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Mit entwendetem Pkw Polizeiautos gerammt

21.07.2022 • 19:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symboldbild/Hofmeister</span>
Symboldbild/Hofmeister

Verteidiger meint, wenn er bei Wiedergutmachung finanziell nicht behilflich gewesen wäre, müsste vorbestrafter Mandant nach gefährlichen Fahrmanövern wohl Haftstrafe verbüßen.

Der Angeklagte beging nach den gerichtlichen Feststellungen im März in Bürs mit einem entwendeten Firmenauto nach einem Verkehrsunfall Fahrerflucht. Demnach fuhr der mit 1,7 Promille Alkoholisierte der Polizei davon und rammte auf der Walgauautobahn zwei von drei Polizeiautos, die ihn eingekesselt hatten. Dabei fuhr er auf einen ausgestiegenen Polizisten los, der sich mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit bringen musste. Als Geisterfahrer setzte der junge Mann auf der Autobahn seine Flucht kurz fort, bis er abgedrängt und festgenommen werden konnte. Er führte eine ungeladene Gaspistole bei sich. Trotz des über ihn verhängten Waffenverbots besaß der Vorbestrafte auch Munition und ein Butterflymesser.

1000 Euro

 Die Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch wurde für eine ungewöhnliche Maßnahme für kurze Zeit unterbrochen. Verteidiger Serkan Akman ging in seine Feldkircher Kanzlei und holte dort 1000 Euro. Das Geld lieh er seinem angeklagten Mandanten, der den Betrag dann im Gerichtssaal als Teilwiedergutmachung für die entstandenen Schäden an den Polizeiautos übergab. Damit sei seinem vorbestraften Klienten nach den angeklagten gefährlichen Fahrmanövern wohl eine zu verbüßende Haftstrafe erspart geblieben, glaubt der Rechtsanwalt.

“Das letzte Mal”

Jedenfalls sagte Richter Christoph Stadler in seiner Urteilsbegründung, es sei bei der Frage der angemessenen Bestrafung „Spitz auf Knopf gestanden“. Der mit zwei einschlägigen Vorstrafen belastete Angeklagte komme „das letzte Mal ohne Gefängnis“ davon. Der Arbeiter wurde zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von zwölf Monaten und einer Geldstrafe von 6480 Euro (360 Tagessätze zu je 18 Euro) verurteilt. Hinzu kommen 360 Euro aus einer offenen Vorstrafe. Damit hat der 30-Jährige dem Gericht insgesamt 6840 Euro zu bezahlen.

Dem Innenministerium hat er für Schäden an Polizeiautos noch 3544 Euro zukommen zu lassen.

Schuldspruch

Das Urteil, das der Angeklagte annahm, ist nicht rechtskräftig, denn die Staatsanwältin nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Strafrahmen betrug sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht 18 Monaten Haft. Der Schuldspruch erfolgte wegen versuchter schwerer Körperverletzung an Beamten, Widerstands gegen die Staatsgewalt, schwerer Sachbeschädigung, unbefugten Gebrauchs von Fahrzeugen und unerlaubten Waffenbesitzes.