zu wenig sind

13.07.2022 • 18:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mord in Bürs: Warum dem Staatsanwalt 11 Jahre Haft zu wenig sind
Der Schwurgerichtsprozess fand am 4. Juli statt und ging mit einem Schuldsspruch zu Ende. NEUE/Stadler

60-Jähriger erwürgte Lebensgefährtin – Staatsanwaltschaft meldete Rechtsmittel wegen zu geringer Strafe an.

Welche Strafe ist angemessen für jemanden, der seine Lebensgefährtin in einer sadomasochistischen Fernbeziehung mit wechselseitigen Kränkungen im Streit mehrere Minuten lang gewürgt und so ermordet hat? Dafür wurde der unbescholtene Angeklagte am 4. Juli in einem Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch hält die wegen Mordes verhängte Sanktion für zu milde und hat eine Berufung wegen zu geringer Strafe angemeldet. Darüber wird nun das Oberlandesgericht Innsbruck in einer Berufungsverhandlung entscheiden.

Der Strafrahmen für Mord beträgt 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft. Die von den drei Feldkircher Berufsrichtern gemeinsam mit den acht Geschworenen festgelegte Freiheitsstrafe liegt mit elf Jahren lediglich ein Jahr über der Mindeststrafe. Deshalb beantragt die Anklagebehörde angesichts des brutalen Vorgehens des Angeklagten eine strengere Sanktion.
Der 60-jährige Arbeitslose hat am 26. Oktober 2021 in seiner Wohnung in Bürs seine 47-jährige Freundin so gewürgt, dass sie bereits klinisch tot war. Die Frau konnte von Rettungskräften reanimiert werden, starb aber zwei Tage später im Landeskrankenhaus Feldkirch.

Milderungsgründe

Die Strafbemessung im unteren Bereich des Strafrahmens wurde vom Landesgericht mit dem Vorliegen mehrerer Milderungsgründe begründet. Dazu führte der vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung aus, der Angeklagte sei unbescholten und reumütig geständig und zur Tatzeit auch wegen eines Burnouts eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen. Zudem sei er durch das Opfer, das ihn zum Verlassen der Wohnung aufgefordert und die Wohnungstür beim heftigen Zuschlagen beschädigt habe, provoziert worden. Erschwerend ausgewirkt habe sich hingegen, dass die Tat an der Lebensgefährtin begangen worden sei und sich die Gewalt gegen eine Frau gerichtet habe.

Der Verteidiger meinte, die vorsätzliche Tötung sei nicht als Mord zu werten, sondern nur als Totschlag. Weil sich sein Mandant in einer allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung zu der folgenschweren Tat hinreißen lassen habe. Nur einer der acht Geschworenen teilte die Rechtsansicht des Anwalts. Der angeklagte Untersuchungshäftling verzichtete auf eine Nichtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof in Wien. Damit wurde der Schuldspruch wegen Mordes rechtskräftig.

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